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Gründerin Juliane Willing Start-up Frischepost macht den Hofladen zum Online-Supermarkt

Die Gründerinnen wollen mit ihrem Online-Hofladen Hauslieferant des ökologisch versierten Bürgertums werden. Das ist kein leicht zu erreichendes Ziel.
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Start-up Frischepost macht den Hofladen zum Online-Supermarkt Quelle: dpa
Hofladen

Bio-Produkte aus regionalem Anbau will die Frischepost direkt an die Haustür liefern.

(Foto: dpa)

HamburgGründerin Juliane Willing ist auf einem Hof bei Lübeck aufgewachsen – inmitten von Erdbeerfeldern. Eva Neugebauers Vater forstet Brachflächen wieder auf, etwa an Bahntrassen. Kein Wunder, dass sich die jungen Frauen mit Liebe zum Landleben an der privaten Unternehmer-Uni WHU schnell fanden. Erst organisierten sie eine Konferenz für soziales Unternehmertum. Nach dem Studium gründeten sie den Online-Hofladen Frischepost.

„Wir sind nicht ganz typische WHUler, denn es geht uns nicht um reine Profitorientierung“, sagt Willing. Ihre Firma solle auch sozialen Nutzen entfalten. Hinter den schönen Worten steht einer der derzeit vielen Anläufe, Lebensmittel im Onlineshop zu verkaufen. Willing und Neugebauer haben für die Stadt Hamburg ein Modell aufgebaut, das sich an Kunden richtet, die für Lebensmittel direkt vom Erzeuger bereit sind, mehr Geld auszugeben.

Bei Frischepost gibt es Gemüse von Höfen aus dem Hamburger Umland, Milch aus den Hamburger Vierlanden, Fleisch vom lokalen Metzger, aber auch klassische Produkte aus dem Bioladen. Dazu bekommen die Kunden ein gutes Gewissen: Auf der Website wird zu jedem Produkt der Erzeuger vorgestellt – mit der Angabe, wie viele Kilometer der vom Hamburger Michel entfernt ist.

Ein Selbstläufer ist die Idee dennoch nicht. „Grundsätzlich finde ich solche Initiativen toll, aber rein ökonomisch bin ich leider skeptisch“, sagt Oliver-Wyman-Berater Rainer Münch. Frischepost sei bei vergleichbaren Produkten etwa 20 Prozent teurer als Rewe Online und Amazon Fresh. Der Berater befürchtet daher, Kunden könnten nach anfänglicher Begeisterung zu günstigeren Alternativen wechseln.

Die Ambitionen der Gründerinnen sind dennoch groß: „Dass wir in jeder größeren deutschen Stadt unser Frischepost-System etablieren wollen, ist klar“, sagt Neugebauer. Berater Münch sieht auch das skeptisch: Im Lebensmittelversand gebe es wenig Größeneffekte, da die Logistik stets regional bleibe.

Deshalb wollen die beiden 29-Jährigen bis 2019 das Geschäft in Hamburg profitabel machen, um zu beweisen, dass es klappt. „Es wäre so toll, wenn wir die Produzenten weiter stärken könnten. Dafür muss das Geschäftsmodell funktionieren“, sagt die Betriebswirtin. Denn einiges läuft anders als bei klassischen Lieferdiensten wie Rewe Online oder Amazon Fresh.

Das Start-up setzt auf einen bestimmten Lieferanten

Einen guten Teil des Sortiments lässt sich Frischepost erst anliefern, wenn Kunden bestellt haben – etwa die Milch. Anfangs mussten sie die Landwirte überzeugen mitzumachen. Schlagendes Argument: Über Frischepost erhalten sie höhere Preise als von Großhändlern. Und da etliche Partner-Landwirte sowieso bereits eigenen Vertrieb machen, können sie ohne großen Aufwand auch Frischepost beliefern.

Die Unternehmerinnen setzen dabei auf den Großhändler Naturkost Nord als Partner, der die Lieferungen in seinem Lager einsammelt und die Pakete packt. Diese gehen gesammelt zu Frischepost auf dem Hamburger Großmarktgelände. Hier haben die Gründerinnen mit ihrem 15-köpfigen Team für Verwaltung, Marketing und Einkauf ein zweckmäßiges Büro bezogen. Das Start-up liefert von hier mit 15 Fahrern in sieben Elektro-Transportern aus. Für den Versand zu den Kunden und in Abholstationen bei der Drogeriekette Budni und der Hamburger Sparkasse setzt Frischepost Pfandkisten ein.

Das Modell ähnelt stark dem etwas früher gegründeten Schweizer Pendant Farmy in Zürich, dessen Idee die Gründerinnen aufgegriffen haben. Allerdings haben sie das Geschäft inzwischen um Angebote für Geschäftskunden ergänzt: Neben klassischen Obstkisten für Kaffeeküchen bieten sie Kühlschränke an, die die Fahrer täglich mit vorgekochten

Mahlzeiten in Weckgläsern füllen. Die können in der Mikrowelle im Büro aufgewärmt werden. Dazu arbeiten sie mit lokalen Gastronomen zusammen. Mit solchen Ideen wollten die beiden 2018 ihren Umsatz verdoppeln, 2019 darauf sogar verdreifachen. Umsatzzahl nennen sie aber keine.

Zu den sechs Privatinvestoren gehören der Hamburger Gründer Gunnar Froh und Brigitte Mohn. Für die Bertelsmann-Erbin war Folgendes ausschlaggebend für ihr Investment: der Mehrwert regionaler, gesunder Produkte und die Förderung landwirtschaftlicher Familienunternehmen, sagte sie in einem Interview. Ähnliche Modelle böten etwa in Österreich „Discountern die Stirn“, so Mohn.

Für die Expansion in weitere Städte streben die beiden Gründerinnen in diesem Jahr eine neue Finanzierungsrunde an. Dabei sollen rund zwei Millionen Euro in die Kasse kommen. Mit der selbst entwickelten App für die Fahrer soll es dann schnell in weitere Städte gehen – eventuell mit Franchisepartnern.

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