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Großbaustelle Deutsche Bahn Der Bus kommt – bleibt der Zug auf der Strecke?

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Marode Bahnhöfe und Schienen

„Alle reden vom Wetter, wir nicht“, so warb die deutsche Bahn in den 1960er Jahren. Doch mittlerweile macht besonders das Wetter den Eisenbahnern zu schaffen. Denn Netz und Fuhrpark gelten als veraltet. Um sich einst fit für die Börse zu machen, hatte das Unternehmen jahrelang auf allzu große Investitionen verzichtet – und stattdessen ordentliche Gewinne präsentiert.

Der Börsengang wurde abgeblasen., die Folgen der Sparpolitik sind dennoch heute sichtbar: Weichen werden zu selten ausgetauscht und beginnen zu rosten. Brücken und Gleise können den gestiegenen Anforderungen von Schnellzügen und Cargo-Waggons nur bedingt standhalten. Im 34.000 Kilometer langen Streckennetz sind die Baustellen zahlreich, oft können die Züge nicht so schnell fahren, wie sie es technisch könnten.

Bis 2019 will die Bahn darum 28 Milliarden Euro in die Sanierung der Infrastruktur investieren, 20 Milliarden davon kommen vom Bund, werden also letztendlich durch den Steuerzahler übernommen. Bundesweit sind hunderte Baustellen eingeplant, um dem Verschleiß entgegenzuwirken.

Und auch auf der Schiene hat die Bahn Nachholbedarf. Insbesondere die Schnellzüge sorgen für Ärger. Bundesweit betreibt die Bahn 253 ICEs und 270 IC-Züge. Gebrochene Achsen und Lieferschwierigkeiten sorgten immer wieder für schlechte Nachrichten. 16 ICE-Züge von Siemens, die eigentlich bereits 2011 geliefert werden sollten, konnten erst Mitte 2014 in Flotte aufgenommen werden, was der Bahn eine Sonderbelastung im dreistelligen Millionenbetrag bescherte. Zudem sind die ICE-3- und ICE-T-Flotte durch den einen nötigen Austausch von Radsatzwellen nur begrenzt verfügbar. Die Umrüstung der Züge wird erst im Jahr 2016 abgeschlossen sein.

Auch im Regionalverkehr hatte die Bahn in den vergangenen Jahren mit massiven Lieferproblemen zu kämpfen. Neu bestellte Regionalzüge von Bombardier wurden mit erheblichem Verzug ausgeliefert. Und 56 neue Dieselzüge für den Großraum Köln wurden von Hersteller Alstom erst zu spät ausgeliefert und sorgen jetzt für Ärger. Die Trittstufen der neue Züge fahren zu langsam aus – und sorgen damit für Verspätungen. Und täglich müssen laut mehreren Presseberichten bis zu zehn die neuen Dieselzüge wegen technischen Mängel in die Werkstatt.

Selbst wenn die Bahn sich den entstandenen Schaden zurückklagen kann, dürfte das die meisten Pendler verärgern. Denn die Modernisierung geht so nur im Schneckentempo voran.
Doch in manchen Sparten lohnt sich nicht einmal mehr die Modernisierung. Ihr Nachtzugangebot hat die Bahn radikal zusammengestrichen, um die Verluste einzudämmen. Wegen erhöhter Gebühren der französischen Bahn SNCF wurde kurzerhand die Nachtzug-Verbindung nach Paris eingespart.

Trotz der veralteten Infrastruktur schlägt sich Bahn in der Pünktlichkeit noch ganz passabel. 90,2 Prozent fahren ICs und ICEs pünktlich. Doch um die 39.000 Züge, die jeden Tag auf deutschen Schienen unterwegs sind, durcheinander zu wirbeln, reicht meist schon ein Schneesturm. Am Ende wird man darum auch in der Deutsche-Bahn-Zentrale in Berlin öfter über das Wetter reden, als man eigentlich will.

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