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Getränkeindustrie Lebensmittelriese PepsiCo will weg von Plastikmüll und Zucker

Pepsi gibt es nun zum Selbstsprudeln für daheim und bald in Recycling-Flaschen. Der US-Konzern will nachhaltig und gesünder werden – auch mit Gazpacho.
03.12.2020 - 10:33 Uhr Kommentieren
Der US-Getränkekonzern will seine PET-Flaschen bis Ende 2021 in Deutschland komplett auf Altplastik umstellen. Quelle: Reuters
Pepsi-Flaschen im Supermarkt

Der US-Getränkekonzern will seine PET-Flaschen bis Ende 2021 in Deutschland komplett auf Altplastik umstellen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Egal ob Softdrinks, Eistee, Haferflocken oder Chips der Marken Lay‘s oder Doritos: Mehr als eine Milliarde Produkte von PepsiCo werden auf der Welt tagtäglich konsumiert, zuletzt stieg der Umsatz des US-Konzerns um vier Prozent auf 67,2 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig wächst der Berg an Müll aus PET-Flaschen und Verpackungen. Nach Coca-Cola ist PepsiCo der Konsumgüterkonzern, der weltweit am meisten Plastikmüll produziert. Im Jahr sind es ganze 2,3 Millionen Tonnen, ermittelte die Lobbyorganisation Changing Markets Foundation.

Das soll sich ändern. „Kunststoffabfälle sind eine Herausforderung, auf die wir jetzt reagieren müssen“, sagt Silviu Popovici, CEO Europa von PepsiCo, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir wollen einen Kreislauf für Verpackungen schaffen, damit Plastik nie mehr zu Müll wird.“ Deutschland wird dabei weltweiter Pioniermarkt für nachhaltigere Flaschen.

Als erster Getränkekonzern hierzulande will PepsiCo spätestens Ende 2021 ausschließlich recyceltes Plastik (rPET) für alle Erfrischungsgetränke verwenden. Das spart etwa 15.000 Tonnen Neuplastik im Jahr – eine Menge, die fast 12,5 Millionen Lego-Steinen entspricht.

Gleichzeitig werde so viel Kohlendioxid eingespart, wie sonst 6200 Autos im Jahr ausstoßen. „Allein in Deutschland nehmen wir im Jahr sieben Millionen Euro in die Hand für unsere neue Plastikstrategie“, sagt Popovici.

Der Europa-Chef von PepsiCo ist überzeugt: „Eines Tages werden all unsere Getränke ohne Zucker sein.“ Quelle: PepsiCo
Silviu Popovici

Der Europa-Chef von PepsiCo ist überzeugt: „Eines Tages werden all unsere Getränke ohne Zucker sein.“

(Foto: PepsiCo)

Rivale Coca-Cola geht ähnliche Wege. Getränke der Marke Vio werden hierzulande ab Januar in Flaschen aus 100 Prozent recyceltem PET angeboten.

Die Konsumgüterhersteller stellen nicht zuletzt wegen der neuen EU-Plastiksteuer auf Altplastik um. Denn ab Januar sollen Mitgliedsländer für nicht wiederverwertete Kunststoffabfälle zahlen – und zwar 80 Cent je Kilogramm. Die Zahlungen dürften auf die Verursacher, sprich: die Hersteller, umgelegt werden. Es drohen Strafen von sieben Milliarden Euro im Jahr.

Die Folge ist ein Run auf Altplastik. „Der Ansturm auf PET-Recyclat ist groß“, bestätigt Popovici. Recyceltes PET ist derzeit deutlich teurer als neues PET. Zumal der Ölpreis in der Coronakrise stark gesunken ist. Bis 2030 will PepsiCo in der gesamten EU zur Hälfte Altplastik verwenden. Die Erfahrungen aus Deutschland sollen weltweit übertragen werden.

„Der politische Druck auf Getränkekonzerne wächst. Wobei es grundsätzlich besser ist, Plastikmüll zu vermeiden als zu recyceln“, meint Dirk Reinsberg, Vorstand des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels. Coca-Cola setze anders als PepsiCo hierzulande wieder verstärkt auf Mehrwegflaschen.

Tochter Sodastream im Aufwind

Immer mehr Deutsche verzichten ganz auf Getränkeflaschen und trinken Leitungswasser, das sie zu Hause aufsprudeln. Marktführer für Sprudlergeräte ist Sodastream. PepsiCo hat die Firma aus Israel 2018 für 3,2 Milliarden Dollar übernommen.

Deutschland ist für Sodastream der wichtigste Markt. Seit wenigen Monaten gibt es hierzulande auch Sirupkapseln für Pepsi oder Seven Up. Die Nachfrage war so groß, dass es zwischenzeitlich Engpässe gab. „Die Verbrauchertrends Nachhaltigkeit und Convenience, gepaart mit der Corona-Pandemie, haben das Selbersprudeln zu Hause befeuert“, erklärt Adrian Kirste, Konsumgüterexperte von AT Kearney. Allerdings entstehe durch Kapseln und Gaskartuschen auch Müll, gibt Reinsberg zu bedenken.

Dass PepsiCo mit dem Sodastream-Sirup sein eigenes Stammgeschäft kannibalisiert, fürchtet Popovici indes nicht. „Die Zukunft der Getränkeindustrie wird zweigeteilt sein: Flaschen für unterwegs und selbst abgefüllte Softdrinks für zu Hause. Wir bieten Konsumenten die Wahl.“ Ohnehin fokussiere sich Sodastream, das unabhängig vom Mutterkonzern gemanagt wird, bisher auf Europa. PepsiCo stelle aber Getränke in 182 Ländern her.

Verbraucher verlangen nicht nur nachhaltigere Verpackungen, sondern auch gesündere Produkte. Der Absatz zuckerreduzierter Getränke hat hierzulande kräftig zugelegt, ermittelte Marktforscher Euromonitor International.

„In Deutschland wollen wir den Zuckeranteil in den nächsten Jahren um weitere 15 Prozent senken“, sagt Popovici. Seit zehn Jahren macht PepsiCo ohnehin nur noch Werbung für zuckerfreie Getränke. „Eines Tages werden all unsere Getränke ohne Zucker sein“, prognostiziert Popovici.

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Der Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, in seinen Produkten weniger Zucker, weniger Fett und Salz zu verwenden. PepsiCo wird deshalb die Nährwertkennzeichnung Nutriscore freiwillig nutzen. „Der Nutriscore ist nicht perfekt, zwingt aber die Industrie, ihre Rezepte zu überarbeiten“, sagt der Manager. Eine Pepsi-Cola erhält die schlechteste Note, ein „rotes E“, eine zuckerfreie Pepsi Max dagegen ein „grünes B“, die zweitbeste Note.

Auch bei Snacks, dem zweiten Standbein von PepsiCo, sind die Nutriscore-Werte ganz unterschiedlich – je nach Fett- und Salzgehalt. Lay‘s Chips mit Paprika erhalten ein E. Lay‘s Baked Chips sind nahe an Note B, weil sie gebacken statt frittiert sind.

Eins hat Popovici gelernt: „Die Kunden wollen gesündere Getränke und Snacks, aber keinerlei Kompromisse im Geschmack eingehen.“ Der schwierige Spagat erfordere viel Forschung und Entwicklungsarbeit.

Aktie von PepsiCo hat sich erholt

In Deutschland macht PepsiCo etwa eine halbe Milliarde Euro Umsatz. Der Marktanteil mit kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken liegt laut Euromonitor bei gut zehn Prozent und damit klar hinter Rivale Coca-Cola mit gut 30 Prozent.

In der Pandemie hat vor allem das Getränkegeschäft mit der Gastronomie gelitten, der Anteil liegt bei PepsiCo hierzulande aber nur bei etwa 20 Prozent. Snacks milderten die Krise aber deutlich ab. „Die Menschen trösten sich in der Coronakrise mit Chips auf der Couch“, sagt Popovici. Rund 45 Prozent des weltweiten Geschäfts macht PepsiCo ohnehin mit Snacks.

In den ersten neun Monaten stieg der Konzernumsatz zum Vorjahr sogar leicht auf 48 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs hat sich vom Absturz im Frühjahr wieder gut erholt, anders als beim Konkurrenten Coca-Cola. Dessen Umsatz ist gesunken. Nun werden weltweit Stellen abgebaut, und die Zahl der rund 200 Marken wird halbiert.

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Weil der Markt für Softdrinks in vielen Ländern ausgereizt ist, setzt PepsiCo auf neue Produktgruppen. Im Frühjahr wurde Rockstar Energy für 3,85 Milliarden Dollar zugekauft. Bei den Energydrinks ist PepsiCo allerdings Nachzügler hinter Red Bull und Coca-Cola mit der Marke Monster. In Europa kooperiert PepsiCo zudem mit dem Espressohersteller Lavazza, unter dessen Namen Kaffeegetränke in Dosen verkauft werden.

Große Hoffnung setzt Popovici auf etwas Neues: Gazpacho im Tetrapak. Die gekühlte Gemüsesuppe produziert die PepsiCo-Tochter Alvalle in Südspanien. Testverkäufe in Deutschland verliefen vielversprechend. „Die Getränkebranche erlebt gerade innovative Zeiten“, sagt Experte Reinsberg.

Coca-Cola ist im Sommer gar in den Markt für alkoholische Getränke eingestiegen – mit dem Kultgetränk Hard Seltzer der Marke Topo Chico, fruchtiger Sprudel mit Alkohol. „Wenn so viele Brauer und Spirituosenhersteller in den Markt für alkoholfreie Getränke einsteigen, warum nicht auch andersherum?“ fragt der PepsiCo-Manager.

Konkrete Pläne hat der Konzern dazu nicht. „Aber die Expertise hätten wir, und die Margen für alkoholische Drinks sind hoch“, meint Popovici. „Wir schauen uns das an und werden uns in den nächsten Quartalen entscheiden.“

Mehr: Wie Hassia die Marke Bionade neu beleben will.

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