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Insolvenz im Einzelhandel Wie ein Hedgefonds-Manager die US-Kaufhauslegende Sears in die Pleite führte

Die Kaufhauskette Sears hat Gläubigerschutz beantragt. Einen Großteil der Schuld am Absturz der einstigen amerikanischen Institution trägt CEO Edward Lampert.
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Die US-Kaufhauskette Sears hat Gläubigerschutz beantragt. Quelle: Reuters
Sears-Filiale

Die US-Kaufhauskette Sears hat Gläubigerschutz beantragt.

(Foto: Reuters)

New York Nun ist es offiziell: Die seit Jahren kriselnde US-Kaufhauskette Sears hat am Montag Gläubigerschutz nach Chapter (Kapitel) 11 beantragt. Die Nachricht kommt in einer Zeit, in der andere US-Einzelhändler mit neuen Konzepten zum ersten Mal seit Langem wieder Hoffnung schöpfen.

Mit dem Gläubigerschutz der 125 Jahre alten US-Kaufhauskette geht ein Stück Einzelhandelsgeschichte zu Ende. In den riesigen Sears-Filialen kauften die Amerikaner einst alles, von Kinderspielzeug über T-Shirts bis hin zu Bohrmaschinen und Traktoren. Mit seinem Bestellkatalog gehörte Sears zum festen Bestandteil der amerikanischen Haushalte. Der Chicagoer Sears Tower war bei seiner Fertigstellung 1973 einst das höchste Gebäude der Welt.

Als Jeff Bezos in den 90er-Jahren mit Amazon an den Start ging, sagte er, er wolle das „Sears im Internet“ werden. Heute ist Amazon der größte Onlinehändler der Welt – und der US-Einzelhändler Sears nur noch ein Schatten seiner selbst. Die meisten Läden sind verwaist und sehen aus, als wären sie in den 80er-Jahren stecken geblieben.

„Dieser Tag wird als Tag der Schande in die Geschichte des Einzelhandels eingehen“, kommentiert Neil Saunders, Managing Director bei der Einzelhandelsberatung Global Data Retail. Es sei allerdings „nicht überraschend, da Sears seit Jahren in diese Richtung steuerte, mit wirklich keinem ernsthaften Versuch, diesen Weg aufzuhalten“.

Die Zukunft des einstigen Aushängeschilds der Branche mit seinen rund 90.000 Mitarbeitern hängt nun von der Bereitschaft der Gläubiger ab, die Schulden umzustrukturieren und dabei die Geschäfte am Laufen zu halten. In dem Antrag nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts listet das Management Verbindlichkeiten in Höhe von 11,3 Milliarden Dollar auf. Dem stehen nur 6,9 Milliarden Dollar an Vermögenswerten gegenüber.

Finanzinvestor versuchte sich als CEO

Wer den Grund für den Niedergang der 125 Jahre alten Kette sucht, darf nicht nur auf den Erfolg von Amazon schauen, auch nicht nur auf die schon vorher entstandene Konkurrenz von Discountern wie Walmart und Target. Um zu verstehen, was bei Sears schiefgelaufen ist, muss man auch den 56-jährigen Hauptaktionär und amtierenden CEO betrachten: Edward Lampert.

Sears ist ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn ein Hedgefonds-Manager, der Besitzer ist, sein Glück als Unternehmer versucht. Milliardär Lampert kontrolliert seit 14 Jahren die Geschicke von Sears. Er ist auch größter Aktionär und Gläubiger.

2003 übernahm er mit seinem Hedgefonds ESL den Einzelhändler Kmart aus der Insolvenz. Ein Jahr später kam Sears hinzu, und er fusionierte die beiden Unternehmen. Lampert selbst sicherte sich den Posten des Chairmans des Verwaltungsrats, in dem auch der Investor und heutige US-Finanzminister Steven Mnuchin saß. 2013 übernahm Lampert zusätzlich den Vorstandsvorsitz des Unternehmens.

Unter Lamperts Ägide ist die Zahl der Sears- und Kmart-Läden von mehr als 4000 in den Hochzeiten auf zuletzt weniger als 900 gesunken. 100.000 Menschen haben ihren Job verloren. Im April 2007 hatte die Sears-Aktie ein Rekordhoch von 119 Dollar erreicht. Doch seither ging es bergab.

Seit 2008 stagnieren die Umsätze, und in den vergangenen sieben Jahren wies Sears nur Verluste aus. Die Aktie stürzte ab und kostete zuletzt weniger als einen Dollar. Analysten folgen dem börsennotierten Unternehmen schon seit Jahren nicht mehr.

Steven Dennis, Gründer der Einzelhandelsberatung SageBerry und Ex-Manager von Sears und Neiman Markus, wirft Lampert vor, kein Konzept gehabt zu haben. „Ich bin nicht sicher, ob jemand anderes Sears hätte retten können“, sagt Dennis. „Aber er hat eine schreckliche Arbeit geleistet und es damit viel schneller viel schlimmer gemacht“, ist der Berater überzeugt.

Noch härter geht der ehemalige Vorstandschef von Sears Canada, Mark Cohen, der heute an der Columbia University lehrt, mit Lampert ins Gericht. Er glaubt, dass Lampert Sears nur noch am Leben gehalten hat, um davon zu profitieren – alles mit dem Segen des Verwaltungsrates, der aus seinen Vertrauten besteht.

Tatsächlich ist Lampert an der Immobilienfirma Seritage beteiligt, die über die Jahre Sears-Immobilien aufkaufte und in profitablere Bürogebäude verwandelt oder auch an Sears zurückvermietet. 117 Millionen Dollar flossen allein im vergangenen Jahr in Form von Miete von Sears an Seritage.

Bei einer Insolvenz werde Lampert zwar „den Wert des Eigenkapitals verlieren“, sagt Cohen. Aber dagegen müsse man seine Gewinne stellen, die er durch „Spezialdividenden realisiert hat, durch den Wert der Immobilien, die er als Sicherheiten für Kredite an das Unternehmen benutzt hat, und durch den Wert seiner Beteiligung an Seritage“.

Weihnachtsgeschäft angeblich gesichert

Der Gläubigerantrag sei „noch nicht das Ende der Geschichte“, meint Berater Saunders. Nach Kapitel 11 des amerikanischen Gläubigerschutzes haben Unternehmen die Chance auf einen Neuanfang. Sears kann damit in der wichtigen Weihnachtszeit operieren, ohne dass die Gläubiger zu hohe Ansprüche stellen können.

Das ist nach Ansicht von Saunders auch für die Konkurrenz eine gute Nachricht. Schließlich hätte ein kompletter Ausverkauf von Sears zur Weihnachtszeit das Geschäft für die Konkurrenten erschwert.

Dennoch bleibe der Weg zurück zum Erfolg schwierig, meint Saunders. Das Image der Marke sei stark angeschlagen. Sich gesundzuschrumpfen habe Sears erfolglos versucht. „Letztlich muss Sears nicht nur seine finanziellen Probleme lösen“, so Saunders.

Das Unternehmen müsse vor allem eine Strategie finden. „Unserer Meinung nach kann das nur ein kompletter Wechsel des Managements leisten“, sagt Saunders – Lampert eingeschlossen.

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