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Handelskette

Ein Real-Supermarkt in Köln.

(Foto: dpa)

Handelskonzern Metro will sich von der Supermarktkette Real trennen

Der Metro-Vorstand hat beschlossen, den Verkauf seiner Real-Märkte zu beginnen. Der Konzern will sich auf den Großhandel fokussieren.
Update: 14.09.2018 - 09:45 Uhr Kommentieren

DüsseldorfDer Handelskonzern Metro will sich von seinen Real-Märkten trennen. Wie der Konzern in einer Pflichtmitteilung bekanntgab, habe der Vorstand beschlossen, einen Veräußerungsprozess für das Einzelhandelsgeschäft Real und die damit zusammenhängenden Geschäftsaktivitäten zu beginnen. Metro beabsichtige, sich in Zukunft vollständig auf Großhandel zu fokussieren.

„Wir haben in den letzten Jahren die unternehmerische Initiative ergriffen und unser Geschäft für unsere Kunden vollkommen neu aufgestellt“, sagte Real-Co-Chef Henning Gieseke. Insgesamt seien seit 2017 bereits 30 Märkte modernisiert worden. „Real verfügt zudem über ein wertvolles Immobilienportfolio“, warb er. Real betreibt derzeit 282 Läden in Deutschland und hat 65 Immobilienstandorte.

Ziel bei der Trennung von Real sei es, dass die Kette ihren begonnenen Weg in die Zukunft fortsetzen solle, sagte Metro-Chef Olaf Koch am Freitag in einer Telefonkonferenz. Zur Bewertung von Real wollte sich Koch nicht äußern. „Wir wissen, dass es Interesse für Real gibt.“ Metro sei bereits in der Vergangenheit von Interessenten kontaktiert worden. Damals sei der Konzern aber noch nicht bereit für einen Verkauf gewesen.

Die Pläne für eine Trennung von Real hätten nichts mit dem Einstieg des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky bei Metro zu tun, unterstrich Koch. Der Schritt sei nicht mit Kretinsky erörtert worden. Er habe ihn aber getroffen und er sei Metro als neuer Investor willkommen.

Die Aussicht auf eine Trennung von Real hat die Investoren am Freitag bei Metro-Aktien zugreifen lassen. Die im MDax gelisteten Titel kletterten in der Spitze um 2,9 Prozent auf 14,07 Euro und markierten damit den höchsten Stand seit fast fünf Monaten.

Die Großhandelsgeschäfte, in denen vor allem Gewerbetreibende von Gaststätten und Restaurants einkaufen können, sind der größere Geschäftsteil der heutigen Metro. Bei den Großhandelsmärkten zählte das Unternehmen zur Jahresmitte rund 760 Läden in 25 Ländern. „Wir werden die Ausrichtung auf professionelle Kunden weiter intensivieren, um das enorme Potenzial zu erschließen“, sagte Koch zum künftigen Fokus der Metro.

Vor gut einem Jahr hatte sich der Metro-Konzern aufgespalten – auf der einen Seite die Beteiligungsgesellschaft Ceconomy für die Elektronikmärkte Saturn und Media Markt, auf der anderen Seite der Lebensmittelhändler Metro mit den gleichnamigen Großmärkten und der Supermarktkette Real. Bereits 2015 hatte sich Metro von der damaligen Tochter Kaufhof getrennt.

Seitdem kämpft die Metro damit, wieder ein erfolgreiches Handelsunternehmen zu werden. Im April musste sie ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten anpassen.

So erwartet sie jetzt nur noch einen leichten Anstieg des operativen Ergebnisses (Ebitda) gegenüber dem Vorjahresergebnis von 1,4 Milliarden Euro. Beim Gesamtumsatz rechnet sie mit einer Wachstumsrate von mindestens 0,5 Prozent statt zuvor von 1,1 Prozent.

Es sind im Wesentlichen zwei Probleme, die die Entwicklung von Metro belasten. Da ist zum einen das schwache Geschäft in Russland, das bereits den verantwortlichen Metro-Vorstand Pieter Boone den Job gekostet hatte. Es dürfte sich auch im zweiten Halbjahr nicht wie erhofft erholen. Und da ist das langjährige Sorgenkind Real.

Über eine Trennung von Real gab es daher zuletzt immer wieder Spekulationen. Die Supermarktkette ist seit Jahren schon nicht mehr wirklich konkurrenzfähig. Metro steuerte unter anderem mit Kostensenkungen bei Real mit ihren rund 34.000 Beschäftigten gegen. Die Gewerkschaft Verdi antwortete im Sommer mit Warnstreiks, Demonstrationen und Kundgebungen.

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Auslöser war die Entscheidung der Unternehmensleitung, sich aus den mit Verdi vereinbarten Tarifverträgen zu verabschieden und stattdessen neu eingestellte Mitarbeiter nach einem Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV zu bezahlen, der für das Unternehmen deutlich günstiger ist.

Metro-Chef Olaf Koch warf dagegen der Gewerkschaft vor, Tarifverhandlungen über eine wettbewerbsfähige Entgeltstruktur bei der angeschlagenen Supermarktkette jahrelang blockiert zu haben. Die bisherigen Tarifverträge hätten Real deutlich höhere Lohnkosten aufgebürdet, als sie viele Wettbewerber zu tragen hätten. Das sei für Real nicht mehr tragbar gewesen.

Dennoch zeigte sich Koch bis zuletzt überzeugt, dass man die Kurve noch kriegen werde. Umso überraschender kommt nun die Trennung.

Fortschritte im Kerngeschäft

Im Kerngeschäft hat Metro dagegen deutliche Fortschritte gemacht. So hat sich das Unternehmen den veränderten Kundenwünschen angepasst und den Anteil des Belieferungsgeschäfts deutlich ausgeweitet.

Eine Folge ist, dass Metro nach langer Zeit auch wieder Übernahmen getätigt hat, angefangen mit dem Feinkostspezialisten Classic Fine Foods in Asien, dann Rungis Express in Deutschland, zuletzt Pro à Pro in Frankreich – alles Lieferdienste. Damit hat der Großhändler in weniger als zwei Jahren einen zusätzlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro übernommen.

Auch bei der Digitalisierung hat Konzernchef Olaf Koch „viel vorangetrieben“, wie Handelsexperte Peter Steiner vom Bankhaus Lampe lobt. So hat das Unternehmen Systeme entwickelt, die Kunden, Außendienstmitarbeiter, Lagerarbeiter und Auslieferungsfahrer digital vernetzen. Das wird langfristig die Abläufe effizienter machen und Kosten reduzieren.

Mit Agenturmaterial.

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