Insolventer Küchenhersteller Alno wird in Einzelteile zerlegt

Der insolvente Küchenhersteller Alno steht vor der Zerschlagung: Für die profitable Billig-Tochter Pino liegt ein Kaufangebot vor. Damit wird die Rettung aller 1600 Arbeitsplätze bei Alno immer unwahrscheinlicher.
Update: 02.10.2017 - 14:39 Uhr Kommentieren
Alno steht vor der Zerschlagung - Pino findet Investor Quelle: dpa
Alno-Gelände in Pfullendorf

Wenig Aussicht auf Rettung als Gesamtkonzern.

(Foto: dpa)

HamburgDer insolvente Küchen-Konzern Alno wird voraussichtlich zerschlagen. Während sich für die Billigküchen-Marke Pino ein Investor gefunden hat, schwinden damit die Chancen für die Mitarbeiter der Hauptmarke Alno. Denn in der Dauerkrise von Alno waren es vor allem die preisgünstiger positionierten Marken Pino und Wellmann, die einigermaßen positive Zahlen lieferten.

Wer der Interessent für Pino ist, ist noch nicht bekannt. Alno teilte am Montag lediglich mit, der Gläubigerausschuss habe einem Kaufangebot zugestimmt. Formal prüft der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Hörmann das Angebot für die Alno-Tochter mit ihren 230 Mitarbeitern in Coswig in Sachsen-Anhalt noch. In einer gemeinsamen Mitteilung mit Alno teilte er jedoch mit, das Angebot annehmen zu wollen. Pino produziert Küchen, die zu günstigen Preisen ohne große Planung zum Teil auch über Baumärkte verkauft werden.

Insgesamt hat Alno 1600 Mitarbeiter. Als aussichtsreich gilt auch der Verkauf von Wellmann im ostwestfälischen Eger, wo viele Küchen-Hersteller arbeiten. Bei der Kernmarke Alno in Pfullendorf in Baden-Württemberg dürfte hingegen allenfalls die Marke interessant sein. Das Werk gilt als personalintensiv. Am Mittwoch sollen die Mitarbeiter in Pfullendorf direkt und an den anderen Standorten per Videokonferenz über den weiteren Verlauf informiert werden. Insolvenzverwalter Hörmann teilte mit, es solle baldmöglich auch ein Abschluss für Wellmann und Alno erzielt werden.

Warum die Küche das neue Wohnzimmer ist
Plüsch pur
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„Einmal im Jahr erlauben wir uns, einen Spaß zu erfinden“, erklärt Gerald Klimke die Entstehungsgeschichte dieser extravaganten Liegemöglichkeit. Die Firma Signet, deren Geschäftsführer und Designer Klimke ist, steht eigentlich für Polstermöbel. Für das Schlafsofa mit dem Namen „Lovers Paradise“ nimmt das Familienunternehmen aus Oberfranken dagegen den Trend zum Plüschigen auf. Kostenpunkt für den Signet-Spaß: 7.000 Euro.

Die Bar kommt zurück
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Retromöbel aus den 40er-, 60er- bis hin zu den 70er-Jahren sind angesagt. Und so hat die Firma Schönbuch eine Bar mit cleverer Türkonstruktion entwickelt. „Wir finden, das Thema Bar und Trinkkultur ist stark im Kommen“, sagt der Inhaber Michael Reß. Für 2.500 Euro können interessierte Kunden bei der Förderung mitmachen und der Bar zu einem Comeback verhelfen.

Birkenstock macht jetzt auch Betten
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Vor 120 Jahren erfand Birkenstock das Fußbett für Schuhe. Nun haben die Tüftler des Konzerns mit dem österreichischen Hersteller Ada die Ergonomik des Fußbettes auf Betten und Matratzen übertragen. Nach mehr als zweieinhalbjähriger Entwicklungsarbeit kommt das Ergebnis jetzt in den Handel. Günstig ist das aber nicht: Die kompletten Betten mit Matratzen liegen zwischen 5.000 und 10.000 Euro.

Möbel im Mikrokosmos
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Dem kleiner werdenden Wohnraum trägt der Möbelhersteller Germania aus Ostwestfalen Rechnung. Das Familienunternehmen entwickelt innovative Möbel, die mehrere Funktionen gleichzeitig haben. Die Zielgruppe sind etwa Studenten oder Pendler, die unter der Woche in einer Zweitwohnung auf wenigen Quadratmetern leben. Regalsysteme kosten bei Germania zwischen 200 und 400 Euro, den Kleiderschrank gibt es ab 1.500 Euro.

Extremis
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Überhaupt scheinen Möbelstücke out zu sein, die nur eine Funktion haben. Zwei sollten es mindestens sein. Bei der belgischen Firma Extremis verwischen die Grenzen zwischen innen und außen. Der Garten soll zu einem vollwertigen Wohnraum im Freien werden – zum Beispiel mit der Liege, die gleichzeitig Sofa ist und über einen Schirm verfügt, der gleichzeitig auch als Lampe dient.

Nachhaltige Lampen
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Was man mit Abfallprodukten aus Schlachthäusern alles anfangen kann. Sören Raven Christenssen, Designer beim dänischen Leuchtenhersteller Vita, will nachhaltige Lampen herstellen. Dafür lässt er beispielsweise Gänsefedern zusammennähen, die er aus Schlachthäusern bezieht. In der mittleren Größe kosten die Lampen zwischen 80 und 100 Euro. Dafür gibt es ein sehr warmes Licht.

Die Küche ist das neue Wohnzimmer
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Das Leben spielt sich immer mehr in der Küche ab, haben Trendforscher festgestellt. „Wer abends mit seinen Gästen in der Küche sitzt, wechselt in der Regel nicht mehr ins Wohnzimmer“, berichtet Leo Lübke. Mit seiner Firma Cor will er deshalb die Gemütlichkeit des Wohnzimmers in den Essbereich bringen. Das geht am besten durch ein Sofaecke in der Küche.

Das einstige Familienunternehmen Alno war seit 1995 an der Börse, schrieb allerdings seitdem nur einmal Gewinn. Das Überleben sicherte in den vergangenen Jahren vor allem ein gemeinsames Interesse mit dem Großaktionär Whirlpool: Der Bauknecht-Mutterkonzern aus den USA verkaufte einen großen Teil seiner Geräte über Alno und vergab daher hohe Lieferantenkredite.

Nachdem Whirlpool jedoch sein Europageschäft durch den Kauf des großen italienischen Konzerns Indesit neu aufgestellt hatte, verloren die Amerikaner das Interesse an Alno und stiegen aus. Der inzwischen ausgeschiedene Vorstandschef Max Müller, der mit einer Investorengruppe selbst beteiligt war, fand die bosnische Unternehmerfamilie Hastor als neuen Investor.

Sie steckte mit ihrer Unternehmensgruppe Prevent einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen, warf Müller aber später vor, zu optimistische Zahlen präsentiert zu haben. Schließlich wollten die Bosnier nicht noch weiteres Geld versenken und meldeten Insolvenz an – zumal ehemalige Alno-Manager inzwischen Kredite vom Ex-Großaktionär Whirlpool übernommen hatten und offenbar die neuen Inhaber unter Druck setzen wollten.

Seit diesem Sonntag ist der dreimonatige Zeitraum, in dem Insolvenzgeld gezahlt wird, vorbei. Ein Sechs-Millionen-Euro-Darlehen, das nach Informationen der „FAZ“ von der britischen Investmentgesellschaft Riverrock stammt, ermöglicht es zunächst, weiterzumachen und wohl in dieser Woche ein ordentliches Insolvenzverfahren zu eröffnen.

Darauf dürften auch etliche Alno-Kunden hoffen: Wegen unbezahlter Rechnungen musste Alno seit Monaten auf bestimmte Teile von Zulieferern verzichten. Bei vielen Küchen-Kunden stehen nun unfertige Küchen in den Häusern und Wohnungen. Derzeit ruht die Produktion – je länger der Zustand anhält, desto unwahrscheinlicher wird eine Rettung der in Mitleidenschaft gezogenen Marke Alno. Wohl auch deshalb der Insolvenzverwalter auf eine schnelle Lösung. Es liefen ernsthafte Gespräche auch für Alno und Wellmann, sagte sein Sprecher. Realistisches Ziel bleibe, auch für diese beiden Teile Investoren zu finden.

Küchenstudios melden bereits längere Lieferzeiten für Küchen der Konkurrenz, die in die Bresche springt. Der Gesamtmarkt präsentiert sich im Gegensatz zu Alno weitgehend stabil.

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