Havaianas-Konzern wird verkauft Flip-Flop-Hersteller in korrupten Händen

Drei Besitzer in zwei Jahren hatte der brasilianische Modekonzern, der die berühmten Havaianas-Flip-Flops herstellt. Grund ist der Korruptionsskandal im Land. Die Eigentümer brauchten schlicht Geld für Milliardenbußen.
Kommentieren
Havaianas-Boutique in Sao Paulo: Die Flip-Flops werden in Brasilien von arm und reich getragen. Quelle: dapd
Havaianas

Havaianas-Boutique in Sao Paulo: Die Flip-Flops werden in Brasilien von arm und reich getragen.

(Foto: dapd)

São PauloDie brasilianische Flip-Flop-Marke Havaianas wird immer mehr zum Spielball in der brasilianischen Korruptionsaffäre: Das Unternehmen wurde nun bereits zum zweiten Mal in eineinhalb Jahren verkauft. Der Grund: Die Mutter-Konzerne waren im Zuge des Korruptionsskandals zu Milliarden-Entschädigungen verdonnert worden und brauchten schlicht Geld, um diese zu begleichen. Deshalb gab die Holding J&F nun ihre Kontrollmehrheit am Modeunternehmen Alpargatas, zum dem Havaianas gehört, für umgerechnet etwa eine Milliarde Dollar an die Besitzerfamilien der Itaú-Finanzgruppe ab. J&F braucht schätzungsweise rund drei Milliarden Dollar, um Strafen zu zahlen und Schulden zu tilgen. Die Brüder Batista haben über ihren Fleischkonzern JBS umgerechnet 200 Millionen Dollar Schmiergelder an Politiker bezahlt, wie sie in Kronzeugenaussagen behaupten. Als Strafe müssen sie nun insgesamt 3,4 Milliarden Dollar in Raten über 25 Jahre abzahlen. Dafür versuchen sie auch ihre anderen Unternehmen zu verkaufen, die Zellulose, Milchprodukte, Reinigungsmittel und Energie produzieren.

Alpargatas gilt dabei als das wertvollste Unternehmen, das sich die Schlachthausbetreiber in den letzten Jahren zulegten, um ihr Portfolio zu diversifizieren. Erst November 2015 kauften sie das Modeunternehmen dem Baukonzern Camargo Corrêa ab, der ebenfalls tief in den brasilianischen Korruptionsskandal verstrickt ist. Camargo Corrêa kontrollierte den Modekonzern bereits seit 1982.

Den Plastik-Klassiker unter Flip-Flops trägt an der Copacabana fast jeder. Doch die Eigentümer der Marke mussten zuletzt Milliarden-Strafen zahlen. Quelle: Reuters
Havaianas

Den Plastik-Klassiker unter Flip-Flops trägt an der Copacabana fast jeder. Doch die Eigentümer der Marke mussten zuletzt Milliarden-Strafen zahlen.

(Foto: Reuters)

Die Details der Übernahme durch die damals noch unbescholtene J&F hätten die Aufsichtsbehörden stutzig machen müssen: Die staatliche Sparkasse Caixa Econômica Federal finanzierte den Deal in Höhe von damals etwa einer Milliarde Dollar komplett und zu Zinsen, die unter den marktüblichen lagen. Sogar zwei Jahre Zahlungsaufschub hatten die Brüder Batista ausgehandelt. Inzwischen haben sie erklärt, wie es zu der günstigen Finanzierung gekommen ist: Sie haben drei Prozent der Kreditsumme als Schmiergeld an Politiker bezahlt, um die Finanzierung genehmigt zu bekommen.

Für geschätzt etwa die Hälfte des Alpargatas-Gruppenumsatzes von 4 Milliarden Real (etwa 1,25 Milliarden Dollar) ist Havaianas zuständig. Daneben gehören auch die Luxus-Surfmarke Osklen sowie die Sportschuhproduzenten Topper und Mizuno zum brasilianischen Moderiesen.

Der Flip-Flop-Hersteller Havaianas ist eine Ausnahmeerscheinung unter den brasilianischen Konsumartikelherstellern: Es ist eine der ganz wenigen Marken mit globaler Strahlkraft. Havaianas ist es gelungen, Flip-Flops weltweit salonfähig zu machen. 210 Millionen Paare Flip-Flops jährlich produziert der Konzern, die in 580 Läden weltweit verkauft werden.

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
1 von 10

Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
2 von 10

Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
3 von 10

Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
4 von 10

Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
5 von 10

Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
6 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Nachdem das Unternehmen nach der Gründung 1962 fast ausschließlich an Brasiliens ärmere Bevölkerung Gummisandalen verkauft hatte, wurden Havaianas erst viel später vor allem bei jungen Brasilianern beliebt. Heute gehören Flip-Flops zur trendigen Grundausstattung brasilianischer Jugendlicher. Aber auch die Mächtigen des Landes zeigen sich privat gerne mit Havaianas. Der Marke ist in Brasilien das Kunststück gelungen, einer der wenigen Modeartikel zu sein, die von arm bis reich getragen werden. Seit zwei Dekaden setzt das Unternehmen zudem geschickt auf Models und Stars, um die Marke international bekannt zu machen – sehr erfolgreich inzwischen. Zumal die Gummischlappen im Ausland ein Vielfaches dessen kosten, für das sie in Brasilien verkauft werden. Nur ein Zehntel der Produktion geht in den Export, doch die Hälfte des Umsatzes macht das Unternehmen im Ausland.

Das international noch ausbaufähige Marken-Potenzial von Havaianas aber auch von Osklen führte bereits im November vor zwei Jahren dazu, dass sich mehrere Hedgefonds und Unternehmen heftig um Alpargatas stritten. Auch die Itaú-Familien gehörten damals bereits dazu. Doch mit der von korrupten Politikern bezuschussten Finanzierungen der Batista-Brüder wollten oder konnten sie damals nicht mitziehen – obwohl sie jetzt fast den gleichen Preis für die Kontrolle bezahlen, wenn man die Verzinsung des Kaufpreises berücksichtigt.

Wie ein Unternehmen sich selbst ruinierte – Abercrombie & Fitch vor dem Aus

Bis zuletzt sollen die Verhandlungspartner heftig über den Kaufpreis gefeilscht und die Verhandlungen kurz vor Abbruch gestanden haben. Pikant an dem Deal ist zudem, dass Banco Itaú – die größte private Bank Brasiliens, eine der wenigen Banken ist, die sich weigerten, Kreditlinien der J&F-Holding zu verlängern und auf deren sofortige Rückzahlung pochte. Das dürfte den Verkaufsdruck der Batista-Brüder erhöht haben. 

Dennoch ist muss sich erst noch zeigen, ob der Modekonzern mit den beliebten Gummischlappen bei seinen neuen Besitzern dauerhaft im Portfolio bleibt. So sollen die Banken mit der Zentralbank jetzt bereits hinter verschlossenen Türen über künftigen Kronzeugenregelungen verhandeln. Die Investoren warten gespannt darauf, ob Banken als Spender für schwarze Wahlkampfkassen denunziert werden. So könnte schließlich auch der Banco Itaú und anderen Geldinstituten hohe Entschädigungszahlungen drohen.

Startseite

Mehr zu: Havaianas-Konzern wird verkauft - Flip-Flop-Hersteller in korrupten Händen

0 Kommentare zu "Havaianas-Konzern wird verkauft: Flip-Flop-Hersteller in korrupten Händen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%