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Gutachten der Uni Bonn Hygiene-Institut hält Quadratmeter-Begrenzung für nicht nachvollziehbar

Galeria Karstadt Kaufhof kritisiert das 800-Quadratmeter-Limit bei der Wiedereröffnung von Geschäften. Nun liegt ein vom Warenhauskonzern in Auftrag gegebenes Gutachten vor.
23.04.2020 - 15:40 Uhr Kommentieren
Der Warenhauskonzern durfte bisher nur einen Teil der Häuser wieder öffnen – und auch das nur auf einer begrenzten Fläche. Quelle: dpa
Galeria Karstadt Kaufhof

Der Warenhauskonzern durfte bisher nur einen Teil der Häuser wieder öffnen – und auch das nur auf einer begrenzten Fläche.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Geradezu verzweifelt versuchen Händler zurzeit, Bund und Länder davon zu überzeugen, die Begrenzung auf 800 Quadratmeter bei der Wiedereröffnung von Geschäften aufzuheben. Jetzt bekommen sie dafür kompetente Unterstützung.

Ein Gutachten des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Universität Bonn, das dem Handelsblatt vorliegt, kommt zu dem Schluss, es könne derzeit nicht nachvollzogen werden, „aufgrund welcher infektionshygienischer Überlegungen“ eine Begrenzung der Verkaufsfläche zum Maßstab der Eröffnung genommen werde. Das Gutachten wurde von dem Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof in Auftrag gegeben.

Der Institutsdirektor, Professor Martin Exner, schreibt in seinem Gutachten: „Aus infektionshygienischer Sicht sind nicht unbedingt die Größe, sondern die Verteilung von Menschen, die potenzielle Ausscheider von Sars-2 sein können und die Begegnung mit anderen Personen für mögliche Übertragungen infolge von Nähe und Art der Übertragungsmöglichkeit relevant.“

Auch in den entsprechenden Empfehlungen der Europäischen Zentrale für Krankheitsprävention (ECDC) fände sich keine Unterscheidung hinsichtlich der Größe der Verkaufsfläche, betont der Gutachter. Es ließen sich sowohl baulich-funktionelle als auch betrieblich-organisatorische Regelungen schaffen, um das Infektionsrisiko zu kontrollieren.

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    Der Hygiene-Experte schlägt vor, Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern zu verpflichten, ein entsprechendes Hygienekonzept vorzulegen. Bestand‧teile eines solchen Konzepts könnten unter anderem die Begrenzung der Personenzahl, die Steuerung der Frequenz und ein Reinigungs- und Desinfektionsplan sein. „Hierdurch könnte der gleiche Standard eines hygienisch sicheren Betriebes von Geschäften mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche erzielt werden“, heißt es in dem Gutachten vom 22. April weiter.

    „Die Studie bestätigt aus unserer Sicht, dass eine Diskriminierung der Großflächen und eine reine Beschränkung auf 800 Quadratmeter nicht plausibel ist“, sagte ein Galeria-Sprecher auf Nachfrage. Gerade die Großfläche biete gute Möglichkeiten für Einkaufen auf Distanz. „Mit einer zentralen Führung und professionellem Facility Management und Security können wir Hygienekonzepte kompromisslos umsetzen“, betonte er.

    Wirtschaftliche Belastung

    Galeria Karstadt Kaufhof durfte bisher nur einen Teil der Häuser wieder öffnen – und auch das nur auf einer begrenzten Fläche von jeweils 800 Quadratmetern. Der Rest muss für Kunden abgesperrt sein.

    Mitarbeiter dürfen aber von den abgesperrten Flächen Waren holen und den Kunden bringen. Die Kaufhof-Häuser haben eine durchschnittliche Verkaufsfläche von 12.500 Quadratmetern, die von Karstadt sogar von 16.000 Quadratmetern.

    Dies bedeutet für den Warenhauskonzern deutlich verringerte Umsätze – bei gleichbleibend hohen Kosten. Für das Unternehmen ist das fatal, ist es ohnehin seit Langem stark angeschlagen. In der Coronakrise ist es nun unter ein Schutzschirmverfahren nach dem Insolvenzrecht geflüchtet, um sich vor Forderungen von Gläubigern zu schützen und so seine Liquidität zu sichern. In dem Schutzschirmverfahren will Galeria Karstadt Kaufhof sich sanieren. Doch die fehlenden Umsätze machen den Turnaround deutlich schwieriger.

    Das Gutachten des Hygieneexperten Exner dürfte aber weit über Galeria Karstadt Kaufhof hinaus Beachtung finden. Denn sollte die Begrenzung auf 800 Quadratmeter bei der Wiederöffnung von Geschäften fallen, hätte das enorme Bedeutung für viele Händler gerade im Modebereich.

    Dort haben nach Berechnungen des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI sieben der zehn umsatzstärksten Ketten eine Durchschnittsladenfläche von 800 Quadratmetern und mehr, darunter H&M, C&A, P&C sowie Primark.

    Allerdings sind Infektionsgefahren innerhalb von Warenhäusern bislang nicht die Hauptbegründung für die Flächenbeschränkungen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) etwa betonte, es gehe darum, ein zu großes Gedränge in den Fußgängerzonen und in öffentlichen Verkehrsmitteln zu verhindern. Dazu sollen die Kaufhäuser als Frequenzbringer in der City stillgelegt werden. Gegen dieses Argument immunisiert das Auftragsgutachten die Warenhauskonzerne nicht.

    Die Studie der Universität Bonn dürfte dennoch Munition für viele Gerichtsverfahren werden. Denn nicht nur Galeria Karstadt Kaufhof hat in zahlreichen Bundesländern Klagen eingereicht – auch in Hamburg, wo der Konzern in erster Instanz für die Tochter Sport Scheck erfolgreich war. Auch viele andere Händler klagen gegen die Flächenbeschränkung bei der Wiedereröffnung.

    Mehr zum Thema: Corona-Eindämmungsstrategie von Bund und Ländern gerät in Gefahr.

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