Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Innenstädte So bereiten sich die Einzelhändler auf den Lockdown vor

Abholung auf dem Parkplatz, Beratung per WhatsApp, Verkauf über Zalando: Stationäre Händler richten Alternativen zu den geschlossenen Geschäften ab Mittwoch ein.
14.12.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren
Mehr als die Hälfte der Innenstadthändler sieht sich durch den Lockdown in der Existenz bedroht. Quelle: imago images/Olaf Döring
Leere Königsstraße in Duisburg

Mehr als die Hälfte der Innenstadthändler sieht sich durch den Lockdown in der Existenz bedroht.

(Foto: imago images/Olaf Döring)

München, Düsseldorf Für viele Kunden kommt es überraschend, dass ab Mittwoch wieder ein Großteil der Geschäfte geschlossen wird. Doch viele Geschäftsinhaber in Deutschland haben sich auf den harten Lockdown längst eingestellt.

„Wir werden auf allen Kanälen wie E-Mail, Telefon, Internetshop, Facebook und Instagram weiter von 9 bis 18 Uhr mit voller Beratungsqualität aktiv bleiben“, sagt Tobias Schonebeck, geschäftsführender Gesellschafter des Traditionshauses Schäffer in Osnabrück. „Nur die Ladentüren werden wir nicht öffnen.“

Schon die vergangenen Wochen hätten sich die Kunden sehr zurückgehalten, bilanziert Schonebeck. „Wir haben hier seit Wochen dramatisch niedrige Frequenzen in der Innenstadt – teilweise bei 40 Prozent vom Vorjahr.“ Der Kaufmann hat sich auf edles Geschirr und Gläser, Küchenutensilien und Spielzeug spezialisiert. „Trotz sehr guter Hygienekonzepte fehlt die Lust am Shopping für viele Menschen“, hat Schonebeck festgestellt.

Das zeigen auch Umfragen unter der Händlern. Wie der Handelsverband Deutschland mitteilte, lag das durchschnittliche Umsatzminus in den Innenstädten am dritten Adventswochenende bei fast 20 Prozent, der Kundenfrequenzrückgang bei fast 30 Prozent. „Umsätze und Kundenzahl erreichten auch in den letzten Tagen bei Weitem nicht das Niveau des Vorjahres. Das Weihnachtsgeschäft 2020 ist für die meisten Innenstadthändler verloren“, klagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Einzelhandel rechnet mit dramatischen Folgen. 55 Prozent der Innenstadthändler sehen aktuell ihre Existenz bedroht, im Bekleidungshandel sind es 65 Prozent. „Das können viele
    Handelsunternehmen nicht ohne Hilfe überleben“, sagt Genth.

    Für viele Händler verschärft sich das Problem dadurch, dass der Lockdown bis Januar anhält. Es sei nämlich nicht so, dass die Zeit zwischen den Jahren unbedeutend sei, wie das manche Politiker derzeit darstellen würden, berichtet Helmut Hagner, Chef der Unternehmensgruppe Frey im bayerischen Cham.

    „Nach Weihnachten und bis in den Januar hinein werden erhebliche Umsätze geschrieben“, betont Hagner. Der Kaufmann geht davon aus, dass die Händler zu Jahresbeginn den Rotstift ansetzen und es auf breiter Front Rabatte geben wird.

    Staatliche Hilfen habe die Unternehmensgruppe nicht in Anspruch genommen, wohl aber einen KfW-Kredit gesichert. Den habe er bislang zwar nicht benötigt. Aber das Darlehen ist eine Art Lebensversicherung, falls es noch härter kommt.

    Viele Händler haben im ersten Lockdown neue Services eingeführt, die ihnen jetzt helfen. Der Fahrradhändler Rose Bikes beispielsweise bietet einen „Click&Collect-Service“ auf dem Parkplatz an. Kunden können unter einer extra eingerichteten Servicenummer ihre bestellten Fahrräder abrufen und diese auf den Parkplatz des jeweiligen Stores bringen lassen, ohne mit dem Servicemitarbeiter in Kontakt zu kommen.

    „Wir sind gut vorbereitet. Wichtig ist uns, dass wir unsere Kunden auch aus unseren Stores heraus während einer möglichen Lockdownphase optimal bedienen und gleichzeitig ihre Gesundheit schützen“, sagt Tim Böker, Retail-Chef von Rose Bikes. Für Zubehör hat der Händler eine Drive-in-Station eingerichtet.

    Waren-Abholung auf dem Parkplatz

    Auch die Baby- und Fachmarktkette BabyOne wird ihren bestehenden „Click&Collect-Service“ auf den Parkplatz der jeweiligen Filiale verlagern. Geschäftsführer Jan Weischer sieht sein Unternehmen als Baby- und Kleinkindausstatter als „systemrelevant“ und erklärt: „Wir werden alles dafür tun, um für die werdenden Eltern auch in einer Lockdownphase maximal sicher bedienen und beraten zu können.“

    Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) mahnt deshalb bei den Verantwortlichen in den Ländern und Kommunen an, überall die kontaktlose Übergabe von Waren per Click & Collect aus den Läden heraus zu erlauben. „Click& Collect ist eine wichtige Option, dem Handel in dieser verschärften Lage eine Perspektive zu bieten und ein geeignetes und milderes Mittel als das quasi vollständige Verkaufsverbot“, so Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh.

    Martin Kerner lebt von der Beratung vor Ort in seinem Outdoor-Laden „Basislager“ in Karlsruhe. Für ihn ist die Lage bedrohlich, denn das Online-Geschäft kommt lange nicht an die Umsätze im Shop heran. Schon in den vergangenen Wochen seien viele Kunden weggeblieben, im sogenannten Lockdown light. „Wir und unsere Leute sind sehr besorgt, die Nerven liegen blank“, sagt Kerner.

    Staatliche Hilfen, die ihn wirklich unterstützen würden, gebe es keine, klagt der Kaufmann. Am wichtigsten sei jetzt eine Perspektive, wann das Geschäft wieder einigermaßen normal laufen könne. „Spätestens ab April kann das so nicht mehr weitergehen“, klagt Kerner. „Ansonsten machen nötige Investitionen oder zusätzliche Kredite einfach keinen Sinn.“

    Händler fordern mehr staatliche Hilfe

    Zudem müsse er jetzt im Grunde schon wieder für den Winter 2021/22 die Ware ordern. „Aber wie soll ich planen?“, fragt sich der Badener. „Wir ertrinken in Winterware, die wir auch ohne Lockdown schon nicht verkaufen konnten.“

    Auch aus Sicht von Kerner ist ein Lockdown bis weit in den Januar sehr heikel. Denn die Umsätze nach Weihnachten seien eher besser als davor: „Die Leute lösen ihre Gutscheine und Geldgeschenke ein.“

    Kurzfristig werde er seine Leute in Kurzarbeit schicken, wenn er schließen muss. Eine kleine Besetzung wird sich um das Online-Geschäft kümmern. Auch für die Zeit danach sieht es bitter aus: „Nach dem Lockdown werden wir wohl unsere Winterware verhökern müssen, um irgendwie Liquidität zu erzeugen.“

    Denn alle kreativen Ideen können den Umsatzausfall nur zum Teil kompensieren. Deswegen erwarten die Händler auch, dass sie der Staat noch stärker als geplant unterstützt. „Der zweite Lockdown wird uns – wenn auch in Wellen – noch bis in den April begleiten“, ist sich Marcus Diekmann, CEO von Rose Bikes, sicher. Deshalb erwartet er genau wie der HDE von der Bundesregierung ein ähnliches Subventionsmodell wie für die Gastronomie.

    „Wir fordern einen Ausgleich von 75 Prozent des Umsatzes im Vergleichszeitraum des Vorjahres“, erklärt er. Denn das stationäre Weihnachtsgeschäft sei schon seit Wochen aufgrund der fehlenden Frequenz gefährdet. „Die Ursache liegt im Lockdown light der letzten Wochen“, so Diekmann.

    Mehr: Bund und Länder beschließen harten Lockdown: Was ab Mittwoch gilt.

    Startseite
    Mehr zu: Innenstädte - So bereiten sich die Einzelhändler auf den Lockdown vor
    0 Kommentare zu "Innenstädte: So bereiten sich die Einzelhändler auf den Lockdown vor"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%