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Güterverkehr Europas größter Waggonvermieter VTG wartet auf den Boom nach Corona

VTG-Chef Heiko Fischer rechnet damit, dass die Industrie künftig wieder mehr Vorrat anlegt – und sich nicht mehr auf knappe Rücklagen verlässt.
30.03.2020 - 09:14 Uhr Kommentieren
VTG verzeichnet aktuell in einigen Sektoren deutlichen Rückgang. Quelle: VTG
Waggons von VTG

VTG verzeichnet aktuell in einigen Sektoren deutlichen Rückgang.

(Foto: VTG)

Düsseldorf Die Stärkung des Eisenbahnverkehrs steht nicht erst seit der Coronakrise auf Platz Eins der politischen Agenda. Lkw müssen zurzeit in Kilometer langen Staus an den Staatsgrenzen stehen. Güterzüge hätten dagegen freie Fahrt, machte gerade erst die neue Cargochefin der Deutschen Bahn Sigrid Nikutta Werbung für den Transport auf der Schiene.

Und Martin Henke, Geschäftsführer beim Branchenverband VDV assistierte: „Wir können mehr leisten und wir wollen mehr leisten“. Immerhin gibt es neben dem Staatskonzern rund 30 große Eisenbahnunternehmen, die Güter auf der Schiene fahren.

Doch so einfach ist das offenbar nicht. Heiko Fischer, Chef des führenden Vermieters von Eisenbahnwaggons in Europa VTG, beobachtet, wie Corona „einige Verlader erst mal in Schockstarre versetzt“. Staus an den Grenzen wegen neuer Kontrollen bringen Eisenbahnunternehmen nicht automatisch mehr Aufträge. Selbst wenn die Deutsche Bahn seit dieser Woche einen neuen Pasta-Express aus Italien fährt.

VTG verzeichnet aktuell laut Fischer „in einigen Sektoren deutlichen Rückgang“. Waggons für den Transport von Lebensmitteln, Zellstoff und Verpackungen würden dagegen verstärkt nachgefragt. Eine Prognose, wie das Jahr 2020 ausgehen wird, traut sich Fischer heute nicht. Immerhin: „Der Güterverkehr läuft so reibungslos wie selten, weil Platz auf dem Netz ist“.

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    Die Bundesländer haben wegen der Coronavirus-Beschränkungen den Regionalverkehr stark eingeschränkt. „Wir sehen momentan deutlich, welche Bedeutung der internationale Schienengüterverkehr für die Versorgungssicherheit in ganz Europa hat“, sagt Fischer.

    Engpässe sind offensichtlich

    Der VTG-Chef ist davon überzeugt, dass die Industrie sich in Zukunft nicht mehr nur auf Just-in-time verlässt, sondern wieder Lagerbestände aufbaut. Zu offensichtlich seien jetzt Engpässe etwa in der Automobil- oder in der Arzneimittelindustrie geworden. Gerade bei Medikamenten seien die langen Lieferwege und die einseitige Ausrichtung auf wenige Lieferanten schon lange spürbar.

    „Es stimmt einen schon nachdenklich, wie ultra-vernetzt wir heute sind“, sagte Fischer dem Handelsblatt. „Wir sollten darüber nachdenken, ob das extreme Trimmen der Lieferketten auf Effizienz wirklich immer sinnvoll ist.“

    VTG würde von wachsendem Schienentransport in jedem Fall profitieren. Deutschland will den Anteil der Bahn von jetzt mageren 17 Prozent auf 25 Prozent bis 2030 steigern. Die Europäische Union hat mit 30 Prozent noch ehrgeizigere Ziele. Fischer hält die Frage, ob das erreicht wird, für nicht so relevant. Entscheidend sei der politische Wille und die Unterstützung des Schienenverkehrs.

    Fischer ist seit 16 Jahren Vorstandsvorsitzender der VTG und weiß, dass „mehr Verkehr auf die Bahn“ eine altbekannte politische Forderung ist. Meist ohne faktische Wirkung. Der Anteil der Eisenbahn am Gütertransport stagniert seit langem. Und mit dem Sterben von Montanindustrie und Kohlekraftwerken werden in Zukunft bislang wichtige Transporte für die Eisenbahn wegfallen.

    VTG hat sich auch deshalb in den vergangenen Jahren durch Übernahme von Fahrzeugflotten für den kombinierten Verkehr verstärkt. Dabei können Container, Auflieger oder ganze Lkw verladen werden. Ein großer Geschäftsbereich ist traditionell auch die Tankcontainerlogistik. Das Unternehmen vermietet 94.000 Waggons. Zum Vergleich: Europas größter Gütertransporteur auf der Schiene, die Deutsche Bahn, besitzt ein Drittel weniger.

    Das Hamburger Unternehmen gehörte einst zum Bergbaukonzern Preussag, war zwölf Jahre an der Börse notiert und 2019 nach Übernahme durch die Finanzinvestoren Morgan Stanley und eines kanadischen Pensionsfonds von der Börse genommen worden. Der VTG-Umsatz stieg zuletzt um 14 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, das Reinergebnis um 47 Prozent auf 512 Millionen Euro. Dabei wirkte sich allerdings der neue Bilanzierungsstandard zum Leasing positiv mit 64 Millionen Euro aus.

    Mehr: Der Bahn-Vorstand lässt die Folgen der Coronakrise offen.

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