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Insolvenz Sportkette Voswinkel kämpft ums Überleben

Die Kunden bleiben aus, der Umsatz bricht ein, nun geht Voswinkel ins Insolvenzverfahren: Die Zukunft des Sportunternehmens mit 1200 Mitarbeitern ist ungewiss.
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Vosswinkel: Sportkette kämpft ums Überleben Quelle: PR
Voswinkel

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass zahlreiche Filialen schließen werden.

(Foto: PR)

MünchenEin knackiger Winter und ein grandioser Frühling sind eigentlich die besten Voraussetzungen für einen Sporthändler, um Geld zu verdienen. Der Sporthandelskette Voswinkel hat das für die Branche ideale Wetter der vergangenen Monate nicht geholfen.

Im Gegenteil: Die 1200 Mitarbeiter des Filialisten müssen um ihre Arbeitsplätze zittern. An diesem Mittwoch teilte das Unternehmen mit, es habe beim Amtsgericht Dortmund die Einleitung eines sogenannten Schutzschirmverfahrens beantragt.

Die Firma genießt dabei Gläubigerschutz wie in einem regulären Insolvenzverfahren. Sie hat jedoch die Möglichkeit, sich in Eigenregie zu sanieren. Löhne und Gehälter werden von der Bundesagentur für Arbeit für drei Monate übernommen. Voswinkel wird dabei von einem sogenannten Sachwalter überwacht: Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case.

Die Kette Voswinkel mit ihren 74 Läden gehört zu Intersport. In der Genossenschaft haben sich selbstständige Sporthändler aus ganz Deutschland zusammengeschlossen. Zu der Gruppe gehören knapp 1500 Läden. Die Händler betreiben ihre Geschäfte in eigener Regie. Voswinkel gehört jedoch keinem der Kaufleute, sondern direkt der in Heilbronn ansässigen Zentrale. Ein Sprecher von Intersport wollte sich am Mittwoch auf Anfrage nicht zu der Insolvenz äußern.

Voswinkel selbst begründete die Schieflage damit, dass weniger Kunden in die Geschäfte gekommen seien. Daher sei auch der Umsatz zurück gegangen. In dem am 30. September 2018 beendeten Geschäftsjahr seien die Erlöse um fünf Prozent auf 139 Millionen Euro gefallen. Zum Ergebnis machte die Firma keine Angaben.

Der Wettbewerb durch Onlinehändler und Discounter sei groß, teilte Voswinkel lediglich mit. Es gebe zudem Standorte, die schlechter als erwartet abgeschnitten hätten. In Sporthändlerkreisen ist schon seit Längerem von hohen Verlusten des Filialisten die Rede. Jetzt, so heißt es unter Ladenbesitzern, sei Intersport nicht mehr gewillt gewesen, Geld nachzuschießen.

Die Kunden sollen erst einmal nichts mitbekommen von der Pleite. „Der Geschäftsbetrieb bei Sport Voswinkel geht trotz des eingeleiteten Schutzschirmverfahrens ohne Einschränkungen weiter“, sagte Geschäftsführer Helge Mankowski.

Viele Intersport-Händler hatten zuletzt zu kämpfen. So ist der Umsatz des Verbunds vergangenes Jahr in Deutschland um drei Prozent auf 2,85 Milliarden Euro geschrumpft. Im Frühjahr 2018 musste bereits der langjährige Intersport-Chef Kim Roether gehen. An der Spitze von Intersport folgte im Herbst der ehemalige Unternehmensberater Alexander von Preen. „Die Entwicklung zeigt, wie herausfordernd die Situation für unsere Händler am Markt gerade ist“, sagte der Manager zu Jahresbeginn auf der Sportmesse Ispo in München.

Tatsache ist: Die Konsumenten machen zunehmend einen Bogen um die Geschäfte. „Das ist ein alarmierendes Zeichen für uns Sportfachhändler“, erläuterte Stefan Herzog, Generalsekretär des Verbands deutscher Sportfachhandel, auf der Ispo.

Dazu kommt, dass die weltgrößten Sportmarken Nike und Adidas immer mehr Shirts, Shorts und Turnschuhe direkt über ihre Internet-Stores verkaufen. „Es geht im Moment um den Kundenzugang“, sagte Herzog. „Da haben natürlich große Online-Player massive Chancen.“ Nike und Adidas setzen insbesondere auf ihre Apps, über die sie den Kunden genau auf sie zugeschnittene Angebote machen.

Amazon ist inzwischen der zweitgrößte Sporthändler in Deutschland, gleich nach Intersport. Das Berliner Internet-Modehaus Zalando steht auf Rang drei. In Deutschland gingen vergangenes Jahr Sportartikel für knapp acht Milliarden Euro über die Tresen.

Es ist zudem der Sportdiscounter Decathlon, der den deutschen Händlern zu schaffen macht. Die Franzosen taten sich lange Zeit schwer in der Bundesrepublik, sind inzwischen eigenen Angaben zufolge aber mit 65 Filialen und 3400 Mitarbeitern vertreten – und weitere Geschäfte sollen im Jahresverlauf hinzukommen.

Es dürfte also nicht einfach werden für Voswinkel. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass zahlreiche Filialen schließen werden.

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