Henkel: Diese Investoren kaufen das Russland-Geschäft für 600 Millionen Euro
Der Konsumgüterkonzern verlässt Russland wohl mit finanziellen Verlusten.
Foto: IMAGO/SNADüsseldorf. Ein Jahr nach dem angekündigten Rückzug hat Henkel sein Russland-Geschäft veräußert. Der Persil- und Pril-Hersteller teilte am Donnerstagabend mit, dass ein Konsortium russischer Finanzinvestoren die Aktivitäten gekauft hat. Dazu gehören Augment Investments, Kismet Capital Group und Elbrus Services.
Augment Investments gehört dem russischen Milliardär Wiktor Charitonin, der unter anderem Haupteigentümer des Nürburgrings ist und zuletzt angeblich den Kauf des Flughafens Hahn erwogen hat. Der Oligarch ist auch geschäftsführender Direktor des russischen Arzneimittelherstellers Pharmstandard. Charitonin wird eine Nähe zur russischen Regierung nachgesagt.
Kismet Capital, eine Private-Equity-Gesellschaft mit Sitz in Moskau, investiert in den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation. Gründer und Chef ist der prominente Investor Iwan Tawrin.
Elbrus verwaltet mit seinen Fonds, die auf Russland und die Länder der ehemaligen Sowjetunion fokussiert sind, mehr als 1,5 Milliarden Dollar. „Alle Erwerber verfügen über etablierte und langjährige Geschäftsbeziehungen in westlichen Ländern und unterliegen keinen EU- oder US-Sanktionen“, teilte Henkel mit.
Mit dem Verkauf seiner russischen Tochter hat Henkel ein leidiges Kapitel beendet. Der Konzern hatte am 19. April 2022, also fast auf den Tag genau vor einem Jahr, erst nach großem öffentlichem Druck angekündigt, sich aus dem Land zurückzuziehen.
Der Konsumgüterriese war dort vor der russischen Invasion in der Ukraine so stark wie kein anderes Dax-Unternehmen investiert. Die Düsseldorfer erzielten in Russland fünf Prozent ihres Konzernumsatzes, über eine Milliarde Euro, und beschäftigten in elf Werken 2500 Mitarbeiter.
Henkel verlässt Russland mit finanziellem Verlust
„Henkel erwartet durch den Rückzug aus Russland unter dem Strich einen finanziellen Verlust“, sagte ein Sprecher am Freitag dem Handelsblatt. Der Konzern hat einen Verkaufspreis von umgerechnet rund 600 Millionen Euro erzielt. Zu normalen Zeiten hätte Henkel durch den Verkauf deutlich mehr als eine Milliarde Euro eingenommen.
Die 600 Millionen liegen zumindest über dem in der Bilanz ausgewiesenen Buchwert des russischen Geschäftes. Abzüglich der Verbindlichkeiten bilanziert Henkel sein Russlandgeschäft mit 526 Millionen Euro.
Bei der Umsetzung der Transaktion spielten nun aber auch etwa Wechselkurseffekte eine Rolle, erklärte der Sprecher. Die Höhe des Verlusts könne Henkel noch nicht beziffern, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im August sollen Details vorliegen. Dann dürften weitere Wertberichtigungen nötig werden. Schon in der ersten Jahreshälfte 2022 hatte der Markenartikler auf das Russland-Geschäft 184 Millionen Euro abgeschrieben.
Russland erschwert es westlichen Unternehmen zusehends, ihre Vermögenswerte zu verkaufen. Wollen Firmen aus „unfreundlichen Staaten“, zu denen auch Deutschland zählt, Russland verlassen, bewertet ein russischer Gutachter den Firmenwert. Für den Kaufpreis werden davon 50, mitunter sogar 70 Prozent abgezogen. Zudem müssen Firmen beim Exit eine direkte Zahlung an den Staat tätigen.
Rückzug dauerte länger als gedacht
Henkel wollte seine Aktivitäten in Russland eigentlich bis Ende 2022 eingestellt haben. Weil das nicht gelang, wurde ein Ausstieg im ersten Quartal anvisiert. Bei dem Verkaufsprozess zeigten zunächst auch viele internationale Käufer Interesse, am Ende blieben russische Investoren übrig.
„Eine andere Lösung ist unter den inzwischen geltenden Regelungen in Russland nicht darstellbar“, wird Henkel-Chef Carsten Knobel am Montag auf der Hauptversammlung laut vorab veröffentlichter Rede sagen.
Henkel hatte insbesondere im Industrieklebstoffgeschäft einige Aktivitäten eingestellt, weil der Konzern fürchtet, dass Industriewissen an Konkurrenten verloren geht oder diese Produkte für kriegerische Aktivitäten eingesetzt werden. Henkel war in Russland mit seinem Konsumgüter- und Klebstoffgeschäft aktiv.
Russische Behörden müssen solchen Transaktionen zustimmen. Das sei geschehen, teilte Henkel mit. „Das abschließende Closing steht noch aus.“ Aus Unternehmenskreisen verlautete, dass sich Henkel eine Rückkauf-Option vertraglich zusichern lassen wollte. Henkel hatte sein Russland-Geschäft vor 30 Jahren aufgebaut.