Hauptstadtflughafen Letzte Bauanträge für den BER genehmigt

Wieder schickt das Bauamt aktenordnerweise Bauunterlagen an die Berliner Flughafengesellschaft zurück. Damit sind alle Anträge genehmigt. Doch die Arbeit im BER-Terminal ist längst nicht erledigt.
Kommentieren
Der Hauptstadtflughafen wird auch in diesem Jahr nicht eröffnet. Diesmal sorgen funktionsuntüchtige Türen für eine weitere Verspätung. Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen BER

Der Hauptstadtflughafen wird auch in diesem Jahr nicht eröffnet. Diesmal sorgen funktionsuntüchtige Türen für eine weitere Verspätung.

(Foto: dpa)

Lübben/PotsdamFür den viele Jahre verspäteten neuen Hauptstadtflughafen sind nun alle Baugenehmigungen erteilt. Der Landkreis Dahme-Spreewald genehmigte am Freitag die letzten Nachträge zur Baugenehmigung. Damit seien alle behördlichen Hürden genommen, teilte Vizelandrat Chris Halecker mit. Genehmigt wurden etwa Restarbeiten für den Umbau des Terminals und das überarbeitete Brandschutzkonzept.

Der Vize-Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, Rainer Bretschneider, sprach von einem wichtigen Meilenstein für das Projekt. Es komme nun darauf an, den Bau mit Hochdruck vorwärts zu bringen. Denn über fünf Jahre nach der ursprünglich geplanten Eröffnung ist wegen neuer Technikprobleme wieder unklar, wann der Flughafen in Betrieb geht.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass gut 1100 Türen im Terminal nicht voll funktionstüchtig sind. Zudem bestehen Zweifel, ob der Wasserdruck auf der Sprinkleranlage ausreichend ist. Die Verantwortlichen gaben deshalb das Ziel auf, den Flughafen noch in diesem Jahr zu eröffnen. Die nun genehmigten Änderungen hätten keinen Einfluss auf die Schwierigkeiten mit Türen und Sprinklern, hob Halecker hervor.

Die Flughafengesellschaft müsse das Terminal nun fertigbauen. Dies sei die zwingende Voraussetzung für die Abnahmen durch Prüfsachverständige und den anschließenden Probetrieb. Damit erteilte der Landkreis abermals Überlegungen des Flughafenchefs Karsten Mühlenfeld eine Absage, diese Prozesse teilweise parallel laufen zu lassen.

Wie man keinen Flughafen baut
Hauptstadtflughafen BER
1 von 8

Am neuen Hauptstadtflughafen ist das erste Bauwerk schon wieder abgerissen: Der 32 Meter hohe Aussichtsturm für Baustellenbesucher hat seine Lebensdauer überschritten. Macht eigentlich nichts, denn im neuen Jahr sollte es ja eigentlich so weit sein: Der drittgrößte deutsche Flughafen endlich am Netz – nach Jahren der Neubau-Sanierung, nach Milliardenaufwand und Skandalen. Noch ist das der offizielle Zeitplan zur Eröffnung im Herbst 2017, aber alles spricht dafür, dass dieser Plan im Januar gekippt wird. Es wäre die fünfte Verschiebung, die Verspätung würde sich noch einmal um ein halbes Jahr auf dann sechseinhalb Jahre verlängern. 2017 ist einfach zu kurz für all das, was die Verantwortlichen noch schaffen müssen. Ein Überblick.

Genehmigen
2 von 8

Der Kampf gegen Murks beim Brandschutz und anderen Einrichtungen im Terminal glich einer Sanierung im Bestand – mit immer neuen Bauanträgen. Für Mitte Januar rechnet Flughafenchef Karsten Mühlenfeld mit der letzten Genehmigung – hoffentlich ohne Nachforderungen des Bauamts. Denn der Ingenieur hat Airlines, Passagiere und Politik schon lange hingehalten: Er will auf Nummer sicher gehen, bevor er einen definitiven Eröffnungstermin nennt. „Wir erwarten eine auf Herz und Nieren geprüfte Einschätzung“, sagte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), nach einer Sitzung des Kontrollgremiums Anfang Dezember. Das klang wie eine Drohung an Mühlenfeld. Denn jeden Monat verschlingt der leere Flughafen 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen.

Fertig bauen
3 von 8

Erst nach der letzten Genehmigung kann Mühlenfeld sicher sein, dass keine wesentlichen Umbauten mehr anstehen. Bei den vorherigen Anträgen hatte das Bauamt immer noch neue Mängel entdeckt: Lüfter unter der Terminaldecke standen auf zu schwachen Bühnen, am Bahnhofseingang zog der Rauch im Brandfall nicht richtig ab – das brachte jedes Mal neue Verzögerungen.

Testen und abnehmen
4 von 8

Seit Monaten arbeiten sich Teams Abschnitt für Abschnitt durch das Terminal und nehmen Anlagen in Betrieb. Noch bis zum Sommer werden nach und nach alle Geräte eingeschaltet und geprüft, ob sie auch im Verbund laufen. „Nicht alles, was man einschaltet, funktioniert“, berichtet Mühlenfeld. Immer wieder sind kleine Umbauten nötig. Der Brandfall wurde in den meisten Bereichen bisher nur am Computer simuliert. Heißgasrauchversuche sollen im neuen Jahr zeigen, ob die Entrauchung wirklich funktioniert. Weil die Zeit knapp ist, sollen Tests, behördliche Abnahmen und Probebetrieb teils parallel laufen.

Proben
5 von 8

Im Mai soll der Probebetrieb beginnen. Das gab es schon mal – vor der geplatzten Eröffnung des Flughafens 2012. Damals mussten die Komparsen Gepäckwagen an Baugerüsten vorbeibugsieren. 10 000 Freiwillige sollten Schwachstellen aufdecken. Die größte fand jedoch das Bauamt – den Brandschutz – und stoppte die Eröffnung. Mühlenfeld versichert: „Wir stehen heute ganz anders da als 2012.“

Umziehen
6 von 8

Rund 1500 Lastwagen werden sich für den Flughafen-Umzug auf die 35 Kilometer lange Strecke von Tegel nach Schönefeld machen müssen. Anders als 2012 soll dieses Mal aber nicht alles in einer Nacht herüber, sondern in einem Zeitraum von vier Wochen.

Erweitern
7 von 8

Der alte Flughafen Tempelhof ist seit 2008 geschlossen. Spätestens sechs Monate nach dem BER-Start soll auch Tegel schließen. Doch der Neubau in Schönefeld ist mit möglichen 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu klein. Die Planer in den 90er Jahren hatten nicht erwartet, dass Berlin 2016 schon rund 33 Millionen Fluggäste zählen würde. Neben dem neuen Terminal soll ein weiteres entstehen, das in Sichtweite gelegene alte Schönefelder Terminal für rund 10 Millionen vorerst offen bleiben. Mühlenfeld steht vor dem Spagat, einerseits die Eröffnung voranzutreiben, andererseits schon die Erweiterung zu planen. Wieder ist die Debatte entbrannt, ob der Flughafen Tegel am Rande der Innenstadt nicht doch einfach offen bleiben sollte.

Halecker, der auch Baudezernent des Landkreises ist, übergab die Genehmigung in Schönefeld an Flughafenchef Mühlenfeld. Der Nachtrag umfasst 54 Aktenordner. In den Bauvorlagen geht es etwa um Grundrissänderungen, den Einbau neuer Sicherheits-Scanner und eines Premium-Check-In-Bereichs.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

0 Kommentare zu "Hauptstadtflughafen: Letzte Bauanträge für den BER genehmigt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%