Ikea-Gründer Ingvar Kamprad Der kauzige Herr der Möbel

Er kauft Kleidung auf dem Flohmarkt und fährt in der U-Bahn mit Seniorenticket: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat die Sparsamkeit zum Lebensprinzip erhoben. Seine Sünden haben ihm die Schweden zum 90. Geburtstag vergeben.
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Der Ikea-Gründer, hier im Dezember 2012, feiert 90. Geburtstag. Quelle: AFP
Ingvar Kamprad

Der Ikea-Gründer, hier im Dezember 2012, feiert 90. Geburtstag.

(Foto: AFP)

StockholmEs war wieder typisch für ihn: Als Ikea-Gründer Ingvar Kamprad in der vergangenen Woche eines seiner sehr seltenen Interviews gab, kokettierte er einmal mehr mit seiner Sparsamkeit. „Ich glaube nicht, dass ich irgend ein Kleidungsstück trage, das ich nicht auf einem Flohmarkt gekauft habe“, erklärte er dem verdutzten TV-Journalisten. Typisch Ingvar Kamprad, der heute 90 Jahre alt wird. Den Mythos vom sparsamen, ja fast geizigen Milliardär will er unter allen Umständen aufrechterhalten. Auch mit 90.

Der Mann, der zu den reichsten Menschen der Welt zählt, dieser manchmal kauzige Unternehmer mit ausgebeulten Hosen, Holzpantoffeln und durchgescheuertem Sakko hebt oft und gern seine Sparsamkeit hervor. Die Anekdötchen vom Milliardär, der immer nur Holzklasse fliegt und den Seniorenrabatt in der U-Bahn ausnutzt, sind vielfältig. Und zum Teil sind sie auch wahr. Doch es ist auch überliefert, dass Kamprad früher einen Porsche fuhr. „Aber nie schneller als 70 Stundenkilometer“, betonte er sofort und versuchte, den edlen Sportwagen aus Zuffenhausen zu einem Allerweltsgefährt zu machen.

Einem Neunzigjährigen sieht man solche Marotten nach. In seiner Heimat, in die er nach vielen Jahren in der Schweiz nach dem Tod seiner Frau zurückgekehrt ist, wird Kamprad verehrt. Er wurde zum Unternehmer des Jahres, ja des Jahrhunderts gewählt. Und wenn er sich seltener Weise einmal öffentlich äußert, hören alle zu.

Allerdings meidet der Firmengründer meist die Öffentlichkeit. Wenn er dann doch einmal vor die Kameras oder Mikrofone tritt, dann sorgt der unscheinbare ältere Herr mit mittlerweile etwas zotteligen Haaren und wildem Bartwuchs stets für Schlagzeilen. So war es, als er vor über 20 Jahren einräumen musste, in seiner Jugend von Anfang der 40er-Jahre bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit den schwedischen Nazis sympathisiert zu haben. Er entschuldigte sich öffentlich dafür. Es sei die „wohl schwerste Krise meines Lebens“ gewesen, gestand er. Man hat es ihm damals nachgesehen. Und nicht nur das: Man hat ihm abgenommen, dass er sich von der Unglück bringenden Ideologie losgesagt hat. Das gilt auch für sein späteres offenes Eingeständnis, zeitweise mit dem Alkohol ein zu enges Verhältnis gehabt zu haben.

Was Sie noch nicht über Ikea wussten
Auf den Hund gekommen
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Ein Bello zwischen Billys: Bei Ikea gibt es auch Hunde. Allerdings hat der Möbelriese nicht gleich die Lampen-Abteilung zum Welpen-Paradies umfunktioniert. Und zusammenbauen muss die Kläffer auch niemand. Die Hunde im Geschäft sind nur Pappaufsteller und dienen einem guten Zweck: Sie sind originalgetreue Abbilder realer Hunde im Tierheim, die ein neues Zuhause suchen. "Wir dachten, es sei die perfekte Möglichkeit, Menschen zu zeigen, wie ihr Zuhause mit einem Haustier darin aussehen würde“, erklärt eine Ikea-Marketing-Mitarbeiterin dem „Business Insider“. Für das Projekt „Home for Hope“ arbeitet Ikea mit mehreren Tierheimen zusammen. Bislang gibt es die Ikea-Hunde in den Städten Tempe (Arizona) und Singapur.

Eine Menge Holz
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Ikea ist der unangefochtene Gigant unter den Möbelhäusern – und einer der ganz Großen auf dem weltweiten Holzmarkt. Dem „Pacific Standard“ zufolge verbraucht der schwedische Konzern rund ein Prozent der weltweiten Holzproduktion. Insgesamt sind das rund 14 Millionen Kubikmeter Holz, die Ikea pro Jahr in Bretter und Spanplatten steckt – Papier- und Verpackung nicht mit eingerechnet.

Gut gebettet
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Jeder zehnte Westeuropäer wird auf einer Ikea-Matratze gezeugt – behauptet Jan Kluge in seinem Buch „Unliebsame Wahrheiten“. Besonders die Engländer scheinen sich dabei auf schwedischen Matratzen wohlzufühlen. In dem Königreich soll sogar jedes fünfte Neugeborene ein Ikea-Kind sein.

Beliebter als die Bibel
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Jedes Jahr im Herbst beginnt für Ikea die hektischste Phase des Jahres. Dann bringt das Unternehmen nämlich seinen neuen Katalog heraus – und lockt in den folgenden Monaten die meisten Kunden in die Einrichtungszentren. Mittlerweile gibt es den 300-seitigen Katalog zwar auch digital und als App, aber auch die gedruckte Variante geizt nicht mit Superlativen: Der Katalog für 2016 wurde rund 220 Millionen Mal gedruckt. Zum Vergleich: Die Bibel wird, Schätzungen zufolge, rund 100 Millionen Mal verkauft oder verteilt.

Spielplatz für Männer
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Wer einmal im Möbelhaus drin ist, soll so schnell nicht mehr rauskommen. So lautet die Formel von Ikeas Kundenpolitik. Die Besucher sollen sich Zeit nehmen, stöbern, schlendern und kaufen – vor allem Frauen. Und damit die beim Einkaufsbummel nicht gestört werden, erprobt Ikea eine „Männerkrippe“.  Bei kostenlosen Softdrinks, Playstation und Kicker können Frauen ihre Männer dort „abgeben“, um ungestört die Kreditkarte heiß laufen zu lassen. In einer Filiale in Sydney hat Ikea das Programm „Mänland“ bereits getestet. Mit Erfolg, sagt der Konzern.

Erfolgreich mit Köttbullar und Hot Dogs
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Ikea gehört in  Deutschland zu den umsatzstärksten Systemgastronomen. Mit einem Jahresumsatz von 230 Million Euro (2017) hängt der Möbel-Riese selbst Vapiano und Starbucks locker ab.

Alle zehn Sekunden ein Billy
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Das Bücherregal „Billy“ ist einer der Ikea-Verkaufsschlager schlechthin. Seit 1979 verkauft der Konzern das schlichte Bücherbord in rauen Mengen. Deutlich über 41 Millionen Stück sollen es bisher sein, genaue Zahlen veröffentlicht das Möbelunternehmen nicht. Wie BBC News errechnet hat, nimmt das Bücherregal damit weltweit einen Spitzenplatz ein: Alle Ikea-Filialen und rund 690 Millionen Besucher jährlich zusammengenommen, kauft alle zehn Sekunden ein neuer Kunde ein Billy-Regal. Seit Sie das erste Bild dieser Galerie aufgerufen haben, sind also wieder Dutzende neue Bücherregale verkauft worden.

Dass dem Konzern und seinem charismatischen Gründer vieles verziehen wird, liegt auch daran, dass Ikea kein gewöhnliches Möbelhaus ist, sondern eher an eine weltumspannende Religion erinnert. 1976 verfasste Kamprad „Das Testament eines Möbelhändlers“, in dem er die Eckpfeiler der Ideenwelt von Ikea ausführlich beschrieb. „Lasst uns eine Gruppe von positiven Enthusiasten bleiben, die sich mit unerschütterlicher Hartnäckigkeit weigern, das Unmögliche, das Negative zu akzeptieren“, schwur er schon damals seine Mitarbeiter auf den Ikea-Weg ein. „Was wir wollen, das können wir, und wir werden es gemeinsam tun. Wunderbare Zukunft“.

Über Geld spricht Kamprad nicht gerne
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14 Kommentare zu "Ikea-Gründer Ingvar Kamprad: Der kauzige Herr der Möbel"

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  • Früher war IKEA cool, weil die "Bausätze" einer Reihe modular verwenden bzw. zusammengesetzten konnten. Das geht heute bestenfalls noch mit "Ivar". Alles andere wird Jahr für Jahr verändert. Dieser Beutelschneidertrick geht sogar so weit, dass, wenn man neue Bettwäsche kaufen will, auch neue Oberbetten und Kissen kaufen muss, weil sich die Maße geändert haben. Damit ist der ganze Zauber hin und es bleibt nur noch die weite Verbreitung und damit Erreichbarkeit des Konzerns. Lass mal einen kapitalstarken amerikanischen Konkurrenten vorbei kommen, der das Baukastenprinzip übernimmt und alles vor die Haustür liefert, weil er über das WWW verkauft...

  • Auch VW als Deutschlands grösstes Automobil-Unternehmen ist eine politische Aktie geworden. INSIDER wissen vorher Bescheid bevor neue Hiobs-Botschaften veröffentlicht werden.
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    Wenn man VW kennt, weiß man, dass Piech IMMER Recht hatte und haben wird. aber der schlaue Fuchs hat sich so weit von diesem Müllhaufen aus Verlogenheit und Korruption zurück gezogen, dass man so eien Aktien nur noch shorten kann.

    Was die Börsen betrifft, so hatten Insider dort schon immer die besseren Karten. Früher war das noch 1000 mal schlimmer. Heute kann man sich allerdings im Internet zum Trader ausbilden lassen und hat auch als Nicht-Insider / Banker eine sehr gute Chance.

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  • hmmm, wenn auch sie sich mal hinsetzen und sich mal Gedanke darüber machen, was sie an Infos WIRKLICH benötigen und woher sie diese Daten bekommen, werden auch sie feststellen, dass Mainstream ihnen eigentlich nie die wichtigen Infos geben wird.

    Ich als Trader habe festfestellt, dass ich Schulungen und erklärende Daten eigentlich nur aus den sogenannten Trading-Plattformen (Godmode Trader,....) und aus persönlichen blogs von Börsenexperten bekomme. Besonders hilfreich sind auch die persönlichen Kontakte zu Experten.

    Das HB, FAZ....... sind für mich nur ein Ersatz für Comic-Hefte und Trickfilme (Ton & Jerry, Schweinchen Dick,..). Besonders süß finde ich die Leserbriefe, denn auch die sind für einen Lacher imme rgut.

  • Ja, so verlaufen diese politischen Systeme immer.

    Erst runzelt man die Stirn, wenn man gewisse Sachen nicht hören will
    Danach löscht man die unangenehmen Äußerungen
    Danach sperrt man die Quertreiber ein
    Und danach löscht man die Quertreiber.

    Man kann es sehen, wie man will, aber die normalen (Print-) Medien haben lange die Phase verlassen, wo man hilfreiche Informationen für seine Geschäfte bekommt. Wenn man z.B. darauf hinweist, wie IKEA so eine globales Unternehmen werden könnte, ist das >> unsachlich<<. Leioder beteiligt sich auch das HB an der Verblödung der Massen indem es irrelevante Sachen zum Hauptthema macht und sie vollkommen einseitig darstellt (Syrien, illegale Eindringlinge, Besamungsprogramm....).

    Im Gegensatz dazu fehlt jede Information darüber, dass Volkswagen u.a. deshalb massiv weiter schrumpfen wird, weil die Chaoten und Verursacher der Krise noch immer in Amt und Würden sind:

    - BR Osterloh
    - MP von Niedersachen, Herr Weil
    - Herr Porsche.

    Diese Troika hat sich an den aufgeblasenen Chaoten Winterkorn geklammert, als jeder wußte, dass Wiko wohl alles in den Sand setzen wird (" wir gehen auf Distanz zu Herrn Winterkorn...").

    hihi, und nun nette Unterhaltung mit der verdrehten, irrelevanten Berichterstattung der sterbenden Print-Medien.




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    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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  • Chapeau ... alles gelöscht! So sieht Merkel Presse aus.
    Erklären sie mir bitte einmal, wo mein Post unsachlich war!
    Es war eine sachliche Schilderung des Unterschieds zu Claudia Roth.
    Fahrdienst, teure Klamotten, verkrachte Existenz ... sh. Vita. Dafür bekommt sie 17.300€ p.m..

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