Guido Zeitler „Sklavenähnliche Zustände“ – Der neue NGG-Chef will in der Fleischwirtschaft aufräumen

Guido Zeitler wird neuer Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der bisherige Vize will auch die Tarifbindung stärken.
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Zeitler arbeitet seit 2000 für die Gewerkschaft. Quelle: Chr. O. Bruch/WirtschaftsWoche
Guido Zeitler

Zeitler arbeitet seit 2000 für die Gewerkschaft.

(Foto: Chr. O. Bruch/WirtschaftsWoche)

BerlinEin Traumjob ist es wohl nicht, auf den Guido Zeitler sich da einlässt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die er künftig führen wird, vertritt überwiegend Niedriglohnbranchen mit geringer Tarifbindung, die nur schwer zu organisieren sind. Der McDonald’s-Mitarbeiter mit Minijob, die Kellnerin in Teilzeit oder der aus Rumänien entsandte Schlachter werden sich dreimal überlegen, ob sie einer Gewerkschaft beitreten oder gar für deren Forderungen streiken.

Und doch fällt dem bisherigen NGG-Vize Zeitler nun schneller als erwartet die Aufgabe zu, die drittkleinste DGB-Gewerkschaft mit ihren noch knapp 200.000 Mitgliedern in die Zukunft zu führen. Der Gewerkschaftstag in Leipzig kürte den 47-Jährigen am Dienstag mit 88 Prozent der Delegiertenstimmen zum Nachfolger von Michaela Rosenberger, die aus gesundheitlichen Gründen nicht für eine zweite Amtszeit antrat.

Der gelernte Hotelfachmann arbeitet seit dem Jahr 2000 hauptamtlich für die Gewerkschaft, zuletzt als Referatsleiter für das Hotel- und Gaststättengewerbe in der Hauptverwaltung in Hamburg. Im März 2017 wurde er NGG-Vize und war unter anderem für Finanzen und die Tarif- und Branchenpolitik im Gastgewerbe zuständig.

Eines seiner Kernanliegen als Vorsitzender ist, die Tarifbindung zu stärken und für tarifliche Qualifizierung und Weiterbildung zu sorgen. So seien im Osten nur zehn Prozent der Betriebe im Gastgewerbe an Tarifverträge gebunden, im Westen 27 Prozent.

Außerdem will Zeitler die Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft verbessern, wo vor allem aus dem Ausland entsandte Arbeitnehmer trotz einer Selbstverpflichtung der Industrie weiter unter „sklavenähnlichen Zuständen“ schufteten. Zeitler regte auch eine neue Arbeitszeitdebatte im Gastgewerbe an, will aber am geltenden Arbeitszeitgesetz nicht rütteln lassen.

Als Vizevorsitzende neu in den NGG-Vorstand gewählt wurden die Geschäftsführerin der NGG-Region Hannover, Claudia Tiedge, 42, und der 50-jährige Landesbezirksvorsitzende in Bayern, Freddy Adjan.

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