Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Getränke Die Deutschen bleiben Weltmeister im Sekttrinken

Die Kunden greifen traditionell zu günstigem Schaumwein, doch edle Winzersekte sind im Kommen. Auch Rosé, Fruchtsecco und alkoholfreier Sekt legen zu.
20.12.2019 - 16:04 Uhr 1 Kommentar
Schaumwein in Rosa liegt dieses Jahr im Trend. Quelle: Getty Images
Rosé-Sekt

Schaumwein in Rosa liegt dieses Jahr im Trend.

(Foto: Getty Images)

Düsseldorf Den Titel als Fußballweltmeister hat Deutschland zwar verloren. Aber auf einem ganz anderen Gebiet ist das Land immer noch weltweit führend: beim Trinken von Schaumwein. An die 286 Millionen Liter, die in Deutschland 2018 verbraucht wurden, kommt niemand sonst heran. Die Franzosen trinken nur rund die Hälfte, in den USA liegt der gesamte Verbrauch lediglich bei 239 Millionen Liter.

Rund 16 Prozent aller Schaumweine weltweit werden hierzulande getrunken – das sind etwa vier Flaschen pro Kopf und Jahr. Und der Markt wächst weiter.

Die andere Seite der Medaille: Es ist nicht unbedingt qualitativ hochwertiger Schaumwein, der in den heimischen Regalen steht. Viele Branchenkenner stellen sich die Frage: Wie kann ein Hersteller seinen Schaumwein im Handel für unter drei Euro verkaufen, wenn allein schon die Sektsteuer inklusive Mehrwertsteuer rund 1,20 Euro pro Flasche beträgt? Die Franzosen beispielsweise, die nur die Hälfte verbrauchen, geben insgesamt doppelt so viel Geld für Schaumwein aus.

Wie sehr Deutsche auf den Preis achten, lässt sich am besten am Prosecco aus Norditalien erläutern. Hierzulande wird überwiegend der günstigere Frizzante statt Spumante gekauft. Denn für Prosecco Frizzante, der wegen des geringeren Kohlensäuredrucks nicht als Schaum-, sondern Perlwein gilt, muss keine Sektsteuer gezahlt werden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Trotz aller Preissensitivität: In den vergangenen Jahren ist hierzulande die Nachfrage nach hochwertigem Schaumwein ab sechs Euro gestiegen. Das bestätigt Christof Queisser, Chef der Kellerei Rotkäppchen-Mumm aus Freyburg (Unstrut): „Unsere rebsortenreine Rotkäppchen Flaschengärung mit dem schwarzen Etikett beispielsweise ist in den vergangenen fünf Jahren um jeweils fünf Prozent gewachsen.“

    Grafik

    Mit einem Marktanteil von rund 54 Prozent gelang dem ostdeutschen Traditionshersteller von 1856 nach der Wende ein wahrhaft märchenhafter Aufstieg. „Seit dem Management-Buy-out 1993 stieg unser Umsatz von 14,8 Millionen D-Mark auf heute mehr als eine Milliarde Euro“, erzählt Queisser. „Ein Weg, der nicht immer einfach war.“

    Damit liegt Rotkäppchen-Mumm vom Umsatz her auf Augenhöhe mit Henkell Freixenet. 2018 hatte die Oetker-Tochter 50,67 Prozent der Anteile des katalanischen Cava-Herstellers Freixenet übernommen. Damit stieg das Unternehmen mit einer Jahresproduktion von zuletzt 280 Millionen Flaschen nach eigenen Angaben zum Weltmarktführer in der Schaumweinbranche auf. Bis 2025 will Henkell Freixenet seinen Anteil von 8,5 auf zehn Prozent weiter steigern.

    Dynamische Branche

    Der Trend zu mehr Premium zeigt sich auch in der wachsenden Popularität von Winzersekt, die deutsche Antwort auf Champagner. Hierzulande kelterten 2018 laut Statistischem Bundesamt 1185 Winzer Schaumwein. Alle Winzersekte durchlaufen – wie beim Champagner – in der Flasche eine zweite Gärung. Die muss mindestens neun Monate betragen und kann einige Jahre dauern. Für den Sektgrundwein eines Winzersektes dürfen nur Trauben aus eigenen Weinbergen verwendet werden.

    „Die Winzersekt-Szene ist sehr dynamisch“, meint Harald Scholl, stellvertretender Chefredakteur des Wein-Fachmagazins „Vinum“. Diese Dynamik sei sowohl bei den Produkten, den Preisen als auch bei der steigenden Akzeptanz der Verbraucher für Winzersekte zu beobachten.

    Der CEO von Rotkäppchen-Mumm. Quelle: Christoph Michaelis
    Christof Queisser

    Der CEO von Rotkäppchen-Mumm.

    (Foto: Christoph Michaelis)

    Die Branche der Sektwinzer ist zudem sehr heterogen. Auf der einen Seite steht beispielsweise Volker Raumland, der „Grandseigneur“, wie ihn das Magazin „Vinum“ bezeichnet. „Er hat über Jahrzehnte alleine den deutschen Winzersekt nach vorn gebracht“, erläutert Scholl.

    Auf der anderen Seite steht Nico Brandner, ein Quereinsteiger, der nach einer Banklehre mithilfe von Investoren vor gut sechs Jahren das Unternehmen Griesel Sekt gründete. Beide Winzer wurden in den vergangenen Jahren mit Auszeichnungen überhäuft. Entsprechend teuer sind auch Spitzen-Winzersekte mit Preisen über 50 Euro die Flasche.

    Rosé ist im Kommen

    Insgesamt ist der deutsche Sektmarkt, der einen guten Teil seines Jahresumsatzes im Dezember macht, in diesem Jahr deutlich gewachsen. So lautet das Fazit des Verbands Deutscher Sektkellereien. Allein im ersten Halbjahr wurden fünf Millionen Flaschen mehr verkauft als davor. Vor allem Rosé-Sekt ist auf dem Vormarsch, der im ersten Halbjahr laut Verband um rund 30 Prozent zulegte.

    Noch dominiert mit über 80 Prozent der weiße Sekt den deutschen Markt. „Aber wie beim Wein hat Rosé auch beim Sekt stark an Bedeutung gewonnen“, bestätigt Queisser. „Bei unserer Premiummarke Geldermann etwa hat Rosé bereits einen Anteil von 40 Prozent.“
    Aber auch der leichtere Fruchtsecco wird immer beliebter, besonders zu informellen Anlässen wie Grillabenden. „Fruchtsecco ist der deutsche Aperol Spritz“, sagt der Rotkäppchen-Chef. Auch alkoholfreier Sekt ist kein Tabu mehr. „Ein guter Gastgeber bietet heute immer eine alkoholfreie Variante an“, so Queisser. Dennoch ist der Marktanteil mit fünf Prozent laut Verband noch relativ gering.

    Der Rotkäppchen-Chef jedenfalls wird an Silvester Sekt mit Alkohol trinken. Diesmal wegen des Hypes um Rosé-Sekt allerdings mit einer Flaschengärung Chardonnay extratrocken. „Normalerweise stoße ich mit Rotkäppchen Flaschengärung Rosé an“, erzählt er. „Aber die ist seit November schon ausverkauft.“

    Mehr: Auf deutschem Schaumwein könnten bald deutlich erhöhte US-Zölle zukommen. Auch die Brexit-Unsicherheiten bleiben ein Problem für die Winzer.

    Startseite
    Mehr zu: Getränke - Die Deutschen bleiben Weltmeister im Sekttrinken
    1 Kommentar zu "Getränke: Die Deutschen bleiben Weltmeister im Sekttrinken"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Mal kurz nachgerechnet: die Eigenmarke eines großen deutschen Discounters kostet aktuell incl. USteuer € 2,79 ./. USteuer € 2,34 ./. Schaumweinsteuer € 1,02 bleiben also € 1,32 netto für die Flasche vom Endprodukt Sekt.

      Der Preis von € 1,32 beinhaltet den Einkauf des Grundweines, Versektungskosten, Flasche, Etikett, Korken, Kartonagen, Versand- und Vertiebskosten. Den Gewinn teilen sich Verkäufer, Versekter, die Hersteller von Glas, Korken, Etiketten, Kartonagen, Speditionen und am Ende der Nahrungskette evtl. Weinbauern, falls da noch was übrig bleibt.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%