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Insolventer Modekonzern Warum die Sanierungspläne von Gerry Weber stocken

Der Modekonzern muss sich im Insolvenzverfahren schnell von unprofitablen Filialen trennen. Doch für diesen Schritt gibt es mehrere Hürden.
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Die geplante Schließung von Filialen des Modehändlers könnte sich verzögern. Quelle: dpa
Gerry-Weber-Hemden

Die geplante Schließung von Filialen des Modehändlers könnte sich verzögern.

(Foto: dpa)

DüsseldorfJohannes Ehling bleibt nicht viel Zeit, um sich vom Scheitern der Sanierungsverhandlungen mit den Banken zu erholen. Der Vorstandschef des Modekonzerns Gerry Weber muss jetzt vor allem schnell die Kosten weiter senken. Priorität haben die rund 230 Filialen und Verkaufsflächen, die er schließen will und muss – mit rund 600 Mitarbeitern. Doch das dauert womöglich länger als für eine zügige Restrukturierung des Unternehmens notwendig wäre.

„Erst ab der Eröffnung des Insolvenzverfahrens kann Gerry Weber leichter aus Mietverträgen aussteigen, wie man es im Dezember angekündigt hat“, sagte Werner Meier, Insolvenzexperte und Chef der deutschen Restrukturierungspraxis der internationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons, dem Handelsblatt. Doch das ist noch nicht eröffnet.

Seit Ehling am vergangenen Freitag überraschend den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hat, läuft erst einmal das vorläufige Insolvenzverfahren für die Gerry Weber International AG. Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens vergehen danach üblicherweise rund drei Monate. „Und das wird frühestens zum 1. April sein“, räumte Ehling jetzt in einem Interview mit der Neuen Westfälischen Zeitung ein.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Nicht alle der 230 betroffenen Filialen und Verkaufsflächen gehören zur Gerry Weber International AG, die den Insolvenzantrag gestellt hat. Einige werden von der Tochtergesellschaft Gerry Weber Retail GmbH geführt und rund 60 sind Filialen der Textilkette Hallhuber, einem Tochterunternehmen der Gerry-Weber-Gruppe.

Da Hallhuber und die Retail GmbH bislang nicht Teil des Insolvenzverfahrens sind, kann Ehling dort auch keine nur im Insolvenzverfahren möglichen Sonderkündigungsrechte nutzen. Das erschwert die Sanierungsbemühungen des Vorstands erheblich.

„Der Ausstieg aus langfristigen Mietverträgen gestaltet sich außerhalb der Insolvenz erfahrungsgemäß sehr schwierig, insbesondere wenn man es gleichzeitig mit so vielen Standorten wie Gerry Weber zu tun hat“, sagt Insolvenzexperte Meier. „Leichter würde dies für die Tochtergesellschaften nur dann, wenn diese ebenfalls einen Insolvenzantrag stellen würden.“

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Es wird deshalb in der Branche damit gerechnet, dass Ehling und sein Restrukturierungsvorstand Florian Frank auch für Hallhuber sowie andere Tochterunternehmen bald einen Insolvenzantrag stellen könnten.

Auch der angekündigte und notwendige Abbau von insgesamt rund 900 Stellen verzögert sich bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Denn bis dahin sind die Gehälter der Mitarbeiter von Gerry Weber durch das staatliche sogenannte Insolvenzgeld gesichert.

Tochter Hallhuber könnte verkauft werden

Aber Ehling muss die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über den Stellenabbau wieder aufnehmen. Er hatte sich zwar mit denen auf ein Eckpunktepapier geeinigt. Danach waren sie bereit, in den nächsten Jahren auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu verzichten sowie ihre Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu verkürzen. Doch diese Regelung galt nur, wenn die Banken dem Sanierungspaket zugestimmt hätten. Diese Verhandlungen sind jedoch gescheitert.

„Wir müssen bei den Gesprächen ja nicht bei null anfangen“, sagte Betriebsratschef Lutz Bormann dem Handelsblatt. „Wir können bei dem mit dem Management ausgehandelten Eckpunktepapier ansetzen“, hofft Bormann. Doch wann die Verhandlungen weitergehen, ist offen. „Es gibt noch keine neuen Termine mit dem Management“, sagte der Betriebsratschef. Er räumte ein, dass „wir natürlich alle möglichen Szenarien zurzeit durchspielen, aber das sind nur Spekulationen“.

Wie zu hören ist, sollen sich bereits Investoren für die Textilkette Hallhuber interessiert haben. Das 2015 von Gerry Weber gekaufte Unternehmen agiere innerhalb des Konzerns noch recht selbstständig und habe erst vor kurzem einige Zentralfunktionen an die Muttergesellschaft abgegeben. Deshalb ließe sich Hallhuber relativ problemlos als eigenständige Unternehmenseinheit verkaufen, ist zu hören.

In diesen für Gerry Weber schwierigen Zeiten muss Vorstandschef Ehling vor allem wieder Vertrauen bei Lieferanten und Handelspartnern aufbauen. Das hat nicht erst seit dem Einreichen des Insolvenzantrags vergangene Woche Freitag gelitten – oder seit die Banken im November eine Insolvenz nur durch Stundung von Darlehen bis Ende Januar verhindert hatten.

Gerry Weber hat es in den vergangenen Jahren versäumt, seine Kollektion rechtzeitig zu modernisieren. Das Unternehmen ist zu spät ins Onlinegeschäft eingestiegen und hat den Ausbau seines Filialnetzes übertrieben. Hinzu kommen die Probleme beim Übergang der Unternehmensführung vom Mitgründer und langjährigen Vorstandschef Gerhard Weber auf seinen Sohn Ralf.

So nutzte Ehling die Modemesse in Düsseldorf am vergangenen Wochenende, um 100 wichtige Lieferanten und Handelspartner über die aktuelle Lage aufzuklären und um Vertrauen in die Zukunft zu werben. Er zeigte eine Präsentation mit dem Titel „Wo die Reise hingeht“.

Dort war das Foto von einer Straße im schönsten Sonnenlicht zu sehen. Doch von einer solchen sonnigen Zukunft ist Gerry Weber noch weit entfernt.

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