Großkunden Deutsche Post soll Wettbewerb behindern

Das Bundeskartellamt hat ein Missbrauchsverfahren gegen die Deutsche Post eingeleitet. Grund seien Beschwerden unabhängiger Briefdienstleister. Sie werfen der Post vor, zu wenig Porto von Großkunden zu nehmen.
Update: 05.11.2012 - 15:56 Uhr Kommentieren
Der Vorwurf: Kassiert die Post zu wenig Porto von Großkunden? Quelle: dpa

Der Vorwurf: Kassiert die Post zu wenig Porto von Großkunden?

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas Bundeskartellamt prüft, ob die Deutsche Post im lukrativen Großkundengeschäft mit unfairen Dumping-Preisen arbeitet. Die Behörde teilte am Montag mit, sie habe ein Missbrauchsverfahren gegen die Deutsche Post eingeleitet. Hintergrund seien Beschwerden von Wettbewerbern der Post.

Die Post betonte, vor dem Kartellamt habe sich bereits die Bundesnetzagentur mit Rabatten der Post beschäftigt - und keine Verstöße festgestellt. Post-Aktien verloren bis zum Nachmittag knapp zwei Prozent auf 15,37 Euro.

"Der Vorwurf richtet sich dagegen, dass die Preise, die die Deutsche Post von Großkunden für die Versendung von Briefen verlangt, nicht kostendeckend seien", erklärte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt. "Wir prüfen nun in dem Verfahren, ob die Deutsche Post durch eine Kampfpreisstrategie versucht, Wettbewerber aus dem Markt zu drängen oder fernzuhalten."

Das Kartellamt untersucht nun Preise und Rabatte, die die Post im Briefgeschäft mit Großkunden wie Banken oder Krankenkassen anbietet. Bei diesen Massensendungen hat die Post vergleichsweise freie Hand, im Geschäft mit Verbrauchern dagegen muss der Konzern das Porto von der Bundesnetzagentur als Regulierer genehmigen lassen. Die Behörde hatte zuletzt einer leichten Porto-Erhöhung für das kommende Jahr zugestimmt.

Das Bundeskartellamt kann gegen die Post vorgehen, wenn der Konzern mit seinen Rabatten systematisch Preise anbietet, die unter seinen tatsächlichen Kosten liegen. Um die Preis-Praxis der Post zu untersuchen, haben die Bonner Wettbewerbshüter Fragebogen an Großkunden der Post verschickt. Die Wettbewerbshüter stünden erst am Anfang ihrer Ermittlungen, sagte eine Sprecherin. Ein Ergebnis lasse sich nicht absehen.

Für die Post sind Auseinandersetzungen mit Kartellbehörden nichts Neues: Jüngst hatte der Bonner Konzern in einem Beihilfe-Streit mit der EU-Kommission knapp 300 Millionen Euro zahlen müssen. Auch die Bundesnetzagentur hatte als Regulierer Preise bei Massensendungen untersucht. Auch bei der Bundesnetzagentur hatten sich in der Vergangenheit Wettbewerber beschwert.

 
  • rtr
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