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Herrenschneider Ermenegildo Zegna „Es geht nicht immer nur ums Geld“

Ermenegildo Zegna schneidert Anzüge für die Reichen und Schönen. Im Interview spricht Chef „Gildo“ Zegna über die Vorteile eines Familienunternehmens, die Probleme der Luxusbranche und veränderte Firmen-Dresscodes.
15.03.2017 - 15:44 Uhr Kommentieren
„Wir sind eine Lifestyle-Marke.“ Quelle: Dirk Bruniecki für Handelsblatt
Zegna-Schau in der Anselm-Kiefer-Installation „Himmlische Paläste“ im Mailänder Hangar Bicocca

„Wir sind eine Lifestyle-Marke.“

(Foto: Dirk Bruniecki für Handelsblatt)

Die globale Herrenmode ist im Umbruch: Brioni hat nach wenigen Monaten seinen wilden Chefkreativen Justin O’Shea rausgeworfen. Hugo Boss hungert sich gerade auf Normalmaß zurück. Und selbst der feine Mailänder Herrenschneider Zegna hat im vergangenen Jahr den Designer gewechselt. Eigentlich müsste Konzernpatriarch Ermenegildo „Gildo“ Zegna aufgeregt sein, zumal er gerade mitten im Trubel seiner jüngsten Modenschau steht – einem gigantischen Spektakel rund um die Anselm-Kiefer-Installation „Himmlische Paläste“ im Mailänder Hangar Bicocca. Models flirren herum, Blogger, Stylisten, Näherinnen. Aber der 61-jährige Konzernchef lacht nur. Jetzt könne man eh nichts mehr ändern, sagt er – und setzt sich mit den Handelsblatt-Redakteuren auf eine Couch am Rand, um über die Zukunft des Geschäfts zu philosophieren.

Signor Zegna, viele Luxusmodefirmen haben derzeit Probleme. Wie sind Ihre Erwartungen als vielleicht bedeutendster Herrenausstatter der Welt für 2017?
Auf jeden Fall erwarte ich, dass dieses Jahr besser wird als das vergangene. 2016 war für uns eher ein Jahr des Übergangs.

Lief es denn so schlecht?
Es lief ordentlich. Aber wir hatten nicht den Erfolg, den wir eigentlich wollten.

Sind Sie mit Ihrem neuen Designer Alessandro Sartori nun besser aufgestellt?
Ja, wir sind jetzt schneller und haben quasi einen neuen, stärkeren Motor, um im Luxusmarkt neu anzugreifen. 15 Looks zum Beispiel können für Sie nun schon am Tag nach der Show in unseren Stores auf Maß angefertigt werden und Ihnen mit einer maximalen Lieferzeit von sechs Wochen zugestellt werden.

„Der Wettbewerb entwickelte früher einfach nicht den Druck und die Härte wie heute.“ Quelle: Dirk Bruniecki für Handelsblatt
„Gildo“ Zegna

„Der Wettbewerb entwickelte früher einfach nicht den Druck und die Härte wie heute.“

(Foto: Dirk Bruniecki für Handelsblatt)

Wird der globale Luxusmarkt denn in diesem Jahr wachsen?
Ich fürchte nein. Wenn Sie sich die Branchenzahlen ansehen, dann sank der Umsatz der Luxusmarken im vergangenen Jahr sogar leicht. Und auch 2017 erwarten wir für die Branche höchstens ein geringes Wachstum. Wir selbst hoffen, dass wir im laufenden Jahr etwas besser abschneiden, weil wir einige Herausforderungen bewältigt haben.

Zum Beispiel?
Wir haben viel Geld investiert. Und mit Alessandro Sartori haben wir jetzt nicht nur einen Designer, der die Kollektion designt, sondern der sich auch um die Optik unserer Stores bis hin zu den Details unserer Imagekampagnen kümmert. Und wir haben unsere Organisation umgebaut, damit wir schneller auf Marktveränderungen reagieren können als je zuvor.

Sie fanden Ihr Unternehmen zu langsam?
Der Wettbewerb entwickelte früher einfach nicht den Druck und die Härte wie heute. Darauf mussten wir umfassend reagieren. Die Herausforderung in diesem Jahr wird es sein, unseren Wettbewerbern Marktanteile abzunehmen.

Wem konkret?
Wenn wir uns in einem Jahr wieder treffen, kann ich es Ihnen hoffentlich sagen und mit Zahlen untermauern. Zurzeit arbeiten jedenfalls viele Luxusunternehmen intensiv daran, sich auf das geringere Wachstum des Weltmarktes einzustellen.

Haben diese Schwächen auch damit zu tun, dass sich die Männerwelt immer lässiger kleidet und der Anzug, einer Ihrer wichtigsten Umsatzbringer, an Akzeptanz verliert?
Ich glaube, das Einzige, was verschwindet, ist der Dresscode in vielen Firmen. Nun trägt man Anzug aber aus freien Stücken. Und wir müssen unseren Kunden klarmachen, dass wir ja gar kein reines Anzuglabel mehr sind, sondern eine Lifestylemarke, modern und innovativ, die aber ihrer ganz eigenen, sehr italienischen DNA treu bleibt. Immerhin macht unsere junge Linie, Z Zegna, schon 15 Prozent des Umsatzes aus und wächst weiter.

Wie läuft es auf den wichtigen Märkten China und den USA?
Die gute Nachricht ist: Unsere Bestellungen in China sind wieder gestiegen. Die USA bleiben dagegen ein schwieriger Markt. Und das hat nichts mit den Wahlen zu tun. Das Geschäft war für die Luxusbranche schon davor schlecht.

Was erwarten Sie sich in Ihrer Heimat, auf dem europäischen Markt?
Da rechne ich dieses Jahr mit einer guten Entwicklung. Ich sehe aber auch in den arabischen Emiraten und in Russland wieder durchaus steigende Umsätze.

Wie läuft es für Zegna in Deutschland?
Das letzte Jahr war zufriedenstellend. Deutschland war immer einer unserer ganz stabilen Märkte. Wir haben hier gute eigene Shops und gute Handelspartner.

Ist für Sie dieses Großhandelsgeschäft denn genauso wichtig wie das in den eigenen Läden?
Es ist wie bei allen in der Branche auch bei uns zurückgegangen. Heute haben unsere eigenen Stores einen Anteil am Umsatz von rund 65 Prozent und unsere Handelspartner von etwa 35 Prozent. Das wird sich in den nächsten Jahren aber wieder zugunsten der Handelspartner verschieben.

Was macht Sie da so sicher?
Wir wollen das lokale Geschäft in einzelnen Ländern ausbauen. Dafür sind unsere Handelspartner wichtig. Es macht uns weniger abhängig von den schwankenden Touristenströmen etwa aus China oder Russland, die wir vor allem über die eigenen Stores erreichen.

Wie viele eigene Shops wollen Sie dieses Jahr eröffnen?
Es werden nicht allzu viele, denn wir sind bereits gut in den wichtigen Märkten vertreten. Wir müssen mit den bestehenden Filialen aber erfolgreicher werden. Deshalb bauen wir einige Stores um oder vergrößern sie wie die in London, deren Verkaufsfläche wir glatt verdoppelt haben.

Zegna ist ein familiengeführtes Unternehmen. Außer Ihnen arbeiten noch mehrere Clan-Mitglieder im Unternehmen. Das klappt in anderen Unternehmen nicht immer. Wie sind Ihre Erfahrungen?
In unserem Fall funktioniert das gut, weil alle dasselbe Ziel haben. Aber natürlich spielen Emotionen in einer großen Familie immer eine Rolle.

Wie lassen sich Konflikte vermeiden?
Sie müssen die Beziehungen so einer Familie richtig managen. Die Mitglieder müssen sich alle respektieren und an die gemeinsame Sache glauben, um das Unternehmen voranzubringen.

Was sind die Vor- und Nachteile von Familienunternehmen?
Ich sehe nur die Vorteile: Sie sind flexibel und schnell, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Sie sind unabhängig vom Auf und Ab an den Börsen. Auch unsere Wettbewerber von den großen Luxuskonzernen erzählen stolz, dass sie ein Familienunternehmen führen, wenn auch eines mit einem Multimilliarden-Dollar-Geschäft.

Wann haben Sie das letzte Mal von Investoren ein Übernahmeangebot für Zegna erhalten?
Für uns ist das keine Option. Wir wollen weiter unabhängig und selbstständig bleiben.

Mit einem neuen Investor könnten Sie Ihre finanzielle Schlagkraft erhöhen. Für viele einstige Familienfirmen im Luxusgeschäft war das am Ende einer der Gründe, unter das Dach eines der Konglomerate zu schlüpfen.
Es geht ja nicht immer nur ums Geld, sondern darum, damit die richtigen Investments zu tätigen. Wir sind stark genug, um weiter aus eigener Kraft zu wachsen. 

Apropos: Sie und Ihre Familie stehen auch für ein klares Engagement für die Natur, die Umwelt und Themen der Nachhaltigkeit. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Das gehört einfach zu Zegna wie die Mode. Damit hat schon unser Großvater begonnen. Und wir haben in den neunziger Jahren den Naturpark Oasi Zegna angelegt, obwohl er, finanziell gesehen, ein Verlustgeschäft für uns ist. Wissen Sie: Ein gutes Verhältnis zur Natur ist letztlich sogar integraler Teil des italienischen Lebensstils.

Sie gehören zur mittlerweile dritten Generation von Zegna. Wie stellen Sie einen reibungslosen Generationswechsel sicher?
Mein Neffe Paolo bereitet gerade die nächste Generation auf das Unternehmen vor. Er ist für eine gute Kommunikation unter den Gesellschaftern verantwortlich, was sehr wichtig ist für ein Familienunternehmen.

Und wer wird Ihnen als Zegna-Chef oder -Chefin folgen?
Ich weiß es nicht. Und selbst wenn ich es wüsste, ich würde es Ihnen nicht verraten.

Anders gefragt: Was muss Ihr Nachfolger mitbringen?
Wir haben viele Regeln aufgestellt, damit die Führung des Unternehmens immer wieder in gute Hände kommt. Das ist wichtig, um das Überleben zu sichern. So soll die junge Generation nach ihrer Ausbildung erst einmal fünf Jahre lang außerhalb unseres Unternehmens arbeiten. Denn die Aufgabe ist sehr herausfordernd. Ich trage ja quasi drei Hüte: den des Vaters, des Gesellschafters und den für das Modegeschäft.

Die drei Hüte stehen Ihnen doch wunderbar!
Ach, auch ich mache Fehler. Aber ich versuche, mein Bestes zu geben, auch wenn die Zeiten in der Luxusbranche wirklich herausfordernd sind.

Signor Zegna, vielen Dank für das Interview.

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