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Glashersteller Anleger feiern neuen Kurs bei Gerresheimer

Der neue CEO des Spezialverpackungs-Herstellers rechnet mit einem starken Wachstum und plant eine neue Firmenkultur. Die Aktie schnellt um zehn Prozent hoch.
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Das traditionsreiche Düsseldorfer Unternehmen will ab 2020 wieder wachsen. Quelle: dpa
Gerresheimer Glasspritze

Das traditionsreiche Düsseldorfer Unternehmen will ab 2020 wieder wachsen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Erleichterung bei den Aktionäre der Gerresheimer AG war am Donnerstag deutlich sichtbar: Um zehn Prozent schnellte die Aktie des im MDax notierten Pharma- und Kosmetikzulieferers hoch. Vor der Vorlage der Jahresergebnisse war die Nervosität an der Börse hoch gewesen; zahlreiche Managementwechsel, der Verlust eines Großauftrags – viele Anleger befürchteten eine anhaltend schwache Performance.

Doch der Hersteller von Spezialverpackung hat vor allem im letzten Quartal 2018 stärker zugelegt, als viele Analysten erwartet hatten. Das kann der seit November amtierende neue Vorstandschef Dietmar Siemssen zwar noch nicht für sich verbuchen. Doch sein erster öffentlicher Auftritt und sein Ausblick schieben den Aktienkurs zusätzlich an.

„Wir werden das Unternehmen zurück in den Angriffsmodus bringen“, sagte Siemssen in Düsseldorf, er will Gerresheimer kulturell verändern und beweglicher machen. Der Wirtschaftsingenieur wird dies mit einer komplett neuen Vorstandsmannschaft angehen, die Mitte des Jahres im Amt sein wird. Sein Vorgänger hatte das Unternehmen nach nur fünf Monaten Amtszeit schon wieder verlassen.

Jetzt will Siemssen für Beständigkeit sorgen. Vor dem Wechsel hat er den Autozulieferer Stabilus zurück auf nachhaltigen Erfolgskurs gebracht – jetzt wird dies von ihm bei Gerresheimer erwartet.

Im ersten Jahr seiner Führung wird Gerresheimer aber noch keine großen Sprünge machen. 2019 wird der adjustierte Gewinn (Ebitda) den Plänen zufolge bei 295 Millionen Euro stagnieren, der Umsatz soll leicht auf 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro steigen. Im vergangenen Jahr bereits stagnierte der Gewinn auf währungsbereinigter Basis, während der Umsatz leicht wuchs.

Ab 2020 soll Gerresheimer wieder durchstarten. Das Düsseldorfer Unternehmen stellt Verpackungen für Arzneien und Kosmetika her und beliefert Pharmahersteller weltweit mit Spezialglas, Spritzen und Systemen zur Arzneiverabreichung (Drug Delivery). Diese Märkte werden in den nächsten Jahren laut dem Marktforschungsunternehmen IQVIA im Schnitt um zwei bis drei Prozent wachsen.

CEO Siemssen will mehr erreichen, er peilt zwischen 2020 und 2022 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von vier bis sieben Prozent an. Ab 2021 soll die Gewinnmarge auf adjustierter Basis um 23 Prozent zulegen.

Die Investitionsausgaben will der neue Chef in diesem und nächsten Jahr auf zwölf Prozent vom Umsatz anheben. Die Produktion soll damit modernisiert werden, aber auch kleinere Zukäufe schließt er nicht aus.

Große Hoffnungen setzt Gerresheimer auf das neu geschaffene Geschäftsfeld Advanced Technologies. Darin werden elektronische und vernetzte Produkte zusammengefasst. So arbeitet Gerresheimer etwa mit Googles Healthcare-Sparte Verily und dem französischen Pharmakonzern Sanofi an einem datengetriebenen Projekt in der Diabetes-Therapie.

Kern des neuen Bereichs soll die im vergangenen Jahr erworbene Schweizer Firma Sensile Medical sein, die Mikropumpen zur Verabreichung von Arzneien herstellt. Mit dem Erwerb will Gerresheimer näher an die Pharmafirmen rücken und beispielsweise schon in die Medikamenten-Entwicklung eingebunden sein.

Doch der Start verläuft holprig, denn Sensile muss den Verlust eines von fünf Großaufträgen verkraften. Der US-Konzern SC Pharma ist als Sensile-Kunde abgesprungen. Laut Siemssen hat die nicht an technischen Problemen gelegen. Die geplante Zusammenarbeit mit den anderen Kunden laufe wie geplant.

Die Auswirkungen hält der neue Chef für übersichtlich – so habe der Verlust des Kunden etwa kaum Auswirkung auf die Gewinnerwartung. Zudem wird Gerresheimer den Kaufpreis für Sensile um 90 Millionen Euro auf 260 Millionen Euro drücken. Das Geld werde auch den Investitionspielraum für Gerresheimer weiter erhöhen, sagte Siemssen.

Analyst Scott Bardo von der Berenberg Bank wertete die Jahreszahlen von Gerresheimer als „ermutigend“ und den Ausblick solide. David Adlington von der US-Investmentbank JP Morgan rät zur Vorsicht – er rechnet damit, dass der Konzern im Laufe des Jahres unter Margendruck gerät.

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