Insolvenz Zweite Chance für Sinn-Leffers

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Die Rettung des Unternehmens rückt damit näher. Drei Jahre nach dem Verkauf durch Karstadt-Quelle war der Hagener Textilfilialist vergangenen Sommer in Schieflage geraten - fast zeitgleich mit den ehemaligen Schwesterunternehmen Wehmeyer und Hertie. Zuvor hatte sich DIH-Gesellschafter Peter Zühlsdorff, einst Vorstandschef von Wella, Grünem Punkt und Sanierer von Tengelmann, vergeblich um einen Turnaround bemüht.

Nicht nur hohe Mieten lasteten auf Sinn-Leffers. Nach jeweils rund 20 Mio. Euro Betriebsverlust 2006 und 2007 häuften sich Managementfehler. Im Oktober 2007 orderten die Kaufhäuser deutlich zu viel Ware, gleichzeitig überstiegen Investitionen in Trier, Bielefeld und Menden die Finanzkraft. Am 7. August beantragte der bereits vorab ins Unternehmen gerufene Insolvenzrechtler Detlef Specovius ein Insolvenzplanverfahren beim Amtsgericht Hagen - und zwar in Eigenverwaltung durch die bisherige Geschäftsführung.

"Die Eigenverwaltung hat das Verfahren erheblich beschleunigt", sagt Insolvenzverwalter Piepenburg rückblickend. Hierzu seien allerdings einige Voraussetzungen notwendig gewesen, darunter eine integere Geschäftsführung, aktuell aufbereitete Geschäftszahlen und ein funktionierender Absatzmarkt.

Künftig soll ein neues Verkaufskonzept, erarbeitet von der Bielefelder Beratungsfirma Hachmeister + Partner, das Geschäft von Sinn-Leffers ankurbeln. Nachdem man CBR ("Street One", "Cecil", "One Touch") als Lieferanten verloren hat, wollen sich die Hagener mit neuen, höherwertigen Marken wie "Warehouse" oder "Jane Norman" eine eigene Handschrift zulegen. "Dieses Konzept hat gerade in Mittelstädten eine Existenzberechtigung", urteilt ein Brancheninsider, "aber nur dann, wenn sich Sinn-Leffers vom Shop-in-Shop-Einerlei üblicher Kaufhäuser unterscheidet."

Die Ziele jedenfalls sind ambitioniert. Ab dem kommenden Geschäftsjahr, sagt Geschäftsführer Detlef Specovius, soll der Konzern bei einem Umsatz von 310 Mio. Euro erstmals schwarze Zahlen schreiben.

Abstieg auf Raten

1850 In Köln gründen die Brüder Sinn eine Kurzwarenhandlung, 1894 folgen die Brüder Leffers in Delmenhorst mit einem Textilkaufhaus.

1997 Beide Kaufhäuser schließen sich zur börsennotierten Sinn-Leffers AG zusammen.

2001 Karstadt-Quelle kauft seinem Großaktionär Schickedanz die 85-Prozent-Beteiligung an der defizitären Sinn-Leffers ab - für 140 Mio. Euro.

2005 Nach dem Delisting verkauft Karstadt die abgetrennten Immobilien für 200 Mio. Euro, muss dem Käufer des Textilhandels aber 116 Mio. Euro mit auf den Weg geben.

2008 Sinn-Leffers beantragt ein Insolvenzplanverfahren in Eigenregie.

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