Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen

Die Reederei will ihr Preismodell überdenken.

(Foto: dpa)

Hapag-Lloyd Reedereichef kopiert die Lufthansa

Auf der Suche nach neuen Ertragsquellen plant Rolf Habben Jansen ein neues Preismodell. Am Ende könnten manche Container desselben Frachters sechs Tage länger unterwegs sein als andere.
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HamburgPreismodellen von Airlines wie der Lufthansa kann Rolf Habben Jansen, Chef von Deutschlands größter Containerreederei Hapag-Lloyd, neuerdings einiges abgewinnen. Dank zahlreicher Servicekategorien wie „Light“, „Classic“ oder „Flex“, der Business-Class und 14 zeitabhängigen Buchungsklassen kann ein Flug mit der Kranich-Airline von Frankfurt nach London unter 100 Euro kosten, leicht aber auch über 2.000. „Yield-Management“ nennen das die Airliner.

Von solch ausgeklügelten Preisstaffeln sind die weltweit operierenden Container-Reedereien seemeilenweit entfernt. Den Containerpreis pro Schiffsladung bestimmt die Frachtrate. Und die ist selbst auf den Megafrachtern für jede der mehr als 18.000 Stahlboxen nahezu gleich hoch.

Der 51-jährige Niederländer Habben Jansen, der vor gut drei Jahren das Steuerrad der schlingernden Hapag-Lloyd ergriff, vermutet daher im Yield-Management ungehobene Schätze. „Falls wir eine bevorzugte Be- und Endladung von Containern anbieten“, sagte er, „halte ich es für möglich, dass wir dafür von den Kunden eine Prämie bekommen.“

Das sind die größten Reedereien der Welt
Platz 10: Hamburg Süd Group
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Ein Unternehmen mit Tradition: Seit ihrer Gründung 1871 hat sich die Hamburg Süd von einer konventionellen Reederei zu einer international operierenden Transport-Logistik-Organisation entwickelt. Im März 2016 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI. Im März 2017 hat der Oetker-Konzern – zu dem Hamburg Süd gehört – die Reederei an den Konkurrenten Maersk verkauft. Die Flotte der Hamburg Süd umfasst 105 Schiffe, die eine Containerkapazität von insgesamt 564.000 Stück haben.

Quelle: Alphaliner

Platz 9: Mitsui O.S.K. Lines
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Die Japaner sind zurück in der Top Ten. Mit der MOL Triumph hat die Reederei aus Tokio nicht nur das größte Containerschiff der Welt ist der Flotte, sondern konnte auf 79 sagenhafte 569.000 Container transportieren.

Platz 8: Yang Ming Marine Transport Corp.
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Im Jahr 1972 in Taiwan gegründet, besitzt Yang Ming eigene und in Kooperation betriebene Containerterminals in den USA, Belgien, den Niederlanden sowie in Taiwan. Die Schiffsflotte besteht aus 95 Schiffen und umfasst eine maximale Kapazität von 580.000 Containern. Doch die Reederei leidet unter der schwächelnden Konjunktur in China. Eine Großallianz, die 2017 mit der deutschen Hapag-Lloyd und vier weiteren asiatischen Reedereien startet, soll helfen.

Platz 7: OOCL
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Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung gegründet. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. Zuletzt machte die asiatische Reederei den größten Sprung. Rund 672.000 Container kann das Unternehmen auf 98 Schiffen unterbringen. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Platz 6: Evergreen Line
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Die Reederei Evergreen stammt aus Taiwan. Mit ihren 194 Schiffen bedient das Unternehmen Linien in Osteuropa, nach Europa und zur US-Westküste und kann insgesamt 1,07 Millionen Standardcontainer unterbringen.

Platz 5: Hapag-Lloyd
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Mit 1,5 Millionen Containern hat aufgeholt: Unter dem Druck der schweren Schifffahrtskrise schloss sich die Reederei Hapag-Lloyd mit der arabischen Reederei United Arab Shipping Company (UASC) zusammen. Damit kommt die hamburgische Reederei, auf eine Flotte von 212 Schiffen. Zudem hat die neue Allianz mit den asiatischen Reedereien den Hamburgern eine gute Position auf den Weltmeeren verschafft.

Platz 4: Cosco Container Lines
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Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz sukzessive ausgebaut. 1,82 Millionen Container kann das Unternehmen unterbringen. Die Flotte umfasst aktuell 331 Schiffe.

Der zu erzielende Zeitgewinn, für den ausgewählte Kunden zahlen sollen, ist erstaunlich hoch. Allein drei Tage benötigt ein Container-Frachter fürs Beladen, drei weitere dauert das Löschen. „Stahlboxen, die zuletzt an Bord kommen und damit als erste wieder entladen werden, sind sechs Tage schneller“, rechnet Habben Jansen vor.

Verursacht werden die langen Liegezeiten im Hafen erst durch das rasante Größenwachstum der Schiffe. War vor zehn Jahren aus technischen Gründen bei Frachtern mit 9.600 Container-Stellplätzen Schluss, befinden sich heute Schiffe für bis zu 22.000 Boxen im Bau. Mit unliebsamen Folgen für die Reedereien: Seit Jahren führt der Run auf immer größere Frachter zu massiven Überkapazitäten auf den Weltmeeren. Schiffsbetreiber wie die südkoreanische Hanjin oder die Hamburger Traditionsfirma Rickmers rutschten in die Pleite, andere, wie etwa die ehemalige Oetker-Tochter Hamburg Süd, verloren ihre Selbstständigkeit. Von den 20 größten Container-Reedereien, die vor fünf Jahren noch auf den Weltmeeren kreuzten, werden neun bis Ende 2018 verschwunden sein.

Nun will Hapag-Lloyd, dessen Geschäft sich durch die hinzugekauften Wettbewerber CSAV und UASC zuletzt verstärkte, die Riesenfrachter clever für zusätzliche Erträge nutzen. „Wir arbeiten daran, eine brauchbare IT für das Laufzeiten-Management zu entwickeln“, sagte Vorstandschef Habben Jansen am Mittwochabend in Hamburg. Das allerdings sei „nicht unkompliziert“.

Keine Zukäufe mehr nötig
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