Gute Zahlen, schlechte Moral Betrügerische Kunden tun Zalando weh

Für Zalando läuft es eigentlich rund: Nach einem starken Jahresstart hebt der Online-Modehändler die Umsatzprognose an. Einziger Wermutstropfen: Die schlechte Zahlungsmoral einiger Kunden.
Update: 13.08.2015 - 11:32 Uhr 3 Kommentare
Für den Online-Modehändler läuft es rund. Quelle: dpa
Zalando-Versandpakete beim Börsengang des Unternehmens im Oktober 2014

Für den Online-Modehändler läuft es rund.

(Foto: dpa)

BerlinNach einem schwungvollen Jahresstart hat Europas größter Online-Modehändler Zalando seine Prognose für 2015 angehoben. Das Berliner Unternehmen rechnet nun mit einem Umsatzplus zwischen 28 und 31 Prozent nach bisher maximal 25 Prozent.

Um mehr Kunden anzulocken, hatte Zalando Ende 2014 seine Zahlungsbedingungen gelockert und damit auch vermehrt Betrüger angezogen. Im zweiten Quartal wurde deswegen eine Wertberichtung über 18,5 Millionen Euro fällig, die zu einem Rückgang des bereinigten Betriebsergebnisses im zweiten Quartal um fünf auf 30 Millionen Euro führte. „Das Problem ist jetzt gelöst“, versicherte Vorstandsmitglied Rubin Ritter am Donnerstag.

Die Firma bot einige Zeit verstärkt den Kauf auf Rechnung an. In Deutschland – dem wichtigsten Markt für Zalando – kann sich der Käufer dabei 14 Tage Zeit lassen, bis er bezahlt. Dies lockte offenbar nicht nur mehr Kunden, sondern auch Betrüger an, die nie ihre Rechnung beglichen. Nun kontrolliert das Unternehmen die Online-Bestellungen wieder genauer und bietet weniger Kunden den Kauf auf Rechnung an.

Je lockerer die Zahlungsbedingungen, desto größer ist der Anreiz der nunmehr 16,4 Millionen Kunden, bei Zalando zu shoppen. Laut Ritter gaben die Kunden im ersten Halbjahr mehr Geld pro Bestellung aus und waren aktiver als je zuvor. Die Erlöse kletterten um 31,5 Prozent auf fast 1,4 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg von Januar bis Juni auf 59,2 Millionen Euro nach zuvor 12,4 Millionen Euro. Dies entspricht einer Marge von 4,3 Prozent. Fürs Gesamtjahr werden weiterhin 4,5 Prozent angepeilt.

An der Börse kamen die Quartalszahlen gut an. Die im Mittelwerte-Index MDax notierte Aktie sprang zeitweise um mehr als zehn Prozent auf 33,85 Euro in die Höhe, nachdem sie an den vergangenen fünf Handelstagen knapp sechs Prozent verloren hatte. Nach Einschätzung von Christian Schwenkenbecher, Analyst bei Hauck & Aufhäuser, legte Zalando eine starke Zwischenbilanz vor. Er sieht Zalando auf einem guten Weg, das höhere Umsatzziel erreichen zu können.

Das 2008 gegründete Unternehmen mit nunmehr 8.300 Mitarbeitern verkauft über seine Internetseite und seine Apps für Smartphones und Tablets rund 1.500 Modemarken in 15 Ländern. Die Zahl der Kunden stieg im zweiten Quartal auf 16,4 Millionen. Zalando-Aktien werden seit Juni im Mittelwerte-Index Mdax gehandelt. Im Herbst 2014 war der Modehändler an die Frankfurter Börse gegangen.

Das kaufen die Deutschen im Netz
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Äpfel, Nuss und Mandelkern – kaufen Deutsche übers Internet nur ungern. Bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs sind sie besonders skeptisch. Lediglich 15 Prozent der Befragten haben schon mal derartige Produkte bei Lidl, Rewe und Co. online bestellt. Quelle: Für die Studie hat das Statistische Bundesamt im April und Mai des vergangenen Jahres 12.000 Haushalte und die in diesen Haushalten lebenden Personen befragt.

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Auch bei Telekommunikationsdiensten wie DSL- oder Handyverträgen sind die Deutschen zurückhaltend (25 Prozent).

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Zudem werden Arzneimittel aus Versandapotheken im Internet vergleichsweise wenig nachfragt – 28 Prozent.

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Dagegen haben 31 Prozent der Befragten schon einmal Videospiele, Software, Hardware und anderes Computer-Zubehör im Netz bestellt. Sie eint der neunte Platz in der Rangliste.

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Elektroartikel werden zwar weitestgehend immer noch im Fachmarkt verkauft. Doch 37 Prozent ordern ihre Batterien, Kopfhörer oder Kaffeemaschinen bereits per Mausklick.

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Klassische Videotheken sterben aus. Stattdessen beschaffen sich 38 Prozent der Deutschen ihre Lieblingsfilme sowie Musik online.

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Wer Konzerttickets sucht, schaut häufig im Netz nach. Eintrittskarten für Veranstaltungen ordern bereits 43 Prozent der Deutschen online.

Wegen des starken Wachstums will Zalando ein viertes Logistikzentrum in Deutschland eröffnen. Mit dem Bau soll im Herbst begonnen werden, ein Jahr später ist die Eröffnung geplant, hieß es. Die Entscheidung über einen Standort sei aber noch nicht gefallen, sagte Zalando-Sprecher Boris Radke.

Die Gesellschaft hat bereits Vertriebszentren in Brieselang in Brandenburg, Erfurt und Mönchengladbach. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland nach Unternehmensangaben um 1.500 auf rund 9.000.

  • rtr
  • dpa
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3 Kommentare zu "Gute Zahlen, schlechte Moral: Betrügerische Kunden tun Zalando weh"

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  • Ein journalistisch unverantwortlicher Artikel, wohl von Zalando vorgefertigt. Wer mit 30% Umsatzszteigerung einen Gewinn von 20 Mio. macht, hat kein tragfähiges Geschäftsmodell. Ein bisschen Bilanzkosmethik, und schon ist er da, der Gewinn.
    Im Vergleich von heute: RWE verdient netto 250 Mio. im Quartal, sprich eine Mrd. im Jahr. Da kann jeder die Marktkapitalisierung vergleichen. Und der Ottoversand wäre dann wohl 30 Mrd wert, und Witt Weiden 10 Mrd.!
    Zalando ist ein einziger Erfolgsfake. Die können auch 100 Mio, Verlust verstecken, bei 3 Monaten Rückgaberecht.
    Noch Fragen?

  • habe ich da etwas nicht gelesen oder verstanden? Im Artikel steht: "Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) stieg auf 59 Millionen Euro" Auch wenn es jetzt gesunken ist, so gibt es doch ein positives Betriebsergebnis vor Steuern, dass dann ja wohl auch versteuert wird. Wir sind ja in Deutschland und das Finanzamt verschickt im Normalfall Steuerbescheide und prüft auch, ob diese bezahlt werden. Außerdem erhält der Fiskus 19 % MWSt, also ca. 16 % vom Umsatz.

    Auf die Problematik, die in der Überschrift angegeben ist, wurde im Artikel aber kaum eingegangen. Wieviel Kunden sind denn das? Stückzahl? Prozentual? Wielange beliefert man solche "Kunden"? Schwach.

  • Es ist ein Riesenskandal, so einer reinen Verkaufsbude Millionen an Steuergeldern zu überlassen!

    Das zeigt dem der es sehen will aber auch, wie verzweifelt der Staat ist, dem die Innovationen und ebenso die Erfinder ausgehen und damit auf Dauer auch das im zerstörerischen Übermaß rücksichtslos abgepresste Bürgergeld. Man kann es problemlos verfolgen wie der kranke und kaputte Staat mit seinen Monstersteuern die Schaffenskraft des deutschen Volkes zunehmend abwürgt. Und schon kommen auch Buden wie Zalando, von denen ich allein schon wegen der noch weit unterhalb von grenzdebil einzuordnenden TV-Reklame (Check24) grundsätzlich nichts kaufe, in den Genuss von Steuergeldern also staatlichem Blutgeld.

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