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Insolvenz der Airline Strafanzeigen gegen Germania-Chef Karsten Balke

Mehrere Privatpersonen werfen dem Germania-Chef Betrug und Insolvenzverschleppung vor. Karsten Balke weist die Anschuldigungen zurück.
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Germania hatte Anfang Februar Insolvenz angemeldet. Quelle: AP
Germania

Germania hatte Anfang Februar Insolvenz angemeldet.

(Foto: AP)

Frankfurt, DüsseldorfNach der Insolvenz der Fluggesellschaft Germania sieht sich der Chef und Eigner der Airline, Karsten Balke, strafrechtlichen Vorwürfen ausgesetzt. Bei der Staatsanwaltschaft Berlin sind mehrere Strafanzeigen von Privatpersonen eingegangen. Das bestätigte ein Behördensprecher dem Handelsblatt.

Es gehe um die Vorwürfe Betrug und Insolvenzverschleppung, Balke werde als mutmaßlich Verantwortlicher genannt. Ob die Anschuldigungen zutreffen, ist noch völlig unklar. „Die Staatsanwaltschaft geht der Sache nach, die Ermittlungen stehen allerdings noch ganz am Anfang“, sagte der Sprecher.

Balke reagierte überrascht auf die Ermittlungen. „Ich höre zum ersten Mal durch die Presseanfrage des Handelsblatt davon, dass bei der Berliner Staatsanwaltschaft Anzeigen gegen mich eingegangen sein sollen“, sagte er auf Anfrage: „Mir war bislang auch nicht bekannt, dass angeblich Ermittlungen gegen mich geführt werden. Die Anschuldigungen entbehren jeder rechtlichen und sachlichen Grundlage.“

Germania hatte Anfang Februar Insolvenz angemeldet. Die Airline mit rund 1700 Mitarbeitern und etwas weniger als 40 Flugzeugen hatte vor allem Ferienziele im Mittelmeerraum angesteuert. Versuche von Balke, frisches Geld für den Flugbetrieb aufzutreiben, waren gescheitert, obwohl es zwischenzeitlich angeblich eine Finanzierung gegeben haben soll. Noch kurz vor der Insolvenz hatten sich zudem der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl als Retter ins Spiel gebracht, doch ein belastbarer Deal scheiterte.

Germania-Chef Karsten Balke steht vor seinem größten Kampf Quelle: imago/Robert Michael
Germania-Chef Karsten Balke

„Mittel- bis langfristig werden wir wieder Überkapazitäten sehen, umso wichtiger ist es, dass wir uns wettbewerbsfähig aufstellen.“

(Foto: imago/Robert Michael)

„Was ich sagen kann ist, dass mein Team und ich bis zur letzten Minute dafür gekämpft haben, Germania zu retten“, sagte Balke. Schließlich habe man zu seinem „größten persönlichen Bedauern“ am 4. Februar einen Insolvenzantrag stellen.

„Seitdem arbeiten wir vollumfänglich mit dem vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter zusammen. Unter den nun neuen Gegebenheiten versuchen wir mit aller Kraft, Investoren zu gewinnen.“ Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Rüdiger Wienberg gibt es derzeit rund 30 Interessenten für die Airline beziehungsweise Teile davon.

In der Luftfahrtbranche war erwartet worden, dass nach der Insolvenzanmeldung der Airline alte Rechnungen beglichen werden würden. Germania ist ein kompliziertes Konstrukt – schwer zu durchschauen.

Balke kam als Anwalt zu Germania-Gründer Hinrich Bischoff, er kümmerte sich unter anderem um Liegenschaften der Familie auf Mallorca. Nach dem Tod von Bischoff im Jahr 2005 bekam Balke von der Witwe Ingrid Bischoff zunehmend mehr Aufgaben übertragen, wurde erst Generalbevollmächtigter und bekam schließlich sukzessive die Anteile an Germania überschrieben.

Das geschah über komplizierte Konstruktionen und war auch nicht ganz reibungslos. Die Familie ist zerstritten. Eric Bischoff, der Sohn des Gründers, klagt auf eine höhere Auszahlung seines Erbes. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Mehr: Ersatztickets, Extrakosten, Fluggastrechte – Handelsblatt-Redakteur Carsten Herz hat nach der Insolvenz eine Übersicht für Germania-Kunden zusammengestellt.

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