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Hauptversammlung Carsten Spohr: „Auch in Berlin möchte niemand eine staatlich gelenkte Lufthansa“

Auf der Hauptversammlung bittet der CEO die Aktionäre bei der staatlichen Rettung noch um Geduld. Für die Anteilseigner eine unbefriedigende Situation.
05.05.2020 Update: 05.05.2020 - 16:17 Uhr 1 Kommentar

„Wir brauchen staatliche Unterstützung, aber keine staatliche Geschäftsführung“

Frankfurt, Berlin Carsten Spohr ist jemand, der seine Gesprächspartner gern anschaut. Am Dienstagvormittag ist sein Gegenüber kalte Technik. Der Chef von Lufthansa blickt in eine Kamera und spricht über Mikrofon zu seinen Aktionären.

Für den Vorstandsvorsitzenden eine gewöhnungsbedürftige Situation: „Viel lieber hätte ich Sie mit meinen Kollegen und Kolleginnen in der Frankfurter Jahrhunderthalle begrüßt und Ihnen Rede und Antwort gestanden. Aber die Coronakrise hat uns alle weiter fest im Griff. Und keiner von uns weiß, wie lange noch“, sagt der CEO.

Es ist ein seltsames Bild, das sich im Saal des Lufthansa Aviation Center, der Konzernzentrale, bietet. Acht Personen sitzen an zwei langen Pulten. Vom Vorstand ist neben Spohr nur Personalchef Michael Niggemann vor Ort.

Die übrigen Vorstände würden die Versammlung per Video verfolgen, erklärt Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley. Gleiches gilt für die Kontrolleure. Außer Kley sind nur Christine Behle von Verdi, Ilja Schulz von der Vereinigung Cockpit, Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer und der Fresenius-CEO Stephan Sturm im Saal. „In dieser Hauptversammlung ist alles anders als sonst. Das betrifft nicht nur diese virtuelle Veranstaltung. Es ist auch die große Unsicherheit, wie es weitergeht“, sagt Kley. „Wir versuchen, möglichst viel vom Geist der vergangenen Hauptversammlungen in diese virtuelle zu übertragen.“

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    Vielleicht kommt erschwerend hinzu, dass Spohr und Kley den Anteilseignern gern mehr Klarheit liefern würden. Seit Tagen verhandelt das Management intensiv mit den Regierungen in Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz über Finanzhilfen für den Konzern. Doch nur in der Schweiz steht bisher das Paket.

    Die Gespräche in Deutschland laufen noch. Angesichts der sensiblen und vertraulichen Verhandlungen könne man keine Details nennen, stellt Kley gleich zu Beginn klar.

    Vieles bleibt unklar

    Für die Aktionäre ist es eine unbefriedigende Situation. „Wir hätten es sehr begrüßt, wenn sich die Lufthansa auch in diesem Jahr dem öffentlichen Dialog mit den Aktionären auf der Hauptversammlung gestellt hätte, um daraus wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens zu gewinnen“, beklagt Michael Gierse von der Fondsgesellschaft Union Investment in einem schriftlichen Statement.

    Weil die Grenzen wegen der Corona-Pandemie weltweit geschlossen sind, fliegt die nach Umsatz größte Fluggesellschaft nur noch rund ein Prozent der Fluggäste, die die Airline-Gruppe in Normalzeiten befördert. 80.000 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, dennoch laufen viele Fixkosten weiter.

    Die Liquidität schwindet von Stunde zu Stunde. Weltweit kommen die Airlines ohne die Hilfe ihrer jeweiligen Regierungen nicht aus – auch nicht Lufthansa. Für die Anteilseigner und Investoren geht es um viel. Es droht eine Verwässerung ihrer Anteile. Denn der Staat kann nicht nur Kredit geben.

    Grafik

    Bei der notwendigen Summe von neun bis zehn Milliarden Euro wäre der Konzern überschuldet, könnte niemals tilgen. Also wird der größte Teil des Geldes als Eigenkapital fließen – in Form einer stillen Beteiligung, also ohne Stimmrecht, aber auch als direkte Beteiligung mit Mitspracherechten. „Auch in der Bundesregierung in Berlin möchte keiner eine staatlich gelenkte Lufthansa“, sagt Spohr.

    Dennoch treibt die Aussicht, dass die Regierung demnächst vielleicht zwei Aufsichtsräte stellen darf und bei wichtigen Entscheidungen mitreden kann, viele Anteilseigner um. „Herr Spohr muss bei den Verhandlungen um Staatshilfen hart bleiben, aber er darf den Bogen nicht überspannen“, mahnt Gierse von der Fondsgesellschaft Union Investment in seiner Erklärung. „Wenn die Politik sich ins Geschäft einmischt, sehen wir das Risiko einer überdimensionierten Infrastruktur, die nicht ausreichend an die neue Normalität angepasst wird.“, so Gierse.

    Die Fondsgesellschaft DWS wünscht sich mehr Details zur geplanten Staatshilfe. „Können Sie ausschließen, dass nicht mehr als ein – direkter oder indirekter – Vertreter des Staates dem Aufsichtsrat angehören wird?“ Eine eindeutige Antwort gibt es nicht.
    Doch es gibt angesichts der fortgeschrittenen Gespräche mit den Regierungen auch Zuversicht bei den Investoren. „Wir können nun erst mal aufatmen und sind erleichtert, dass die Verhandlungen mit den Regierungen hinsichtlich der Sicherung der Solvenz erfolgreich verlaufen. Ansonsten wäre die Lufthansa-Aktie wohl noch zum Penny-Stock mutiert“, erklärt Vanessa Golz, Spezialistin Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, in ihrer Stellungnahme.

    Bedingungen für Hilfen

    Und noch etwas schreibt die Nachhaltigkeitsexpertin dem Management in das Stammbuch: „Trotz und gerade wegen der Krise darf Lufthansa nicht nachlassen, die Flotte nachhaltig umweltfreundlich zu gestalten, um sich langfristig am Markt durchzusetzen.“

    Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze fordert, eine mögliche staatliche Unterstützung für den Luftverkehr solle drei Ziele verfolgen: Jobsicherung, Klimaschutz und Innovation.

    „Staatshilfen müssen so eingesetzt werden, dass sie nicht nur eine kurzfristige Unternehmenssicherung erreichen, sondern auch längerfristig zu einer modernen, ökologisch tragfähigen Unternehmensstrategie führen“, sagte die SPD-Politikerin dem Handelsblatt. „Andere Länder machen Vorgaben für effizientere Flotten oder die Reduzierung von Kurzstrecken-Flügen, das finde ich richtig.“

    In Frankreich etwa wurden die Hilfen für Air France-KLM daran geknüpft, dass mehr Verkehr auf die Schiene verlagert wird. Auch in Österreich gibt es solche Forderungen. Sie habe bereits eine Quote für Kerosin aus grünem Wasserstoff vorgeschlagen, sagte Schulze: „Das sollte die Bundesregierung für alle Fluglinien vorschreiben.“ Zusätzlich könnten Airlines, die Staatshilfe erhalten, verbindlich zusagen, über die verpflichtende Quote hinaus mehr Kerosin aus grünem Wasserstoff abzunehmen.

    Bei Lufthansa ist das doch eher steril wirkende Aktionärstreffen um 14.30 Uhr vorbei. Und Kley verabschiedet sich mit den Worten: „Ich wünsche mir, dass die nächste ordentliche Hauptversammlung wieder unter anderen Umständen stattfinden wird. Ja – ich bin davon überzeugt.“

    Mehr: Lufthansa im Bilanzcheck.

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    1 Kommentar zu "Hauptversammlung: Carsten Spohr: „Auch in Berlin möchte niemand eine staatlich gelenkte Lufthansa“"

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    • Banken und die Autoindustrie werden vom Steuerzahler (unfreiwillig) gerettet. An den Milliardengewinnen wird er aber nicht beteiligt.

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