Illegale Preisabsprachen Kartoffel-Kartell verursacht Millionen-Schaden

Das Bundeskartellamt ist illegalen Preisabsprachen bei Kartoffelerzeugern und -Vertreibern auf die Schliche gekommen. Laut „SZ“ haben sich weite Teile der Branche daran beteiligt – und hunderte Millionen verdient.
Update: 11.05.2013 - 12:35 Uhr 16 Kommentare
Ein Landwirt bringt mit einem Traktor Kartoffeln für die Aussaat auf ein Feld. Quelle: dpa

Ein Landwirt bringt mit einem Traktor Kartoffeln für die Aussaat auf ein Feld.

(Foto: dpa)

Frankfurt/BerlinInfolge illegaler Preisabsprachen bei Kartoffeln soll deutschen Verbrauchern und Bauern nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro entstanden sein. Das mutmaßliche Kartoffel-Kartell, gegen das Ermittlungen laufen, habe nach Schätzungen eines Branchen-Insiders seit der Gründung vor etwa zehn Jahren einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe gemacht. Die „Bild“-Zeitung berichtet sogar von einem Gewinn in Höhe von rund einer Milliarde Euro über zehn Jahre.

Laut „SZ“ sollen 80 bis 90 Prozent der großen und größeren Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebel-Branche regelmäßig die Preise abgesprochen haben, zu denen die Supermarkt-Ketten beliefert wurden. Zeitweise soll die Gewinnmarge rasant in die Höhe gestiegen sein und sich mitunter verzehnfacht haben, vor allem auf Kosten der Verbraucher. Diese sollen in den Supermärkten weit mehr gezahlt haben als notwendig. Auch Pflanzkartoffeln für die Bauern sollen mit weit überhöhten Preisen verkauft worden sein.

Das Bundeskartellamt hatte am Freitag Ermittlungen wegen illegaler Preisabsprachen bestätigt. Neun Unternehmen aus dem Bereich Erzeugung und Vertrieb seien durchsucht worden. Außerdem seien gegen fünf weitere Unternehmen schriftlich Bußgeldverfahren eingeleitet und die Wohnung eines Verdächtigen überprüft worden, teilte das Amt in Bonn mit. Dem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge stammen fünf der verdächtigen Firmen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

Das Kartell habe ganz einfach funktioniert, sagte ein Branchenkenner der „SZ“. Es soll eine Art Anführer gegeben haben, der beispielsweise vor den Bestellungen der großen Discounter-Ketten die Kollegen angerufen und den Wochen-Preis ausgemacht habe. Die Angebote sollen sich dann nur um einen oder ein paar Cent unterschieden haben.

Der Geschäftsführer einer der durchsuchten Firmen wies die Vorwürfe zurück. „Wir haben kein schlechtes Gewissen, wir sind da relativ gelassen“, sagte er der „SZ“. Dass ein solches Kartell existiert habe, könne er sich nicht vorstellen.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat die Ermittlungen des Bundeskartellamtes wegen illegaler Preisabsprachen bei Kartoffeln begrüßt. Nicht nur die Verbraucher, sondern auch viele Landwirte seien durch Absprachen großer Kartoffelhandels-Unternehmen möglicherweise massiv geschädigt und betrogen worden, erklärte der niedersächsische AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann am Samstag. Er verwies darauf, dass mehrere Landwirte seit langem ein undurchsichtiges und marktbeherrschendes Gebaren großer Kartoffelzucht- und Kartoffelhandels-Unternehmen kritisierten.

Die AbL forderte deutlich mehr Markttransparenz, eine stärkere Bündelung der Interessen der Kartoffelbauern gegen Zucht- und Großhandelskonzerne. Die dringende Notwendigkeit einer eigenen Interessenvertretung der Landwirte gegenüber den Abnehmern ihrer Erzeugnisse werde durch die Nachrichten von einem „Kartoffel-Kartell“ erneut bestätigt.

  • afp
  • rtr
  • dpa
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16 Kommentare zu "Illegale Preisabsprachen: Kartoffel-Kartell verursacht Millionen-Schaden"

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  • Hat die Politik schon derart Panik, dass sie mit diesem PillePalle von den wirklichen Problemen ablenken muss?

    Oder sind es die Journalisten die mit der Volkslenkung die eigentliche Politik machen?

  • Das HB sollte doch mal über die wahren Probleme des Landes berichten!!! Und nicht über solch eine Pille Palle....oder glaubt das HB wirklich, die Bürger wüssten nicht wie das Betrugssystem Kapitalismus funktioniert?!!!

  • @scooter

    Aus der Kartoffel lässt sich noch mehr herauspressen....nämlich aus konventionellen Kartoffeln, leggere BIO-Kartoffeln! Die dann in Berlin (Bsp.) teuer an die Mitglieder der Grünen verkauft werden :)

    Diese ganze Wirtschaftssystem ist doch eine reines Lug-und Betrugssystem geworden!! Wer ausser dem Hahndwerker/Bäcker/Friseur arbeitet denn noch ehrlich???

    Dieser ganze Bio-Hyp ist eine reine Verarsche der Verbraucher!! Und damit werden Milliarden Gewinne verbucht!!

  • Der Staat ist oftmals mit involviert!

    Politiker drücken gerne ein Auge zu.

    Fragen Sie mal im Landwirtschaftsministerium nach. Die Einfuhrabschottungssysteme von Weltmarktprodukten sind doch der Nährboden für Kartellabsprachen. Immer dort wo oligopolartig aufgestellte Unternehmen ihre Produkte vermarkten, sind Kartellabsprachen auf nationaler und mit internationaler Tragweite verbreitet.

  • Stimmt, wenn eine bank ausgeraubt wird ist das ja auch egal weil das kostet den einzelnen ja nix.

  • es wird schnell mit hohen Zahlen gewettert. Verlust runtergebrochen auf den einzelnen Bürger... ein Witz.
    Panikpolemik... wie so oft

  • auch guter Gedanke!

  • Vielleicht sollte man hier auch mal die Macht auf der anderen Seite besser durchleuchten!!!!
    Ander Baustelle: Öl... Versorger... keine Absprache dort?? Ich lach mich schlapp!!!

  • was ist nur aus Deutschland geworden..
    vielfach in der Wirtschaft Lügner und Betrüger
    und keine entsprechende wirkungsvolle Gegenwehr seitens
    Staatlicher Stellen.

  • Machen wir uns die Kartoffel selbst so gut es geht.

    http://www.krisenvorsorge.com/der-kartoffelturm/

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