„Großer Bluff“ Ryanair bringt Piloten im Tarifstreit auf die Barrikaden

Die Personalpolitik der irischen Billigairline ist seit Jahren umstritten. Jetzt überrascht Ryanair mit einem Tarifvertrag für die Kabine und gibt eine Einigung mit Piloten bekannt. Die sprechen von einer Provokation.
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Ryanair-Chef Michael O'Leary: „Großer Bluff durch Ryanair“. Quelle: dpa

Ryanair-Chef Michael O'Leary: „Großer Bluff durch Ryanair“.

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DüsseldorfEuropas größter Billigflieger Ryanair steht seit Jahren wegen des Umgangs mit seinen Piloten in der Kritik. Lange Arbeitszeiten, hoher Druck, niedrige Bezahlung und Sparzwänge sind Schlagworte, die fallen, wenn Ryanairs fliegendes Personal anonym auspackt. Und die Piloten haben wenig Aussicht auf Besserung: Angestellt bei den verschiedensten Basen der Iren in Europa, ist eine gewerkschaftliche Organisation der Berufsgruppe innerhalb des Konzerns fast unmöglich. Gewerkschaften und die Pilotenvereinigungen sind bei Ryanair nicht willkommen.

„Wir erkennen die Piloten-Gewerkschaft nicht an, deswegen machen sie uns Probleme, also sollen sie zur Hölle fahren“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary unlängst im Interview mit Handelsblatt Online.

Umso überraschender ist eine Einigung, die die Airline am Mittwoch bekanntgab. An den Basen Alicante (Spanien), Bristol und East Midlands (England) sowie Cork und Shannon (Irland) seien neue Fünf-Jahres-Verträge verhandelt worden, denen die Piloten zugestimmt hätten. Diese sehen eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent über fünf Jahre, eine Dienstplangestaltung im Rhythmus fünf Tage arbeiten, vier Tage frei, und Rentensteigerungen vor und seien ab dem 1. April gültig.

Außerdem sei ein neuer Tarifvertrag für die Kabinenbesatzung abgeschlossen worden, der eine Steigerung des Gehalts um zehn Prozent in vier Jahren und Verbesserungen bei der Dienstplangestaltung vorsehe. Die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit hält dies für einen „großen Bluff durch Ryanair und eine Provokation für die Piloten“, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg Handelsblatt Online. Es gebe keine Tarifeinigung. „Ryanair versucht, den Anschein einer Einigung zu erwecken, die es nicht gibt.“

Die Verhandlungspartner der Arbeitnehmer auf den Basen würden von Ryanair selbst bestimmt. Mit welcher Institution verhandelt wurde, gibt Ryanair in seiner Mitteilung auch nicht bekannt. Bei der Kabinenbesatzung sei mit Vertretern „unter Berücksichtigung ihrer altbewährten umfassenden Tarifverhandlungsstrukturen“ verhandelt worden, die Kabinencrews aller Basen hätten dafür gestimmt, hieß es.

Piloten der Basen von Ryanair „bestraft“
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4 Kommentare zu "„Großer Bluff“: Ryanair bringt Piloten im Tarifstreit auf die Barrikaden"

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  • Sehr geerhter Herr Brückner,

    vielen Dank für das aufmerksame Lesen und den Hinweis. Ich bitte um Entschuldigung für die späte Reaktion. Der Fehler ist jetzt korrigiert.

    Beste Grüße,
    Tobias Döring

  • Sehr geehrter Herr Döring, der Herr heißt MICHAEL O'Leary, nicht Martin. Trotzdem informativer Artikel, der einmal mehr zeigt, dass man Informationen von RYR nicht für bare Münze nehmen kann.

  • @...falle die.. Erhöhung um zwei Prozent pro Jahr nicht sogar hinter die Inflationsrate in der EU von derzeit mehr als zwei Prozent zurück?, hätten die Piloten gerne von ihrer Airline gewusst....

    Den seit Jahren Null- oder Minirunden-geplagten Führungskräften in der deutschen Wirtschaft kommen gleich die Tränen vor Mitleid. (HB, es gibt übrigens in großen Firmen auch Führungskräfte in verantwortungsvollen Positionen, die nur ein Bruchteil der Vorstandsgehälter beziehen, dies nur zu Eurer Information)

  • Die Gehaltserhöhungen sind genauso übel wie in allen anderen Firmen auch, ob mit Tarif oder ohne. Wir haben 10 Jahre lang keine Steigerungen auch nur in der Nähe der Inflationsrate gesehen. Was die Firmen den qualifizierten Kräften derzeit zahlen ist eine Zumutung, da mach Ryanair keine Ausnahme. Und wer sagt denn, dass sich jeder nach einer Festanstellung sehnt? Als freier Mitarbeiter ist man wenigstens flexibel und eben nicht an Tarife gebunden, das kann durchaus Vorteile haben. Meist verdienen die Freelancer deutlich mehr, als die Festangestellten. Und wenn Ryanair so werden soll wie die anderen Fluggesellschaften, dann ist es aus mit Billigflügen. Bisher liegen sie noch deutlich unter allen anderen im Preis und fliegen auch meist pünktlich. Ich finde, sie sollten so bleiben wie sie sind: Holzklasse für Kunde und Kollege, dafür billig und unkompliziert.

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