Hapag-Lloyd, Maersk, Hamburg Süd Schwerste Reederei-Krise seit 145 Jahren

Die schwerste Krise der Schifffahrt seit 145 Jahren spitzt sich zu: Für die Mehrheit der Reedereien in Deutschland geht es ums blanke Überleben. Obwohl das rettende Ufer in Sicht ist, werden es nicht alle erreichen.
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Der Siegeszug der Containern: Eine Erfindung revolutioniert die Schifffahrt

HamburgDie Reeder und die Finanzberater der Schiffsbanken in Deutschland dachten zunächst, es könne nicht mehr schlimmer kommen. Und doch hat sich die Krise der Schifffahrt, die ins neunte Jahr geht, nochmals verschärft. Der Boden ist wohl endgültig erreicht. Viele Schiffe fahren quasi gratis, sie erwirtschaften ihre Betriebskosten nicht.

Die Banken bekommen keine Zinsen und keine Tilgung für Kredite, die sie vor vielen Jahren vergeben haben. Es werden Schiffe abgewrackt, die noch nicht einmal zehn Jahre alt sind. Und gebrauchte Schiffe sind nicht viel mehr wert als ihr Schrottgewicht.

Bertram Rickmers stammt aus uraltem hanseatischen Reeder-Adel, und sein Blick reicht weit zurück. „Eine Krise wie diese gab es in der Schifffahrt zuletzt nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71“, sagt er. In der Folge wurde das Deutsche Reich gegründet. „Nicht nach dem Ersten und nicht nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Sondern eben vor 145 Jahren. Und heute wieder.

Die Hamburger Rickmers-Gruppe ist ein maritimer Dienstleister, der unter anderem Schiffe an die großen Linienreedereien verchartert und sie bereedert. Rickmers oder seinen Anlegern gehören die Schiffe, er stattet sie mit Personal aus und ist für den Betrieb verantwortlich.

Doch auf dem Schiffsrumpf steht nicht sein Name, sondern der von Maersk, MSC oder Hamburg Süd. Die Linienreedereien chartern die Schiffe, bezahlen für die Bereederung und kümmern sich selbst vor allem um die Ladungsströme und den Containertransport.

Fast alle deutschen Reedereien sind Charterreedereien. Und fast alle sind kleiner als die Rickmers-Gruppe. Der Hamburger Reeder managt um die 120 Containerschiffe. Die Mehrzahl der 364 Reedereien in Deutschland hat höchstens vier Schiffe, nur drei Prozent der Betriebe verfügen über eine Flotte von mehr als 50 Einheiten. Die typische deutsche Reederei ist ein kleiner Familienbetrieb in Stade oder Emden, der Chef ein Kapitän mit einer Handvoll Mitarbeiter, die Ehefrau macht die Buchhaltung.

Das ist nicht mehr zukunftsfähig. Den kleinen Reedereien fehlen finanzielle Reserven und der Zugang zu frischem Kapital. Rickmers hat versucht, sein Unternehmen frühzeitig auf neue Zeiten vorzubereiten. Dazu hat er ein modernes Rechnungs- und Berichtswesen aufgebaut und eine Anleihe am Kapitalmarkt ausgegeben. Das Ziel war der Börsengang.

Dafür aber boten weder die Schifffahrtsbranche noch das Börsenumfeld den richtigen Rahmen. Die Linienreederei Hapag-Lloyd schaffte es im Herbst 2015 noch gerade so an die Börse, dann war das Zeitfenster zu. „Wir haben das nach wie vor im Auge“, sagt Bertram Rickmers.

Hohe Verluste der Reeder
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  • Vor einigen Jahren hieß es in der Werbung für Schiffsinvestitionen: "Gott muss ein Reeder gewesen sein, da er alle wichtigen Rohstoffe sehr weit vom eigentlichen Verbrauchsort platziert hatte".

    Heute kann man sagen: "Reeder müssen Deppen sein, da sie alle Schiffe bestellten, die sie überhaupt nicht nutzen konnten".

  • Großes Blabla.
    Die Vorstände verdienen immer noch zu viel. Neue, größere Schiffe werden zu Wasser gelassen und die Container sind voll.
    Wenn sich dt. Reedereien nicht auf den Wandel der Zeit umstellen können, können sie von mir aus auch baden gehen.

  • Die Weltweite und sich immer weiter verschlimmernde "Reederei-Krise" ist, wie auch der dahin dümpelnde niedrige Ölpreis auf den Weltmärkten, nicht anderes als das Simptom dafür dass der Konsum stetig abnimmt. Dass also eine Weltwirtschaftskrise schon lange im Gange ist. Selbige wird nur durch immer höhere Schulden und immer mehr gedrucktes Geld, in Form weiterer neuer Kredite, seitens der Zentralbanken, verschleiert.

  • Sachlich bleiben möchte man auch der Redaktion des Handelsblattes empfehlen. Da werden 2 Herren zitiert, deren Unternehmen durch großzügige Millionenspenden der Steuerzahler am Leben gehalten wurden und die dennoch ein sehr grosses Privatvermögen (Segelyachten und/oder ähnliches) besitzen. Der ewige Hinweis , dass nur durch diese Erlässe größere Verluste vermieden werden konnten, ist jedenfalls so auch nicht haltbar. Hätten die Banken vor mehreren Jahren auf die erstmalige Nichtzahlung von Kapitaldienst mit Verkauf der Schiffe reagiert, wären die Verluste deutlcih geringer als alles, was heute zu Buche steht. Und der Hinweis, dass Rickmers bis Oktober den Kapitaldienst erbrachte, ist nachgerade zynisch, denn dieser Kapitaldienst entspricht nicht den ursprünglichen Kreditvereinbarungen sondern ist bereits (wiederholt?) restrukturiert worden.
    Insgesamt werden hier Unternehmen, die kaum Setuern zahlen und auch wenig (deutsche) Arbeitsplätze schaffen bzw. sichern, künstlich am Leben erhalten und somit die dringend notwendige Bereinigung dieser Branche sinnlos und kostenintensiv verzögert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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