Ikea-Gründer Ingvar Kamprad

Der Schwede hat mit Ikea die Möbelbranche radikal verändert.

(Foto: AFP)

Ingvar Kamprad Möbelkönig aus der schwedischen Provinz

Ingvar Kamprad hatte den weltberühmten Möbelkonzern Ikea im Alter von nur 17 Jahren gegründet. Ein echter Selfmademan, ein liebenswürdiger Autodidakt, der sein Talent zum Handel schon früh entdeckte.
Update: 11.04.2018 - 14:46 Uhr Kommentieren

Stockholm, Düsseldorf Richtig schlau ist man aus dem Mann selten geworden. Mal wollte er aufhören, dann wieder nicht, mal sah er seinen Sohn Peter als seinen Nachfolger, kurz darauf glaubte er nicht, dass dessen Begabung für die Leitung eines Weltkonzerns ausreichen würde. Mal hatte er Ärger mit der Steuer, mal schenkte er Millionen für wohltätige Zwecke.

„Es ist schwer, einen Geschäftsmann zu finden, der unkonventioneller ist“, sagte der Ikea-Kenner Bosse Vikingson vor einiger Zeit dem Handelsblatt. Er hatte Kamprad häufig getroffen. „Er liebt es, Menschen zu umarmen und ihre Hand zu halten – ob Männer oder Frauen. Aber er sagt auch, wenn ihm etwas nicht passt.“ Nach einer Enthüllungsstory, erzählt der Journalist, rief Kamprad ihn wütend an. Er teilte ihm mit, er sei nicht länger willkommen bei seiner traditionellen Weihnachtsansprache vor den Mitarbeitern. Drei Monate später entschuldigte sich Kamprad.

Es passte vieles nicht zusammen, aber so ist es mit den Möbeln ja auch: Mal fehlt hier ein Teilchen, mal blieb dort eine Schraube über. Ende Januar ist Ingvar Kamprad, der Gründer des Möbelriesen Ikea, im Alter von 91 Jahren gestorben. Nach Angaben des Unternehmens schlief Kamprad nach kurzer Krankheit friedlich im Beisein seiner Familie in seinem Haus im südschwedischen Småland ein.

Mit Kamprad verliert Schweden einen seiner erfolgreichsten Unternehmer. „Ingvar wird von seiner Familie und von Ikea-Mitarbeitern auf der ganzen Welt sehr vermisst werden und in Erinnerung bleiben“, hieß es weiter. Beileidsbezeugungen kamen von Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven und Außenministerin Margot Wallström. Kamprad habe geholfen, Schweden in der Welt bekanntzumachen, twitterte Wallström.

Obwohl er schon vor einigen Jahren die operative Leitung des größten Möbelimperiums der Welt abgegeben hatte, lief bis vor Kurzem kaum etwas ohne ihn. Der Rat von „Ingvar“, wie er im Konzern von allen genannt wird, „war für uns immer ausschlaggebend“, sagte eine enge Mitarbeiterin von ihm.

Seit September 2017 führt Jesper Brodin den Ikea-Konzern. Er war Kamprad eng verbunden und hatte für ihn einst als Assistent gearbeitet.

Kamprad war ein echter Selfmademan, ein liebenswürdiger Autodidakt, der sein Talent zum Handel schon früh entdeckte. Mit sieben, so erzählt man sich in seinem südschwedischen Heimatort Agunnaryd, sei Ingvar schon von Hof zu Hof gezogen und habe Streichhölzer, Papierwaren und Saatgut verkauft. Mit so großem Erfolg, dass er noch während der Kaufmannsausbildung sein Unternehmen Ikea gründete. Ingvar Kamprad wuchs auf dem väterlichen Hof Elmtaryd in Agunnaryd auf. Die Anfangsbuchstaben von Namen, Hof und Dorf ließ er im Juli 1943 im Handelsregister eintragen. Ikea - eine Handelsfirma, über die der damals gerade 17-Jährige Fische, Saatgut und Papierwaren verkaufte. 1947 startete er einen kleinen Postorder-Service, um so auch die Kundschaft außerhalb Agunnaryds bedienen zu können.

Von Anfang an war das Motto „Sparen“ unabdingbarer Bestandteil der Firmenphilosophie. Und diese Sparsamkeit machte auch nicht vor dem Fiskus halt. Das Hochsteuerland Schweden war zwar stolz auf seinen Ingvar, doch der Finanzminister ging nahezu leer aus. Das einstmals „unmögliche Möbelhaus aus Schweden“, das mit dem Elch um die Gunst aller Amateur-Raumausstatter warb, ist heute ein fast unüberschaubares Netzwerk aus Stiftungen und Holdings, die allesamt in Holland, Luxemburg, Liechtenstein und in Curacao in der Karibik registriert sind. Banken, Leasingfirmen, Versicherungen und Immobiliengesellschaften gehören heute zum Ikea-Konglomerat, das Kamprad aufgebaut hat.

Nach dem Tod seiner Frau ist er aus der Wahlheimat Schweiz vor drei Jahren in seine Heimat nach Südschweden zurückgekehrt. Vor seinem neunzigsten Geburtstag gab er eines seiner seltenen Interviews. Der Mann, der zu den reichsten Menschen der Welt zählt, dieser manchmal kauzige Unternehmer mit ausgebeulten Hosen und durchgescheuertem Sakko kokettierte oft und gern mit seiner Sparsamkeit.

Die Anekdötchen vom Milliardär, der immer nur Holzklasse fliegt und den Pensionärsrabatt in der U-Bahn nutzt, sind vielfältig. Zum Teil auch wahr. Aber es ist auch überliefert, dass Kamprad früher einen Porsche fuhr. „Aber nie schneller als 70 Stundenkilometer“, versuchte er vor ein paar Jahren den Zuffenhausener Sportwagen zu einem Alltagsgefährt zu machen. Vor einigen Jahren geriet er allerdings in die Schlagzeilen, als herauskam, dass er als Jugendlicher mit den Nazis sympathisiert hatte. Dafür entschuldigte er sich bei Mitarbeitern und der Öffentlichkeit. Sie haben es ihm verziehen.

Startseite

Mehr zu: Ingvar Kamprad - Möbelkönig aus der schwedischen Provinz

0 Kommentare zu "Ingvar Kamprad: Möbelkönig aus der schwedischen Provinz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%