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Hans Van Bylen (links) im Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe

Der Henkel-Chef beschäftigt sich zu einem Drittel seiner Zeit mit Digitalthemen.

(Foto: Vogt für Euroforum und Handelsblatt)

Hans Van Bylen im Interview Henkel-Chef über moderne Firmenkultur: „Wir müssen extrem neugierig sein“

Der Henkel-Chef Hans Van Bylen spricht im Interview über Firmenkultur im Digitalzeitalter und die E-Commerce-Erfolge des Unternehmens in China.
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Duisburg Der Kontrast zwischen den Welten könnte kaum größer sein: Henkel-Chef Hans Van Bylen spricht auf dem Handelsblatt Industriegipfel ausgerechnet in der Halle eines ehemaligen Stahlwerks in Duisburg über die Digitalisierung der Industrie.

Herr Van Bylen, die Digitalisierung ist eine große Herausforderung für die Industrie, aber auch für den Vorstand eines Dax-Unternehmens. Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit verwenden Sie für das Thema Digitalisierung?
Wir beschäftigen uns im Vorstand rund ein Drittel unserer Zeit mit Digitalthemen. Außerdem reden wir nicht nur darüber. Wir haben im Vorstand auch klare Verantwortungen für ausgewählte Digitalpartner wie Google oder Microsoft zugeordnet. Wir treffen uns einmal im Jahr mit ihnen, zum Beispiel im Silicon Valley. Dort besprechen wir dann aktuelle Themen und die Zusammenarbeit.

Braucht das Thema Digitalisierung eine andere Managerkultur? Einen CEO, der nicht alles besser weiß, sondern der zuhört und lernt?
Es ist wichtig, dass man in bestimmten Bereichen Mitarbeiter hat, die mehr wissen als man selbst. Aber gerade die Digitalisierung führt zu einer neuen Offenheit. Ein komplexer und global aufgestellter Konzern kann große Dinge nur im Team bewegen. Die gesamte Organisation muss sich mehr für Partner von außen öffnen.

Was heißt das konkret?
Wir haben zum Beispiel Henkel X gegründet. Das ist eine digitale Plattform, um die Transformation von Henkel voranzutreiben. Hier arbeiten wir mit mehr als 100 internationalen Mentoren zusammen. Dazu gehören Gründer von Digitalunternehmen und anderen Start-ups sowie weitere führende Köpfe aus der digitalen Welt. Mit ihnen diskutieren unsere Mitarbeiter neue Projekte.

Wie wollen Sie den Digitalumsatz von Henkel konkret ausbauen?
Insgesamt erzielen wir heute schon jährlich mehr als zwei Milliarden Euro im Digitalgeschäft und wachsen hier deutlich zweistellig. Allein in unserem industriellen Klebstoffgeschäft machen wir auf unserer eigenen Online-Plattform einen Umsatz von mehr 1,5 Milliarden Euro. Das bauen wir weiter aus, um neue Lösungen mit unseren Kunden aus der Auto-, Elektronik- und Luftfahrtindustrie zu entwickeln. Im Konsumgütergeschäft kooperieren wir mit E-Commerce-Konzernen in den USA oder China.

Sind uns die Chinesen beim digitalen Einkaufen voraus?
Ja, in China machen wir bereits rund 60 Prozent unseres Konsumgütergeschäfts über digitale Kanäle. Wir waren das erste internationale Unternehmen, das Partner der chinesischen Einkaufsplattform Alibaba geworden ist. Junge Chinesen kaufen Produkte wie Haarshampoos oder Deos fast nur online. Sie bezahlen auch alles über digitale Systeme.

Wie können wir in Europa die Lust für das digitale Einkaufen erhöhen?
In Frankreich ist das Einkaufen über Online-Plattformen schon stark verbreitet. Die Kunden bestellen online und holen die Produkte kurz darauf im Laden fertig eingepackt ab. Dort verkaufen wir schon rund 20 Prozent unserer Konsumgüter online. Aber ich bin zuversichtlich, dass auch in Deutschland das Geschäft in den nächsten Jahren wachsen wird.

Angesichts des Tempos von China und den USA in der Digitalisierung: Machen Sie sich Sorgen, dass Europa den Anschluss verlieren könnte?
In Europa haben wir vor allem noch Nachholbedarf zum Beispiel bei der Künstlichen Intelligenz. Das Thema wird derzeit in China und den USA viel stärker vorangetrieben.

Wo kommt Künstliche Intelligenz bei Henkel zum Einsatz?
Wir nutzen sie schon in vielen Bereichen. Wir erfassen heute in unserer Lieferkette schon täglich rund eine Milliarde Daten. Die müssen wir intelligent verarbeiten. Ich sehe noch viel Potenzial, wie wir mit Künstlicher Intelligenz für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit in der Produktion und im Vertrieb sorgen können.

Wie viel investieren Sie in die Digitalisierung?
Insgesamt wollen wir unsere Sachinvestitionen innerhalb von vier Jahren von zwei auf drei Milliarden Euro erhöhen. Davon fließt natürlich ein großer Teil in die Digitalisierung unserer Anlagen. Wir investieren aber auch etwa 30 Prozent unserer Marketingbudgets in digitale Werbung. Und schließlich investieren wir auch in unsere Mitarbeiter, sei es durch Training und Weiterbildung oder durch den Aufbau digitaler Kompetenz durch neue Mitarbeiter.

Sie setzen Softwareroboter in der Produktion ein. Haben Sie keine Sorge, dass Sie dadurch die Kontrolle über die Fertigung verlieren?
Da mache ich mir keine Sorgen. Die Systeme helfen uns vielmehr, die Abläufe in unserer Produktion und der gesamten Lieferkette zu verbessern. Wir haben ja auch immer noch Menschen und erfahrene Mitarbeiter in unseren Anlagen.

Oft sind uns die USA bei neuen Technologien voraus, weil junge Firmen dort leichter an Wagniskapital kommen. Was muss sich da in Deutschland noch verbessern?
Ich sehe das nicht so kritisch. Deutschland hat als führende Industrienation ein enorm starkes Fundament. Denken Sie nur an die vielen Ingenieure und Technologie-Patente. Es gibt auch ein wachsendes Interesse internationaler Investoren, nach Deutschland zu kommen.

„Junge Chinesen kaufen Produkte wie Haarshampoos oder Deos fast nur online ein.“
Hans Van Bylen

„Junge Chinesen kaufen Produkte wie Haarshampoos oder Deos fast nur online ein.“

Muss die Politik noch mehr tun, um den digitalen Wandel in Deutschland voranzutreiben?
Ja, ich sehe da vor allem zwei große Themen: die digitale Infrastruktur und die Bildung. Vor allem bei den Datennetzen muss Deutschland im internationalen Vergleich noch kräftig aufholen. Aber auch in den Schulen muss noch viel passieren.

Wo sehen Sie für Henkel bei der Digitalisierung die größten Chancen?
Es gibt vor allem im Konsumgütergeschäft noch viele Möglichkeiten. Es wandelt sich vom Massenmarkt alter Prägung zu einem modernen, individualisierten Geschäft. Das reicht von der gezielten Ansprache von Kunden über das Marketing bis zum individuellen Vertrieb. Im Industriegeschäft nutzen wir die Digitalisierung, um den Kunden mehr individuelle Lösungen und Services anzubieten.

Besteht die Gefahr, dass Einzelhändler im Digitalgeschäft untergehen?
Nein. Ich war zu Gesprächen bei Walmart in den USA. Neben dem klassischen Ladengeschäft investiert der Konzern massiv ins Onlineangebot.

Herr Van Bylen, Sie unternehmen viel, um die Digitalisierung bei Henkel voranzutreiben. Wird sie in ein, zwei Jahren abgeschlossen sein?
Sie wird nie abgeschlossen sein. Das ist eine Entwicklung, die sich exponentiell mit immer größerer Geschwindigkeit entwickelt. Sie wird letztlich alle internen Bereiche eines Konzerns erfassen und die Art, wie wir Geschäfte machen. Wir müssen da extrem aufmerksam und neugierig sein, um vorne dran zu bleiben. Das ist ein langer Lernprozess.

Herr Van Bylen, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Georg Weishaupt.

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