Hamburg Süd und Maersk Das ist die neue Weltordnung der Meere

Der Vertrag ist unterschrieben: Dr. Oetker verkauft die Reederei Hamburg Süd an Maersk. Mit dem Milliardendeal wird die Welt der Containerfrachter neu geordnet. Warum sich der Hamburger Hafen jetzt Sorgen machen muss.
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Der Verkauf der Reederei von Oetker an Maersk verändert die Verhältnisse in der weltweiten Containerschifffahrt. Quelle: dpa
Hamburg Süd

Der Verkauf der Reederei von Oetker an Maersk verändert die Verhältnisse in der weltweiten Containerschifffahrt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSchon Anfang Dezember wurde der Deal angekündigt, jetzt ist er besiegelt. Wie Dr. Oetker mitteilte, haben die Bielefelder den Verkaufsvertrag für ihre Container-Reederei Hamburg Süd unterzeichnet. Nach 80 Jahren im Besitz der Familie geht das weltweit achtgrößte Seefahrtsunternehmen, gegründet 1871, an den dänischen Marktführer Maersk – vorausgesetzt die Wettbewerbsbehörden und firmeninternen Gremien stimmen zu. Mit einem endgültigen „Closing“ wird bis zum Jahresende 2017 gerechnet.

Hamburg Süd managt rund 130 Containerfrachter – davon 48 im Eigentum. Obwohl sie Gewinnzahlen nicht nennt, gilt die Hamburger Reederei wie nahezu jede andere Container-Reedereien weltweit als Verlustbringer. Ein Grund, weshalb sich der Oetker-Konzern aus dem Geschäft zurückzieht. Durch den Verkauf verliert er gut sechs Milliarden Euro Umsatz – und damit die Hälfte seines Geschäfts.

Das sind die größten Reedereien der Welt
Platz 10: Hamburg Süd Group
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Ein Unternehmen mit Tradition: Seit ihrer Gründung 1871 hat sich die Hamburg Süd von einer konventionellen Reederei zu einer international operierenden Transport-Logistik-Organisation entwickelt. Im März 2016 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI. Im März 2017 hat der Oetker-Konzern – zu dem Hamburg Süd gehört – die Reederei an den Konkurrenten Maersk verkauft. Die Flotte der Hamburg Süd umfasst 105 Schiffe, die eine Containerkapazität von insgesamt 564.000 Stück haben.

Quelle: Alphaliner

Platz 9: Mitsui O.S.K. Lines
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Die Japaner sind zurück in der Top Ten. Mit der MOL Triumph hat die Reederei aus Tokio nicht nur das größte Containerschiff der Welt ist der Flotte, sondern konnte auf 79 sagenhafte 569.000 Container transportieren.

Platz 8: Yang Ming Marine Transport Corp.
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Im Jahr 1972 in Taiwan gegründet, besitzt Yang Ming eigene und in Kooperation betriebene Containerterminals in den USA, Belgien, den Niederlanden sowie in Taiwan. Die Schiffsflotte besteht aus 95 Schiffen und umfasst eine maximale Kapazität von 580.000 Containern. Doch die Reederei leidet unter der schwächelnden Konjunktur in China. Eine Großallianz, die 2017 mit der deutschen Hapag-Lloyd und vier weiteren asiatischen Reedereien startet, soll helfen.

Platz 7: OOCL
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Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung gegründet. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. Zuletzt machte die asiatische Reederei den größten Sprung. Rund 672.000 Container kann das Unternehmen auf 98 Schiffen unterbringen. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Platz 6: Evergreen Line
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Die Reederei Evergreen stammt aus Taiwan. Mit ihren 194 Schiffen bedient das Unternehmen Linien in Osteuropa, nach Europa und zur US-Westküste und kann insgesamt 1,07 Millionen Standardcontainer unterbringen.

Platz 5: Hapag-Lloyd
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Mit 1,5 Millionen Containern hat aufgeholt: Unter dem Druck der schweren Schifffahrtskrise schloss sich die Reederei Hapag-Lloyd mit der arabischen Reederei United Arab Shipping Company (UASC) zusammen. Damit kommt die hamburgische Reederei, auf eine Flotte von 212 Schiffen. Zudem hat die neue Allianz mit den asiatischen Reedereien den Hamburgern eine gute Position auf den Weltmeeren verschafft.

Platz 4: Cosco Container Lines
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Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz sukzessive ausgebaut. 1,82 Millionen Container kann das Unternehmen unterbringen. Die Flotte umfasst aktuell 331 Schiffe.

Im Gegenzug, schätzen Insider, zahlt Maersk für den Neuerwerb 4,7 Milliarden Euro und festigt damit seine Spitzenstellung auf den Weltmeeren. Verfügten die Dänen bisher schon über Ladekapazitäten von 2,5 Millionen Standard-Containern (Teu), kommen nun aus Hamburg weiter 500.000 hinzu. Der gemeinsame Marktanteil steigt dadurch auf 17 Prozent – vor dem italienisch-schweizerischen Verfolger MSC (13 Prozent) und der französischen CMA CGM (acht Prozent).

Eine deutsch-deutsche Fusion zwischen Hamburg Süd und Hapag-Lloyd, die sich viele an der Küste gewünscht hatten, platzte 2013. In den Verhandlungen hatte Oetker – obwohl kleiner als Hapag-Lloyd – vehement auf die Führung in dem Gemeinschaftsunternehmen gepocht – und war damit insbesondere am Widerstand von Hapag-Großaktionär Klaus-Michael Kühne gescheitert.

Hapag-Lloyd fand rasch Ersatz. Schon Ende 2014 fusionierten die Hamburger mit der chilenischen CSAV, die wie Hamburg Süd im Schwerpunkt den Verkehr zwischen Europa und Südamerika bedient. Hamburg Süd aber geriet in eine Sackgasse. Anders als alle übrigen Großreedereien fand die Oetker-Tochter keinen Allianzpartner, um sich die weltumspannenden Streckendienste („Loops“) zu teilen. Zu allem Überfluss warb dann auch noch Wettbewerber Hapag-Lloyd um den einzigen Kooperationspartner, die arabische Reederei UASC. Am Ende stand Hamburg Süd alleine da.

Während nun für die Oetker-Tochter die Tage als deutsche Reederei gezählt sind, hat Ortsnachbar Hapag-Lloyd gute Chancen, sich an der Spitze der weltweiten Seefahrt zu halten. Helfen soll dabei auch die Übernahme von UASC, die möglicherweise noch Ende März vollzogen wird.

Schon im Juli 2016 hatten beide Seiten den Deal unterzeichnet. Bei ihm bringen die Araber ihren Betrieb in Hamburg ein, um im Gegenzug 28 Prozent der Konzernaktien zu erhalten. Doch das „Closing“ verzögerte sich. Der Grund: Im Geschäft mit UASC nutzten arabische Banken die „Change-of-Control“-Klausel, um bei der hoch verschuldeten Reederei aus den Kreditverträgen auszusteigen. So benötigten die Verhandlungspartner zusätzliche Zeit, Ersatz für die Finanzierung zu beschaffen. „Das Banken-Thema ist nun kein Deal-Breaker mehr“, sagte ein Hapag-Manager dem Handelsblatt, „das Closing ist auf der Zielgeraden.“

Nach einer Flaute ziehen die Frachtraten nun wieder an
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  • Die Oetker Gruppe ist erfolgreich mit ihren Luxushotels.Es gibt ja immer mehr Reiche Leute in der Welt. Dort wird man wohl die Expansion fortsetzten.

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