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Insolvente Handelskette Sport Voswinkel schließt jeden dritten Laden und baut hunderte Stellen ab

Kahlschlag bei der insolventen Sportkette. Fast jedes dritte Geschäft muss schließen – und eine dreistellige Zahl von Mitarbeitern gehen.
26.07.2019 - 16:18 Uhr Kommentieren
Am Wochenende will die Geschäftsleitung die Mitarbeiter der Filialen informieren, die schließen.
Voswinkel

Am Wochenende will die Geschäftsleitung die Mitarbeiter der Filialen informieren, die schließen.

München Die insolvente Sporthandelskette Voswinkel will sich gesundschrumpfen. Bis Ende Oktober würden 22 Filialen geschlossen, teilte das Unternehmen an diesem Freitag mit. Damit macht fast jedes Dritte Geschäft dicht.

Zudem werde das Warenverteilzentrum in Bochum und die Zentrale in Dortmund personell verkleinert. Insgesamt seien 275 Arbeitsplätze betroffen, gut ein Fünftel der Belegschaft.

„Wir bemühen uns weiterhin, für die betroffenen Filialen einen Käufer zu finden und so möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Zurzeit prüfen wir die vorliegenden Angebote“, sagte Geschäftsführer Marcus Neul. Am Wochenende werde die Geschäftsleitung die Mitarbeiter der Filialen informieren, in denen demnächst das Licht ausgeht.

Voswinkel hatte sich im Frühjahr in ein sogenanntes Schutzschirmverfahren geflüchtet. Die Firma genoss dabei in den vergangenen drei Monaten Gläubigerschutz wie in einem regulären Insolvenzverfahren. Sie hatte jedoch die Möglichkeit, sich in Eigenregie zu sanieren. Löhne und Gehälter übernahm die Bundesagentur für Arbeit.

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Standort erkennen

    Das Schutzschirmverfahren ist beendet, die Angestellten muss Voswinkel nun wieder selbst bezahlen. Jetzt beginnt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Einen Insolvenzplan will Voswinkel in Kürze beim Amtsgericht Dortmund einreichen. In einem solchen Plan erläutert das Management, wie es mit einem insolventen Unternehmen weiter gehen soll.

    Voswinkel war bislang ein Teil von Intersport. In der Genossenschaft haben sich selbstständige Sporthändler mit knapp 1500 Läden aus ganz Deutschland zusammengeschlossen. Die Geschäftsinhaber betreiben ihre Läden in eigener Regie. Voswinkel gehört jedoch keinem der Kaufleute, sondern direkt der in Heilbronn ansässigen Zentrale.

    Voswinkel selbst begründete die Schieflage im Frühjahr damit, dass weniger Kunden in die Geschäfte gekommen seien. Daher sei auch der Umsatz zurück gegangen. In dem am 30. September 2018 beendeten Geschäftsjahr seien die Erlöse um fünf Prozent auf 139 Millionen Euro gefallen. Zum Ergebnis machte die Firma keine Angaben.

    Beste Chancen für Online-Player

    Der Wettbewerb durch Onlinehändler und Discounter sei groß, teilte Voswinkel lediglich mit. Es gebe zudem Standorte, die schlechter als erwartet abgeschnitten hätten. In Sporthändlerkreisen ist schon seit Längerem von hohen Verlusten des Filialisten die Rede. In diesem Frühjahr, so heißt es unter Ladenbesitzern, wollte Intersport schließlich kein Geld mehr nachschießen.

    Viele Intersport-Händler hatten zuletzt zu kämpfen. So ist der Umsatz des Verbunds im vergangenen Jahr in Deutschland um drei Prozent auf 2,85 Milliarden Euro geschrumpft. Im Frühjahr 2018 musste bereits der langjährige Intersport-Chef Kim Roether gehen.

    An der Spitze von Intersport folgte im Herbst der ehemalige Unternehmensberater Alexander von Preen. „Die Entwicklung zeigt, wie herausfordernd die Situation für unsere Händler am Markt gerade ist“, sagte der Manager zu Jahresbeginn auf der Sportmesse Ispo in München.

    Tatsache ist: Die Konsumenten machen zunehmend einen Bogen um die Geschäfte. „Das ist ein alarmierendes Zeichen für uns Sportfachhändler“, erläuterte Stefan Herzog, Generalsekretär des Verbands deutscher Sportfachhandel, auf der Ispo.

    Dazu kommt, dass die weltgrößten Sportmarken Nike und Adidas immer mehr Shirts, Shorts und Turnschuhe direkt über ihre Internet-Stores verkaufen. „Es geht im Moment um den Kundenzugang“, sagte Herzog. „Da haben natürlich große Online-Player massive Chancen.“ Nike und Adidas setzen insbesondere auf ihre Apps, über die sie den Kunden genau auf sie zugeschnittene Angebote machen.

    Amazon ist inzwischen der zweitgrößte Sporthändler in Deutschland, gleich nach Intersport. Das Berliner Internet-Modehaus Zalando steht auf Rang drei. In Deutschland gingen vergangenes Jahr Sportartikel für knapp acht Milliarden Euro über die Tresen.

    Es ist zudem der Sportdiscounter Decathlon, der den deutschen Händlern zu schaffen macht. Die Franzosen taten sich lange Zeit schwer in der Bundesrepublik, sind inzwischen eigenen Angaben zufolge aber mit mehr als 65 Filialen und 3400 Mitarbeitern vertreten - und laufend kommen weitere Geschäfte dazu.

    Es dürfte also nicht einfach werden für Voswinkel – auch mit kleinerem Filialnetz und weniger Leuten.

    Mehr: Die Kunden bleiben aus, der Umsatz bricht ein: Die Zukunft des Sportunternehmens mit 1200 Mitarbeitern ist ungewiss.

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