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Metro

Der tschechische Investor Daniel Křetínský setzt auf einen Turnaround beim Handelskonzern.

(Foto: dpa)

Handelskonzern Ausverkauf bei der Metro – und die Börse feiert

Nach Haniel kündigt auch Ceconomy an, sich von den Aktien des Handelskonzerns zu trennen. Die Börsenreaktion darauf war geradezu euphorisch.
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DüsseldorfErst war es nur die Familie Haniel, die ihr Aktienpaket an der Metro zur Disposition stellte und gleich auch einen Käufer präsentierte: den tschechischen Investor Daniel Křetínský. Doch nun zeigen sich weitere Großaktionäre verkaufsbereit. Und schon machen in der Branche Gerüchte die Runde, der Düsseldorfer Handelskonzern Metro könnte mittelfristig gar komplett von der Börse genommen werden.

Am Montag gab die Ceconomy AG in einer dürren Ad-hoc-Mitteilung bekannt, dass sie ebenfalls in Verhandlungen ist mit Křetínský, um ihm ihren Metro-Anteil von knapp neun Prozent zu verkaufen. Das Unternehmen betonte, dass eine Entscheidung, „ob und zu welchen Bedingungen ein Anteilskaufvertrag abgeschlossen werden könnte“, noch nicht getroffen sei. Aus Verhandlungskreisen hieß es aber, dass Křetínský sowohl Ceconomy als auch Haniel einen attraktiven Aufschlag auf den Börsenkurs geboten habe.

Sollte er die von den beiden Parteien angebotenen Anteile komplett übernehmen, käme der Investor auf einen Anteil an der Metro von 31,5 Prozent. Die Börsenreaktion darauf war geradezu euphorisch. Nachdem der Kurs der Metro-Aktie seit Anfang des Jahres von 17 auf rund zehn Euro abgestürzt war, schoss er nach der Ankündigung von Ceconomy um zeitweise mehr als 18 Prozent in die Höhe.

„Die Börse spekuliert offenbar darauf, dass der tschechische Investor weitere Teile von Metro übernehmen will oder sogar eine Komplettübernahme plant“, so Peter Steiner, Analyst beim Bankhaus Lampe.

Die Metro selbst wurde von den Verkaufsplänen ihrer Großaktionäre komplett überrascht. Der Konzern sei sehr offen gegenüber dem neuen Investor, sagte ein Metro-Sprecher und fügte vielsagend hinzu: „Wir sind sehr gespannt, welche strategischen Vorstellungen er mitbringt.“

Noch bis vor Kurzem war bei Ceconomy nicht die Rede davon, dass der Anteil an der Metro zum Verkauf stünde. Quasi als Mitgift hatte der Elektronikhändler dieses Aktienpaket bekommen, als er Mitte vergangenen Jahres von der Metro abgespalten wurde.

Obwohl Ceconomy auf den Wert dieses Pakets wegen des Kursverfalls von Metro bereits zweimal einen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben musste, gab es stets interne Pläne dafür. Auf Analystenkonferenzen hieß es zuletzt, das Aktienpaket könne in einen Trust eingebracht werden, um damit Pensionsverpflichtungen abzusichern.

Viel Beifall von Investoren

Umso spektakulärer jetzt die Kehrtwende. Wie es in Verhandlungskreisen heißt, spricht die Ceconomy-Führung bereits seit einiger Zeit mit dem tschechischen Investor Daniel Křetínský und Vertretern seiner Investmentgesellschaft – parallel zu den Verhandlungen des Tschechen mit dem Metro-Großaktionär Haniel. Weil er größere Pakete übernehmen will und sehr daran interessiert ist, die Kontrolle über die Metro zu bekommen, soll Křetínský eine deutliche Prämie auf den Aktienkurs geboten haben, der in der vergangenen Woche nur noch knapp über der Marke von zehn Euro lag.

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Von den Investoren hat der Tscheche mit seinem Angebot viel Beifall erhalten. Haniel-Chef Stephan Gemkow hatte sich in jüngster Vergangenheit bereits sehr kritisch gegenüber der Entwicklung der Metro gezeigt. „Die Wertentwicklung ist eine Enttäuschung, das sieht jeder, der auf den Kurszettel schaut“, hatte er der Nachrichtenagentur Reuters in den Block diktiert.

Schon vor drei Jahren hatte Gemkow aus Verärgerung über die Entwicklung bei Metro einen Teil der Aktien verkauft – ohne die Metro-Führung vorzuwarnen. Metro-Chef Olaf Koch war zum Zeitpunkt der damaligen Verkündung in einer Analystenpräsentation und wurde von der Veröffentlichung kalt erwischt.

Auch bei Ceconomy war der Unmut über die Wertentwicklung der ehemaligen Konzernschwester immer mehr gestiegen. Im gerade abgelaufenen dritten Quartal hatte die erneute Wertberichtigung auf den Metro-Anteil die Ceconomy sogar in die roten Zahlen gezogen. „Wir überdenken den Umgang mit der Metro-Beteiligung“, hatte Ceconomy-Chef Pieter Haas vor zwei Wochen angedeutet. Zu dem Zeitpunkt war er offenbar schon in ersten Gesprächen über einen möglichen Verkauf.

Delisting könnte für Ruhe sorgen

Welche weiteren Aktionäre noch verkaufswillig wären, ist offen. Nicht gesprächsbereit dagegen zeigt sich der zweitgrößte Aktionär der Metro, die Meridian Stiftung der Familie Schmidt-Ruthenbeck, die 14 Prozent der Anteile hält. „Wir haben noch nie Gespräche über den Verkauf unserer Metro-Aktien geführt und sehen gegenwärtig auch keinen Grund, dies zu tun“, teilte sie auf Nachfrage mit.

Doch wenn Křetínský die kompletten Aktien von Haniel und Ceconomy übernehmen würde, überschritte er zugleich die Schwelle von 30 Prozent der Anteile. Laut Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz wäre er damit verpflichtet, allen anderen Anteilseignern ein Übernahmeangebot zu machen. Das könnte noch mal neue Dynamik in mögliche Gespräche bringen.

Für den Handelskonzern Metro wäre das Szenario eines Delistings von der Börse gar nicht so unangenehm. Steckt er doch in einem schwierigen Umbauprozess, der auch zuweilen Rückschläge mit sich bringt. Da könnte es mehr Ruhe in die Entwicklung bringen, wenn das Unternehmen nicht jedes Quartal seine Zahlen offenlegen müsste.

Das sehen auch Analysten so. „Die Metro dürfte es begrüßen, dass sie einen starken Investor bekommt“, sagt Peter Steiner vom Bankhaus Lampe, der seit Jahren intensiv den Handelskonzern beobachtet. In der Branche sei das eher die Regel als die Ausnahme. „Alle erfolgreichen Handelsunternehmen sind nicht börsennotiert“, gibt Steiner zu bedenken.

Dabei kämpft die Metro noch, wieder ein erfolgreiches Handelsunternehmen zu werden. Im April musste sie ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten anpassen. So erwartet sie jetzt nur noch einen leichten Anstieg des operativen Ergebnisses (Ebitda) gegenüber dem Vorjahresergebnis von 1,4 Milliarden Euro. Beim Gesamtumsatz rechnet sie jetzt nur noch mit einer Wachstumsrate von mindestens 0,5 Prozent statt zuvor von 1,1 Prozent.

Deutliche Fortschritte im Kerngeschäft

Es sind im Wesentlichen zwei Probleme, die die Entwicklung von Metro belasten. Da ist zum einen das schwache Geschäft in Russland, das bereits den verantwortlichen Metro-Vorstand Pieter Boone den Job gekostet hatte. Es dürfte sich auch im zweiten Halbjahr nicht wie erhofft erholen. Und da ist das langjährige Sorgenkind Real. Die Supermarktkette ist seit Jahren schon nicht mehr wirklich konkurrenzfähig.

Im Kerngeschäft dagegen hat Metro deutliche Fortschritte gemacht. So hat sich das Unternehmen den veränderten Kundenwünschen angepasst und den Anteil des Belieferungsgeschäfts deutlich ausgeweitet. Eine Folge ist, dass Metro nach langer Zeit auch wieder Übernahmen getätigt hat, angefangen mit dem Feinkostspezialisten Classic Fine Foods in Asien, dann Rungis Express in Deutschland, zuletzt Pro à Pro in Frankreich – alles Lieferdienste. Damit hat der Großhändler in weniger als zwei Jahren einen zusätzlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro übernommen.

Auch bei der Digitalisierung hat Koch „viel vorangetrieben“, wie Handelsexperte Steiner lobt. So hat das Unternehmen Systeme entwickelt, die Kunden, Außendienstmitarbeiter, Lagerarbeiter und Auslieferungsfahrer digital vernetzt. Das wird langfristig die Abläufe effizienter machen und Kosten reduzieren.

Doch bis sich das in den Ergebnissen niederschlägt, wird noch einige Zeit vergehen. Haniel-Chef Gemkow dagegen hatte gehofft, dass Koch mit seinem Umbau schneller vorankommt. Geradezu euphorisch hatte er im vergangenen Jahr die Spaltung der Metro in einen Lebensmittel- und Großhändler auf der einen Seite und den Elektronikspezialisten Ceconomy auf der anderen Seite gelobt.

Křetínský geht gerne Wetten ein

Die Spaltung sei ein „cleverer Schachzug“, hatte er gelobt. Beide Teilkonzerne könnten sich jetzt „operativ und von der Marktbewertung her unabhängig voneinander entwickeln“. Und er hatte natürlich auch auf eine deutlich bessere Kursentwicklung gesetzt.

Doch die blieb aus. Den Kurs der ersten Handelstage der neuen Metro-Aktie von fast 19 Euro erreichte das Papier nicht mehr. Stattdessen halbierte sich der Wert des Konzerns an der Börse in der Folge fast. Und Gemkow verlor die Geduld.

Daniel Křetínský dagegen traut der Metro den Turnaround zu. Der Jung-Milliardär aus Prag geht gerne mit seinen Investments Wetten ein. So hat er vor zwei Jahren für einen symbolischen Euro das Braunkohlegeschäft von Vattenfall in der Lausitz übernommen – in der Hoffnung, dass nach dem Atomausstieg die Braunkohle zumindest als Brückentechnologie wieder gute Gewinne abwirft und er so sein Engagement versilbern kann.

Genauso hofft er auch, in der Metro ein unterschätztes Unternehmen entdeckt zu haben. Zusätzlich helfen könnten dem Großhandelskonzern Křetínskýs gute Kontakte in der Handelslandschaft in Osteuropa. So ist er Großaktionär der Mall.cz-Gruppe, des zweitgrößten Onlinehändlers Tschechiens.

Und Křetínský bekommt für seinen Vorstoß in Deutschland nicht nur Vorschusslorbeeren von der Börse, sondern auch von den Experten. Damit zeichne sich eine neue Ära ab, was für den Handelskonzern und seine Aktionäre positiv sei, schreibt Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers in einer aktuellen Studie geradezu überschwänglich.

Es bleibt nur abzuwarten, wie nachhaltig das Engagement des tschechischen Milliardärs ist – und ob er nicht auch irgendwann wegen ausbleibender Erfolge das Interesse an Metro verliert.

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