House of Fraser Britisches Traditionskaufhaus plant den Kahlschlag

Die Kaufhauskette House of Fraser aus Großbritannien hat Tradition – und große Probleme. Das Management leitet nun drastische Schritte ein.
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Das britische Unternehmen schließt mehr als die Hälfte seiner Filialen. Quelle: Reuters
House of Fraser in der Londoner Oxford Street

Das britische Unternehmen schließt mehr als die Hälfte seiner Filialen.

(Foto: Reuters)

LondonFür London-Touristen, die sich nicht durch die Menschenmassen in den Edelkaufhäusern Harrods oder Selfridges schieben wollen, war die Kaufhauskette House of Fraser in der berühmten Oxford Street eine echte Alternative. Gemütlich konnte man, ganz ohne lästiges Drängeln, durch die Regalreihen bummeln.

Aber was manch einen Kunden freute, ist schlecht für das Geschäft: Die 1849 gegründete Kaufhauskette steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten. Am Donnerstag kündigte das Management an, mit 31 Geschäften mehr als die Hälfte der Läden in Großbritannien schließen zu wollen. Auch die Vorzeigefiliale in der Londoner Oxford Street. 6000 Arbeitsplätze sind in Gefahr.

House of Fraser ist bei weitem nicht die einzige Kaufhauskette auf der Insel, die Probleme hat. Auch Marks & Spencer (M&S) ist nicht mehr so beliebt bei den Briten wie früher. Kürzlich hat M&S angekündigt, Läden dichtzumachen. Und erst vor zwei Jahren ging in den rund 160 Filialen der alteingesessenen Kette BHS das Licht aus.

„Der Einzelhandel befindet sich in einem grundlegenden Wandel“, versuchte Frank Slevin, Vorsitzender des Verwaltungsrats von House of Fraser, die nun geplanten Schritte zu erklären. Zu sehr setzt den etablierten Kaufhäusern – die nicht von Touristen überrannt werden wie Harrods – der Trend zum Online-Handel zu, zu hoch sind die Mieten, die sie für die Immobilien in besten Innenstadtlagen zahlen müssen.

Auch bei House of Fraser führt man die Schwierigkeiten auf eine „unhaltbare Kostenbasis“ zurück. Diese müsse man angehen, sonst sei es eine „existenzielle Bedrohung für das Geschäft“. Deswegen beantragte das Management beim Gericht ein so genanntes „Company Voluntary Arrangement“, mit dessen Hilfe Vermieter verpflichtet werden können, Zugeständnisse zu machen. Ende Juni soll die dafür nötige Gläubigerversammlung stattfinden.

Einzelhandelsanalyst Steve Dresser bleibt trotzdem skeptisch, wie er der BBC sagte. Derartige Sanierungsmaßnahmen hätten nur Erfolg, wenn das Geschäft einen soliden Plan und ein Fundament habe, sagte er. Aber angesichts des „nicht konkurrenzfähigen, uninspirierenden Angebots“ sei es schwer zu sehen, wie die geplanten Maßnahmen helfen sollen.

So urbritisch, wie viele Briten denken, ist House of Fraser schon lange nicht mehr: Seit 1985 ist niemand von der Gründerfamilie Fraser mehr im Management. Eigentümer der Kette ist derzeit Nanjing Cenbest. Und der chinesische Investor will sich Hilfe von einem weiteren Unternehmen aus Fernost holen: C.banner International soll zugestimmt haben, bei House of Fraser einzusteigen und etwa 70 Millionen Pfund frisches Kapital zuzuschießen, wenn mit den Gläubigern eine Einigung erzielt werden kann.

C.Banner ist kein Neuling auf dem britischen Einzelhandelsmarkt: Dem Unternehmen gehört unter anderem die Spielzeugkette Hamleys. Der Flagship-Store dieser Kette befindet sich wenige Meter weiter von House of Fraser in der Regent Street – und ist überaus beliebt. Am Wochenende stehen die Kunden nicht selten Schlangen vor dem Geschäft.

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