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Handelskonzern Absage an Kretinsky-Angebot: Metro-Chef Olaf Koch kämpft für seine Strategie

Der Manager will die Metro ganz auf den Großhandel ausrichten. Dafür treibt er den Real-Verkauf voran – und lehnt das Übernahmeangebot zunächst ab.
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Der Metro-Chef muss nicht nur die große Supermarktkette Real verkaufen, sondern muss auch einen strategischen Partner für das China-Geschäft finden und das rückläufige Russland-Geschäft in den Griff bekommen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Olaf Koch

Der Metro-Chef muss nicht nur die große Supermarktkette Real verkaufen, sondern muss auch einen strategischen Partner für das China-Geschäft finden und das rückläufige Russland-Geschäft in den Griff bekommen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Düsseldorf Metro-Chef Olaf Koch kommt bei den Verhandlungen für den Verkauf der Supermarkt-Tochter Real voran. „Ich rechne damit, dass wir den Vertrag mit Redos Mitte September unterschreiben werden“, sagte Koch in einer Telefonkonferenz. Die Verhandlungen mit dem Immobilienkonzern dauerten „etwas länger als ursprünglich geplant“, räumte Koch ein. Auch die Abstimmung mit den zuständigen Kartellbehörden dauerten länger als gedacht.

Der Verkauf von Real-Supermärkte ist ein wichtiger Schritt für Koch, den Düsseldorfer Konzern ganz auf das Großhandelsgeschäft zu konzentrieren. „Wir wandeln uns so vom ursprünglich diversifizierten Konglomerat zu einem sortenreinen Großhändler“, beschrieb er den langen Transformationsprozess der Metro.

Seine Botschaft ist für die Aktionäre bestimmt, denen ein Übernahmeangebot des tschechischen Investors Daniel Kretinsky vorliegt. Der hatte vor ein paar Wochen angeboten, 16 Euro je Stammaktie und 13,80 Euro je Vorzugsaktie zu zahlen. Koch betonte noch einmal, was er am Morgen in der sogenannten begründeten Stellungnahme gesagt hatte: „Wir halten den offerierten Preis für nicht angemessen, weil er Metro erheblich unterbewertet.“

Er empfiehlt deshalb den Aktionären der Metro, das Übernahmeangebot nicht anzunehmen. Bereits in einer ersten Stellungnahme vor einigen Wochen hatte er das Angebot Kretinskys und seiner Investmentgesellschaft EP Global Commerce (EPGC) als zu niedrig bezeichnet.

Koch wirbt damit, dass es der Metro gelungen sei, sich stärker auf die beiden Zielgruppen Hotels, Restaurants und Catering sowie unabhängige Händler zu konzentrieren. „Mit diesen Kunden erzielen wir im Großhandelsgeschäft schon rund zwei Drittel unseres Umsatzes“, sagte Koch.

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Das Geschäft wachse flächenbereinigt stark um vier bis fünf Prozent. Das ist deutlich stärker als der Gesamtumsatz, der in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 flächenbereinigt um 2,3 Prozent stieg.

Es gibt allerdings bei der Transformation des Konzerns noch ein paar Probleme zu lösen: Koch muss nicht nur die große Supermarktkette Real verkaufen. Er muss auch einen strategischen Partner für das China-Geschäft finden und das rückläufige Russland-Geschäft in den Griff bekommen.

„Wir sind in fortgeschrittenen Gesprächen mit verschiedenen Interessenten in China“, verriet Koch. Dort ist die Metro sowohl im Einzelhandels- als auch im Großhandelsgeschäft tätig. Das passe so nicht mehr in die Strategie, sagte Koch. „Es ist aber noch offen, wie wir im chinesischen Markt künftig präsent sein werden“, hält sich Koch alle Möglichkeiten der Kooperation mit einem künftigen Investor offen.

Auch im Russland-Geschäft sieht Koch Fortschritte. „Aber die Rahmenbedingungen in dem Markt bleiben weiter herausfordernd.“

Der neue Großaktionär Kretinsky wird die Fortschritte in Russland und China genau verfolgen. Schließlich will er den Konzern unter seine Kontrolle bringen. Er hat sich nach eigenen Angaben bereits 32,72 Prozent der Stimmrechte an der Metro AG gesichert. Dazu gehört auch eine Kaufoption der Familie Haniel über 15,2 Prozent der Stimmrechte.

Übernahme bleibt fraglich

Die Option ist aber bislang bis zum Ende der Angebotsfrist des tschechischen Milliardärs am 7. August nur geparkt. Kretinsky hat die Annahmeschwelle mit mindestens 67,5 Prozent festgelegt. Damit will er die Zustimmung zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Metro sicherstellen.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf machte klar, dass Kretinsky noch einmal nachlegen müsste, um einen adäquaten Preis zu zahlen. „Wer letztlich die Kontrolle in einem Konzern haben will, muss schon eine ordentliche Prämie zahlen“, sagte Jella Benner-Heinacher, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf.

Die Aktionäre müssten allerdings noch etwas Geduld mitbringen, weil die geplanten Verkäufe von Real und des China-Geschäfts noch nicht abgeschlossen seien. Offen ist auch noch, wie sich andere Großaktionäre der Metro wie die Familienstiftung Meridian, die mit knapp 15 Prozent beteiligt ist, sowie die Beisheim Holding (6,56 Prozent) verhalten werden.

Über die Großaktionäre hinaus müsste Kretinsky aber noch knapp 14 Prozent der freien Aktionäre überzeugen, ihm ihre Aktien zu verkaufen. Dann erst würde er seine Annahmeschwelle von 67,5 Prozent erreichen. Sollte er dies jedoch nicht bis zum 7. August schaffen, er kann er auch die Verlängerungsfrist bis zum 26. August nutzen. Sollte er auch bis dahin sein Ziel nicht erreichen, wäre das Übernahmeangebot vorerst gescheitert.

Mehr: Das Metro-Wachstum wird getrieben von fast allen Regionen. Konzernchef Koch sieht zudem „große Fortschritte“ beim Real-Verkauf. Die guten Nachrichten kommen ihm gerade recht.

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