Hauptstadtflughafen Beim BER drohen neue Verzögerungen

Am neuen Hauptstadtflughafen tauchen immer wieder unerwartete Schwierigkeiten auf. Aus dem Start 2017 wird nichts, ein neuer Termin steht aber noch aus. Denn der Aufsichtsrat kann noch nicht tagen.
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Beim BER können hunderte von Türen im Hauptterminal nicht angesteuert werden. Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen BER

Beim BER können hunderte von Türen im Hauptterminal nicht angesteuert werden.

(Foto: dpa)

BerlinAm neuen Hauptstadtflughafen drohen nach dpa-Informationen weitere Verzögerungen. Grund sind demnach Probleme mit der Ansteuerung Hunderter von Türen. Schwierigkeiten gebe es auch mit der Sprinkleranlage. Damit dürfte der Zeitplan für eine Eröffnung des Flughafens noch in diesem Jahr endgültig hinfällig sein. Denn dafür müssten die Bauarbeiten nach früheren Angaben von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld in diesem Monat abgeschlossen werden.

Konkret müssen im Hauptterminal zahlreiche Türen neu verkabelt werden. Denn wenn sie im Brandfall nicht ordnungsgemäß schließen, ist eine planmäßige Entrauchung nicht möglich. Zudem gibt es möglicherweise noch Umbaubedarf an der Sprinkleranlage. Müssen dort Rohre ausgetauscht, bedeutet das langwierige Arbeiten in den Deckenhohlräumen über den Terminalgängen.

Wie man keinen Flughafen baut
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Am neuen Hauptstadtflughafen ist das erste Bauwerk schon wieder abgerissen: Der 32 Meter hohe Aussichtsturm für Baustellenbesucher hat seine Lebensdauer überschritten. Macht eigentlich nichts, denn im neuen Jahr sollte es ja eigentlich so weit sein: Der drittgrößte deutsche Flughafen endlich am Netz – nach Jahren der Neubau-Sanierung, nach Milliardenaufwand und Skandalen. Noch ist das der offizielle Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017, aber alles spricht dafür, dass dieser Plan im Januar gekippt wird. Es wäre die fünfte Verschiebung, die Verspätung würde sich noch einmal um ein halbes Jahr auf dann sechseinhalb Jahre verlängern. 2017 ist einfach zu kurz für all das, was die Verantwortlichen noch schaffen müssen. Ein Überblick.

Genehmigen
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Der Kampf gegen Murks beim Brandschutz und anderen Einrichtungen im Terminal glich einer Sanierung im Bestand – mit immer neuen Bauanträgen. Für Mitte Januar rechnet Flughafenchef Karsten Mühlenfeld mit der letzten Genehmigung – hoffentlich ohne Nachforderungen des Bauamts. Denn der Ingenieur hat Airlines, Passagiere und Politik schon lange hingehalten: Er will auf Nummer sicher gehen, bevor er einen definitiven Eröffnungstermin nennt. „Wir erwarten eine auf Herz und Nieren geprüfte Einschätzung“, sagte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), nach einer Sitzung des Kontrollgremiums Anfang Dezember. Das klang wie eine Drohung an Mühlenfeld. Denn jeden Monat verschlingt der leere Flughafen 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen.

Fertig bauen
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Erst nach der letzten Genehmigung kann Mühlenfeld sicher sein, dass keine wesentlichen Umbauten mehr anstehen. Bei den vorherigen Anträgen hatte das Bauamt immer noch neue Mängel entdeckt: Lüfter unter der Terminaldecke standen auf zu schwachen Bühnen, am Bahnhofseingang zog der Rauch im Brandfall nicht richtig ab – das brachte jedes Mal neue Verzögerungen.

Testen und abnehmen
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Seit Monaten arbeiten sich Teams Abschnitt für Abschnitt durch das Terminal und nehmen Anlagen in Betrieb. Noch bis zum Sommer werden nach und nach alle Geräte eingeschaltet und geprüft, ob sie auch im Verbund laufen. „Nicht alles, was man einschaltet, funktioniert“, berichtet Mühlenfeld. Immer wieder sind kleine Umbauten nötig. Der Brandfall wurde in den meisten Bereichen bisher nur am Computer simuliert. Heißgasrauchversuche sollen im neuen Jahr zeigen, ob die Entrauchung wirklich funktioniert. Weil die Zeit knapp ist, sollen Tests, behördliche Abnahmen und Probebetrieb teils parallel laufen.

Proben
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Im Mai soll der Probebetrieb beginnen. Das gab es schon mal – vor der geplatzten Eröffnung des Flughafens 2012. Damals mussten die Komparsen Gepäckwagen an Baugerüsten vorbeibugsieren. 10 000 Freiwillige sollten Schwachstellen aufdecken. Die größte fand jedoch das Bauamt – den Brandschutz – und stoppte die Eröffnung. Mühlenfeld versichert: „Wir stehen heute ganz anders da als 2012.“

Umziehen
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Rund 1500 Lastwagen werden sich für den Flughafen-Umzug auf die 35 Kilometer lange Strecke von Tegel nach Schönefeld machen müssen. Anders als 2012 soll dieses Mal aber nicht alles in einer Nacht herüber, sondern in einem Zeitraum von vier Wochen.

Erweitern
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Der alte Flughafen Tempelhof ist seit 2008 geschlossen. Spätestens sechs Monate nach dem BER-Start soll auch Tegel schließen. Doch der Neubau in Schönefeld ist mit möglichen 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu klein. Die Planer in den 90er Jahren hatten nicht erwartet, dass Berlin 2016 schon rund 33 Millionen Fluggäste zählen würde. Neben dem neuen Terminal soll ein weiteres entstehen, das in Sichtweite gelegene alte Schönefelder Terminal für rund 10 Millionen vorerst offen bleiben. Mühlenfeld steht vor dem Spagat, einerseits die Eröffnung voranzutreiben, andererseits schon die Erweiterung zu planen. Wieder ist die Debatte entbrannt, ob der Flughafen Tegel am Rande der Innenstadt nicht doch einfach offen bleiben sollte.

Mühlenfeld hatte schon Anfang Januar in seinem monatlichen Fortschrittsbarometer mitgeteilt, dass es Ende 2016 auf der Baustelle kaum noch voranging. Schon im Dezember war nach dpa-Informationen klar geworden, dass die geplante Eröffnung des drittgrößten deutschen Flughafens 2017 nicht mehr zu schaffen ist.

Offiziell hält der Flughafen aber noch an dem Zeitplan für die Eröffnung 2017 fest. Zum Jahreswechsel hatte das Unternehmen angekündigt, sich noch im Januar dazu zu äußern.

„Schon seit längerer Zeit deutete einiges daraufhin, dass die so oft beschworene Möglichkeit einer Eröffnung des BER im Jahr 2017 weniger wahrscheinlich war als ein Sechser im Lotto“, teilte die Berliner CDU-Fraktion mit. Nun sei ein weiterer Aufschub nötig. Die FDP warf dem Aufsichtsrat vor, dies längst zu wissen, und die Berliner zu täuschen. Der Flughafen Tegel müsse parallel zum BER offen bleiben, um ein Verkehrschaos abzuwenden.

Unterdessen verzögert sich auch der Umbau im Aufsichtsrat. Eine für diesen Montag geplante Sondersitzung wurde um 14 Tage verschoben, wie Senatssprecherin Claudia Sünder sagte. Dies geschehe auf Bitten der Arbeitnehmervertreter - was Verdi-Vertreter Holger Rößler bestätigte. Die Mitarbeiter der Flughafengesellschaft wählten erst an diesem Donnerstag ihre Repräsentanten für das Kontrollgremium. Da bleibe zu wenig Zeit zur Einarbeitung, sagte der Gewerkschafter.

Die Zahl der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat soll wegen der steigenden Beschäftigtenzahl von fünf auf zehn steigen. Sie wären damit gleich stark vertreten wie die Vertreter der Eigentümer der Flughafengesellschaft, die den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund gehört. Auch wer den neuen Berliner Senat vertritt, ist noch offen – für die CDU ein Ausweis von „Chaos und Planlosigkeit“.

Das rot-rot-grüne Bündnis wolle das aber bis zur Sondersitzung entscheiden, sagte Sünder. Rößler regte an, dann auch die neuen Bauprobleme zu besprechen und nicht bis zur nächsten regulären Sitzung im März zu warten. In der Senatssitzung am Dienstag war die Baustelle kein Thema, wie Sünder sagte. „Zur Senatssitzung war die Welt noch in Ordnung.“

  • dpa
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