Ikea in der Innenstadt Köttbullar statt Kauflust

Mit Tamtam eröffnete Ikea 2014 das erste Innenstadthaus in Hamburg-Altona. Doch die Kunden gehen dort lieber essen als Möbel kaufen. Denn um ein Regal zu bekommen, müssen sie andere Wege gehen als in den großen Filialen.
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Im Geschäftsalltag zieht vor allem das Restaurant Kunden an. Quelle: Lisa Hegemann
Ikea in Hamburg

Im Geschäftsalltag zieht vor allem das Restaurant Kunden an.

(Foto: Lisa Hegemann)

HamburgSieben, acht Leute wollen an der gläsernen Theke Essen bestellen, doch der Mitarbeiter bremst seinen übereifrigen Kollegen. „Mach mal langsamer, die Kassen sind voll“, sagt der hochgewachsene Mann. Der Angesprochene hinter der Essensausgabe, ein dunkelhaariger Mittzwanziger mit blauer Kappe, lächelt seinen nächsten Kunden entschuldigend an. Die Bestellung muss noch warten, die Fleischbällchen bleiben in dem silbernen Behälter liegen.

Die Szene stammt aus einem Ikea-Restaurant – um zwölf Uhr mittags an einem Donnerstag. Dass der schwedische Möbelkonzern an einem Wochentag so viele Kunden zur Mittagszeit anzieht, ist ungewöhnlich für das Einrichtungshaus. Üblicherweise liegen die blauen Kästen mit den vier gelben Großbuchstaben so weit außerhalb der Stadtgrenzen, dass die Verbraucher nur dann dort essen gehen, wenn sie ohnehin gerade dort einkaufen, also eher am Wochenende.

Doch in Hamburg-Altona gehört der Andrang mitten in der Woche zum Alltag. Denn die im Juni 2014 eröffnete Filiale liegt in der Fußgängerzone, der schwedische Konzern bewirbt sie als das „weltweit erste Innenstadthaus“ – auch, wenn das „weltweit“ nicht wirklich stimmt. Trotzdem könnte Ikea mit seinem Prototyp in Hamburg-Altona ein Vorbild für andere Möbelhäuser werden. Zumindest dann, wenn die Kunden irgendwann auch zum Möbelkauf kommen und nicht nur zum Mittagessen.

„Viele glaubten, wir hätten keine Möbel“

Wer sich die Besucherzahlen anschaut, könnte meinen, der Ikea in Hamburg-Altona sei ein Erfolgsmodell. Das Innenstadt-Möbelhaus gehört nach Firmenangaben zu den fünf Ikea-Filialen mit den meisten Besuchern in Deutschland. Insgesamt betreibt Ikea 48 Standorte im Land. Die hohen Besucherzahlen in Altona lassen sich vor allem mit dem Andrang im Restaurant erklären: Familien, Hemdträger, ältere Menschen mit Gehhilfe, junge Paare treffen sich zum Mittagessen bei Köttbullar und Pommes.

Doch das Möbelhaus in der Innenstadt ist trotz der vielen Kunden keine reine Erfolgsgeschichte. Denn die Kunden lassen im Mittel weniger Geld da. „Der Durchschnittsbon liegt bei uns deutlich niedriger als in anderen Häusern“, sagt Christian Mollerus, Geschäftsführer der Filiale. Das Problem: „Viele Kunden haben anfangs geglaubt, wir hätten keine Möbel.“

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7 Kommentare zu "Ikea in der Innenstadt: Köttbullar statt Kauflust"

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  • "lieber essen als Möbel kaufen" Nöö! Bei dieser Firma mache ich ganz sicher weder das Eine noch das Andere. EIN Besuch vor vielen Jahren und der Ärger über diesen aufgezwungenen Rundgang haben gereicht! Und wer braucht schon Jaffamöbel?

  • Bei den Mieten im IKEA-Umfeld würde ich nicht von einer schwachen Wirtschafts- und Sozialstruktur sprechen.

  • stimmt,

    IKE-A hat nachhaltig geholfen, dass wir auch in Deutschland eine neue ausrichtung der Möbelhäuser bekommen haben. Frischer Wind aus Sweden.

    Respekt vor IKE-A.

  • Ikea Altona ist das Gegenteil von „Easy to do Business with“.

    Das Grundproblem liegt in der Anordnung der Etagen. Die sind von oben (Parkhaus und Kassen) nach unten organisiert. Ikea geht also trotz Innenstadtlage davon aus, die Kunden kommen mit dem Auto. Allerdings ist Parken nur bei 10 Euro Umsatz kostenfrei, nicht besonders hilfreich für mal eben reinschauen.
    In der Praxis kommen die Kunden per Bahn und Rad, oder haben in den Nebenstraßen geparkt, gehen also durch den „Hintereingang“ unten rein. Hier gibt es nur eine rudimentäre Kassenzone über die keine Umsätze generiert werden. Sämtliche Serviceleistungen wie Warenausgabe und Reklamation sind oben. Nicht besonders einfach als Fußgänger, mit dem Paket in den Fahrstuhl nach unten und dort endlich raus.

    Das zweite große Problem ist die Anordnung auf den Etagen. Man wird nicht nur auf jeder Etage wieder auf einen Rundgang gezwungen, sondern innerhalb dieses Rundgangs sind viele zusätzliche Verschachtelungen angeordnet (ca. doppelt so viele Schachtelungen wie in einem normalen Ikea). In der Praxis kann man selten mehr als 5 Meter geradeaus gehen und selten mehr als 8 Meter weit schauen. Das ist wirklich schlechtes Feng Shui. Man verliert leicht die Orientierung und bekommt einen Drehwurm.

    Beim Personal gibt es immer noch Anlaufprobleme. Überall im Laden stehen Mitarbeiter nebeneinander und Quatschen, ob bei Möbeln oder im Sanitärbereich - der Kunde stört. Außerdem gibt es praktisch immer (wie beschrieben) Schlangen im Restaurant. Da muss mehr Zug rein.

    Es wäre aber falsch, ein grundsätzlich negatives Fazit zu ziehen. Die Leute sind heiß auf dieses Konzept. Schnell mal zu Ikea, ohne sich extra an den Stadtrand zu stauen. Toll.

    Mögl. Sofortmaßnahmen:
    Kostenloses Parken für 3 Stunden, uneingeschränkt.
    Ausbau einer "Schachtelebene" auf den Möbeletagen, Ausweis der Abkürzungen.
    Völlige Umgestaltung der unteren Etage. Ohne Zwischenwände und Rundgangzwang. Nette Kassenzone.

  • Konzept und Praxis: wer kennt die Planzahlen? ^^
    Eines jedenfalls muss man der Ikea-Truppe lassen: sie geht neue Wege, was nicht unbedingt als selbstverständlich gelten kann.

  • "Doch die Kunden gehen dort lieber essen als Möbel kaufen. Denn um ein Regal zu bekommen, müssen sie andere Wege gehen als in den großen Filialen. "

    Tja, was erwarten die cleveren Betriebswirte mit ihren schicken Laptops und ihrem Bachelor-Degree denn von einem tendentiell von einer eher schwachen Wirtschafts- und Sozialstruktur geprägten Stadtteil wie Altona ?

    Vielleicht ist das Experiment "Innenstadt" auch ein gutes Lehrbeispiel für Wirtschaftstheoretiker. dass sich nämlich Wirtschaftsprozesse in der Praxis anders abspielen als am grünen Tisch oder in der Hochschule !

  • Hier ging was beim Artikel gründlich daneben. Auf Seite 3 ist ein Absatz doppelt abgedruckt.

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