Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Großhandel Olaf Koch hat Metro radikal umgebaut – und geht nun vorzeitig

Der Metro-Chef hat den Konzern auf den Großhandel konzentriert. Nun überlässt er es seinem Nachfolger, zu beweisen, ob diese Struktur zukunftsfähig ist.
21.08.2020 Update: 23.08.2020 - 15:31 Uhr 1 Kommentar
Der Vorstandsvorsitzende der Metro will schon zum Jahresende aus dem Gremium ausscheiden. Quelle: dpa
Olaf Koch

Der Vorstandsvorsitzende der Metro will schon zum Jahresende aus dem Gremium ausscheiden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Es bereitet Olaf Koch zuweilen besonderes Vergnügen, sich auf Start-up-Konferenzen mit Jeans, Turnschuhen und Kapuzenpulli oft unerkannt unter die Teilnehmer zu mischen. Dann hört er konzentriert zu oder diskutiert gleich mit, etwa über die Skalierung von Geschäftsmodellen. Erst später erfahren manche Gründer dann überrascht, dass sie gerade mit dem Chef der Metro AG gesprochen haben.

Bald wird Koch noch mehr Zeit für solche Gespräche haben. Denn zum Jahresende wird er sein Amt aufgeben. Eigentlich hat er einen Vertrag bis zum 1. März 2022. Doch der 50-Jährige hält seine Mission nach neun Jahren als Vorstandschef für erfüllt und hat am Freitag den Wunsch nach vorzeitigem Ausscheiden zum Jahresende publik gemacht.

Der Aufsichtsrat kam dem am Sonntag in einer außerordentlichen Sitzung nach: Man habe der Aufhebung des Vertrages von Olaf Koch zum 31. Dezember 2020 einvernehmlich zugestimmt und ein geordnetes Verfahren zur Auswahl eines beziehungsweise einer neuen Vorstandsvorsitzenden beschlossen, wie der Vorsitzendes des Gremiums, Jürgen Steinemann, mitteilte. Er schickte auch noch einige Freundlichkeiten hinterher, wie das so üblich ist bei solchen Gelegenheiten, wenn man sich nicht im Streit trennt. Er habe die Entscheidung „mit großem Bedauern aufgenommen“, erklärte er, Koch habe das Unternehmen „in den vergangenen Jahren sehr stark geprägt“.

Auch die Ankeraktionäre Beisheim und Meridian, die ihre Anteile gepoolt haben, teilten mit: „Wir respektieren die Entscheidung von Olaf Koch und sind dankbar für seine großen Verdienste um die strategische Repositionierung der Metro AG.“ Sie lobten die Rückführung auf die „strategische Positionierung eines reinen Großhändlers“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Doch wirklich unumstritten war Koch nie. Der Rockmusik-Fan ist zwar auf der einen Seite nahbar und sucht gerne das direkte Gespräch. Doch mit seiner zuweilen undiplomatischen Art schaffte er sich auch mächtige Feinde, etwa Stephan Gemkow, lange Jahre Chef des Großaktionärs Haniel. Oder den mittlerweile verstorbenen Erich Kellerhals, Gründer und Minderheitsgesellschafter von Mediamarkt-Saturn.

    Schon Kochs Start 2012 war holprig. Weil die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat dem damaligen Finanzchef die Führung eines Handelskonzerns nicht zutraute, verweigerte sie ihm die Stimmen. Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel musste damals von seinem Doppelstimmrecht Gebrauch machen, um ihn ins Amt zu hieven.

    Umbau und Digitalisierung im Fokus

    In der Folge stürzte sich Koch auf das, was er am besten kann, den konsequenten Umbau des Konzerns. Er verkaufte alle Beteiligungen, die nicht zum Großhandel gehörten, von Kaufhof bis Real, die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn spaltete er in der Ceconomy ab.

    Sein zweites Steckenpferd ist die Digitalisierung. Nachdem er seine Karriere bei Daimler begonnen hatte, gründete er zwischenzeitlich ein eigenes IT-Unternehmen. Und auch bei Metro war sein liebstes Thema, wie man den Konzern und seine Kunden fit machen kann für das digitale Zeitalter.

    Dass er nun den Zeitpunkt für seinen Abgang für gekommen hält, scheint auf den ersten Blick einleuchtend. Metro ist komplett auf den Großhandel fokussiert, viele Initiativen zur Digitalisierung sind auf den Weg gebracht. „Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen nach über zehnjähriger Zusammenarbeit mit einem großartigen Team und so wertvollen Beziehungen zu vielen Kunden und Geschäftspartnern, aber ich denke, dass mit dem Beginn dieses neuen Abschnitts ein guter Zeitpunkt gekommen ist“, teilte Koch mit. Mit anderen Worten: Umzubauen gibt es jetzt nichts mehr, jetzt braucht es einen Spezialisten für den Handel an der Spitze.

    Das ist genau die Kritik, die man immer wieder aus dem Kreis der Großaktionäre an Koch hörte. Es habe wohlklingende Ankündigungen für die Neuausrichtung gegeben, aber die Schritte zur wirklichen Veränderung des Großhandels kämen zu langsam. So sprach Koch gerne davon, das Liefergeschäft in den Vordergrund zu stellen. Doch immer noch ist das Unternehmen weitgehend von den sehr analog funktionierenden Abholmärkten abhängig.

    Besonders ungeduldig ist der tschechische Investor Daniel Kretinsky, der vergeblich versucht hatte, Metro komplett zu übernehmen, und seitdem über die Holding EP Global Commerce (EPGC) mit knapp 30 Prozent größter Einzelaktionär ist. Er vermied bisher direkte öffentliche Kritik an Koch, ließ aber in Hintergrundgesprächen stets durchklingen, dass ihm die Neuausrichtung des Großhandelsgeschäfts nicht schnell genug geht.

    Aktienkurs entwickelt sich schwach

    Klar Koch angelastet hat er die schwache Performance des Aktienkurses. Einige der Großaktionäre hatten vor einem Jahr Kretinskys Angebot von 16 Euro pro Aktie abgelehnt. Auch der Vorstand hatte erklärt, das Angebot spiegele den Unternehmenswert nicht wider. Danach betonte der Tscheche, nun sei es am Vorstand, mit geeigneten Maßnahmen zu beweisen, dass das Unternehmen mehr wert sei, und so den Aktienkurs nach oben zu treiben. Heute liegt der Metro-Kurs bei gerade mal 8,40 Euro.

    Die eigentliche Herausforderung erwartet nun Kochs Nachfolger. „Eine so riesige Organisation zu wandeln, das ist eine Wahnsinnsaufgabe“, sagte jüngst Frank Seipelt, Deutschlandchef des größten Metro-Konkurrenten Transgourmet, im Interview mit dem Handelsblatt. Und er machte keinen Hehl daraus, dass er nicht unglücklich war, dass der Übernahmeversuch von Kretinsky gescheitert ist. „Hätte man Kretinsky gelassen, hätte daraus was werden können“, sagte er. „Vielleicht wäre uns wirklich ein stärkerer Wettbewerber erwachsen, denn es kann nie schaden, wenn jemand mit frischem Blick und neuen Ansätzen auf das Geschäftsmodell schaut.“

    Dass die Konzentration auf den Großhandel allein noch kein Erfolgsgarant ist, hat die Coronakrise dem Unternehmen deutlich vor Augen geführt. Die Schließung von Restaurants, den wichtigsten Kunden von Metro, hat auch in den Großmärkten den Umsatz einbrechen lassen. Unter anderem die politisch zugestandene zeitweise Öffnung der Großmärkte für Privatverbraucher in NRW und Mecklenburg-Vorpommern half, das Schlimmste zu verhindern.

    Dazu kommt: Die Neuausrichtung des Großhandelsgeschäfts mit dem Umbau der Abholmärkte und dem Ausbau des Liefergeschäfts dürfte viel Geld verschlingen. Nur mit diesen Maßnahmen sind neue Großkunden wie Restaurantketten und Hotels zu bekommen. Die orientieren sich bisher eher zu Konkurrenten wie Transgourmet, die schon heute den weit überwiegenden Teil ihres Geschäfts mit dem Lieferdienst machen.

    Zwar hat der Verkauf des Chinageschäfts mehr als eine Milliarde Euro in die Kasse gespült. Doch mit dem Real-Verkauf hat Metro viel weniger Geld eingenommen als ursprünglich geplant. Auch viele Immobilien aus dem Bestand wurden in der Ära Koch bereits verkauft und zurückgemietet. Das macht Kochs Nachfolger den Start nicht leichter.

    Mehr: Metro traut sich wieder eine Prognose zu.

    Startseite
    Mehr zu: Großhandel - Olaf Koch hat Metro radikal umgebaut – und geht nun vorzeitig
    1 Kommentar zu "Großhandel: Olaf Koch hat Metro radikal umgebaut – und geht nun vorzeitig"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich vermute mal, dass Herr Kretinsky ein zu ungeduldiger Typ ist. Womit hat der eigentlich in seinem Heimatland seine Millionen gemacht?

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%