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Insolvenz von Air Berlin Niedergang vor laufender Kamera

Die Insolvenz von Air Berlin ist eine der spektakulärsten deutschen Firmenpleiten. Selten wurde eine Insolvenz so intensiv öffentlich ausgebreitet. Weitere Kapitel der illustren Geschichte sind bereits vorgezeichnet.
27.12.2017 - 06:01 Uhr Kommentieren
Air Berlin: Niedergang vor laufender Kamera Quelle: Reuters
Letzter Air-Berlin-Flug in Tegel

Bei keiner anderen Pleite wurde auch das offizielle Betriebsende des Unternehmens medial so begleitet wie bei Air Berlin.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Es gibt Pleiten, die geschehen still und heimlich, andere dagegen fesseln die Öffentlichkeit. Die des Baukonzerns Philipp Holzmann zählte zur zweiten Kategorie. Zunächst 1999 durch den damaligen Kanzler Gerhard Schröder persönlich gerettet, standen mit dem Insolvenzantrag im Jahr 2002 bei dem Unternehmen dann doch die rund 23.000 Jobs auf der Kippe. Sogar 36.000 Arbeitsplätze waren es bei der Drogeriekette Schlecker, die 2012 Insolvenz anmelden musste.

Seit wenigen Monaten wissen wir: Es ist nicht zwingend die Größe, die eine Pleite für die Öffentlichkeit interessant macht. Seit sich Air Berlin im August für zahlungsunfähig erklärte, wird der Niedergang der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft medial so intensiv begleitet wie kaum eine andere Pleite zuvor. Air Berlin ist zwar mit gut 8000 Beschäftigten deutlich kleiner als Schlecker oder Holzmann. Doch die Insolvenz der Airline hat so viele Facetten, dass es wohl noch auf Monate hinaus ausreichend Stoff für Geschichten geben wird.

Eine dieser Facetten: Während die Pleiten etwa von Holzmann oder Schlecker für die Beteiligten relativ überraschend kamen, zeichnete sich bei Air Berlin das Ende schon Monate vor der Insolvenzanmeldung ab. Ein erster Vorbote: Das Abkommen zwischen Air Berlin und Lufthansa über die Vermietung von bis zu 38 Jets samt Crews an die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian.

Offiziell war es Teil des beschlossenen strategischen Rückzugs von Air Berlin aus dem europäischen Kurz- und Mittelstreckenverkehr. Zweites Element dieser neuen Strategie sollte ein Joint Venture zwischen der Air-Berlin-Tochter Niki und dem Ferienflieger Tuifly sein – unter Beteiligung des Air-Berlin-Großaktionärs Etihad. Doch dieser Teil kam niemals zustande.

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    Die Lufthansa dagegen mischte mit dem Mietdeal fortan bei Air Berlin mit. Mit einer bis zu 100 Mann starken Truppe bereitete sich der deutsche Marktführer seit Anfang 2017 auf den „Fall“ von Air Berlin vor. Zwar war nicht klar, dass der durch einen Insolvenzantrag erfolgen würde, auch ein weiterer Ausbau des Mietdeals war eines der vorbereiteten Szenarien. Als recht sicher galt aber, dass Air Berlin das Jahr 2017 nicht in seiner bisherigen Form überleben würde. Und bevor andere wie Ryanair sich die Filetstücke der als „Mallorca-Bomber“ gestarteten Fluggesellschaft sichern würden, wollte die Lufthansa zuschlagen.

    So hat Tegel Air Berlin verabschiedet
    Touchdown in Tegel
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    Um 23.58 Uhr setzte die Maschine in Berlin auf. Der letzte Flug mit Kennung „AB“.

    (Foto: Reuters)
    Ehrenrunden über Berlin
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    Die Flugroute über Berlin diente dazu, als wirklich letztes Flugzeug zu landen. Die Schleifen deuteten viele als die Form eines Herzens.

    (Foto: dpa)
    Joachim Hunold
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    Mit an Bord: der ehemalige Geschäftsführer der Fluggesellschaft und Mitglied im Verwaltungsrat, Joachim Hunold. Er hatte in 20 Jahren an der Konzernspitze aus einer Mini-Gesellschaft mit zwei Flugzeugen die Nummer zwei in Deutschland gemacht, in ihrer Hochzeit mit mehr als 35 Millionen Passagieren und vier Milliarden Euro Jahresumsatz.

    Der heute 68-jährige Düsseldorfer war es aber auch, der seine Firma durch Zukäufe und schnelles Wachstum in eine komplexe Struktur und Kostenfalle trieb, aus der sie nie wieder herauskam.

    (Foto: dpa)
    Ende eines Kapitels deutscher Wirtschaftsgeschichte
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    Nach 39 Jahren mit teils rasantem Wachstum endet die Zeit von Air Berlin. Der letzte Flieger in Berlin-Tegel wird am späten Freitagabend gebührend empfangen.

    (Foto: Reuters)
    Gruß der Flughafenfeuerwehr
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    Mit Wasserfontänen wird normalerweise die Ankunft einer neuen Fluggesellschaft an einem Airport gefeiert - jetzt gilt die Geste einem letzten Flug.

    (Foto: dpa)
    Spalier zum Abschied
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    Air-Berlin-Mitarbeiter nehmen Crew und Passagiere von AB6210 in Empfang.

    (Foto: dpa)
    „Unsere AB“
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    Ein Schluck Sekt auf das Ende der Airline. Flug AB6210 ist der letzte mit Air-Berlin-Kennung, der auf einem Flughafen gelandet ist.

    (Foto: dpa)

    Genau das tat die Lufthansa. Spätestens mit der Berufung von Thomas Winkelmann, langjähriger Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings, zum Air-Berlin-CEO im Februar 2017 war klar, dass eine wie auch immer geartete Aufteilung der gescheiterten Air Berlin nicht ohne Zutun der Lufthansa geschehen wird.

    Zwar ist Winkelmann als Air-Berlin-CEO alleine dem Wohl seines neuen Arbeitgebers verpflichtet und achtet auch penibel darauf, seine Pflichten entsprechend wahrzunehmen. Da es aber der Lufthansa als der größten deutschen Airline nicht sonderlich schwergefallen ist, einen strategisch gut begründeten und damit recht hohen Preis für die relevanten Teile von Air Berlin zu bieten, war recht bald klar, dass der Konzern im Verkaufsprozess beste Chancen hatte.

    Die sicherte die Lufthansa zudem geschickt durch eine eloquente politische Lobbyarbeit in Berlin ab. Sowohl das Wirtschafts- als auch das Verkehrsministerium plädierten öffentlich für einen Zuschlag an den Dax-Konzern – ein Novum.

    Berichterstattung hat neue Maßstäbe gesetzt
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