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Internetwirtschaft Zurück zum Ex – Was die Scout24-Übernahme über Private Equity sagt

Die Investoren, die den Kleinanzeigenmarkt an die Börse gebracht haben, kaufen ihn nun komplett. Das ist auch Symptom eines Branchenproblems.
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Das Übernahmeangebot treibt die Aktie von Scout24 in die Höhe. Quelle: picture alliance/dpa
Scout24

Das Übernahmeangebot treibt die Aktie von Scout24 in die Höhe.

(Foto: picture alliance/dpa)

Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg Es ist ein Deal, bei dem sogar die Investoren einräumen, dass er außergewöhnlich ist: Beim Münchener MDax-Konzern Scout24 steigen genau dieselben Finanzfirmen erneut ein, die das Kleinanzeigenportal einst an die Börse gebracht haben.

Am Freitag akzeptierte Scout24 ein Übernahmeangebot für 46 Euro je Aktie von der in München registrierten Holding Pulver BidCo GmbH. Dahinter stecken die Finanzinvestoren Hellman & Friedman sowie die Blackstone Group. Noch im Januar hatte das Management eine um 2,50 Euro je Aktie niedrigere Offerte der Gruppe abgelehnt.

Die Unternehmensbewertung läge demnach nunmehr bei 5,7 Milliarden Euro – damit wäre es die bisher höchste Summe bei einer Übernahme eines deutschen Unternehmens durch Finanzinvestoren. Allerdings wollen sie das Unternehmen nicht komplett kaufen, sondern lediglich eine Mehrheit, also gut 50 Prozent. Damit soll Scout24 an der Börse bleiben.

Fonds mit Schwierigkeiten

Der Fall zeigt: Angesichts der vielen Milliarden, die Großanleger in Private Equity investieren wollen, haben einige Fonds inzwischen echte Schwierigkeiten, ihr Geld unterzubekommen. Weltweit kletterte der Wert solcher Transaktionen im vergangenen Jahr auf 125 Milliarden Dollar, zwei Jahre zuvor waren es nur 81 Milliarden Dollar.

Die Investoren greifen im Fall von Scout24 auf ein Unternehmen zurück, das sie bereits gut kennen. Mit einem früheren Fonds haben sie beim Scout24-Börsengang 2015 einen guten Wertzuwachs erzielt. Jetzt wollen sie mit einem neu aufgelegten Fonds den Wert erneut steigern – diesmal allerdings als Ankeraktionär, nicht als privater Eigentümer. In Finanzkreisen heißt es, ausschlaggebend sei das stabile Geschäft, das zweistellig pro Jahr wachse, einen hohen Cashflow erziele und mit hohen Margen überzeuge.

Beobachter urteilen dennoch, die Bewertung sei extrem hoch und entspreche dem 20-Fachen des operativen Gewinns (Ebitda). Allerdings seien börsennotierte Konkurrenten wie Autotrader in Großbritannien und die südafrikanische Naspers ähnlich hoch bewertet.

Dass die Investoren die Annahmeschwelle auf nur gut 50 Prozent setzen, sehen Finanzkreise als bewusste Entscheidung, um Hedgefonds wie Elliott herauszuhalten und nicht dasselbe Chaos wie im komplizierten Übernahmefall Stada zu erleben. Auf Dauer würden die Investoren „natürlich“ einen Beherrschungsvertrag abschließen wollen.

Wurzeln im Neuen Markt

Ein Sprecher der Investoren sagte hingegen, eine Komplettübernahme oder Beherrschung sei nicht geplant, allerdings eine enge Abstimmung. Der Wert der Beteiligung solle weniger über Finanzinstrumente, sondern vor allem über die Strategie gesteigert werden. Zwei Wachstumsfelder gibt es.

Scout24 will neben Kleinanzeigen zunehmend passende Services vermitteln: etwa Umzugsunternehmen und Baufinanzierung bei Immobilien und Versicherungen fürs Auto. Zudem sollen weitere Zukäufe – von neuen Angeboten oder in weiteren Ländern – angegangen werden. Vor einigen Monaten hatte Scout24 bereits das Vergleichsportal Finanzcheck gekauft.

„Ich freue mich über unsere gemeinsame langfristige Vision und unser Ziel, Scout24 zu einem führenden europäischen Digitalunternehmen zu machen“, erklärte Vorstandschef Tobias Hartmann. Das ist zugleich eine Kampfansage an die Kleinanzeigen-Dickschiffe Springer und Ebay.

Die Ablehnung des ersten Angebots Mitte Januar hatte Spekulationen über einen Bieterwettbewerb geschürt. Laut „FAZ“ hatte Scout24 selbst sogar die Investmentbank Morgan Stanley beauftragt, Käufer zu suchen. Was zunächst als Abwehr einer Übernahme gedacht gewesen sei, hätte demnach nach Vorstellung der Scout24-Manager zu einem Bieterwettbewerb führen sollen – so ähnlich wie im vergangenen Jahr bei Stada.

Aktionäre müssen dem Angebot zustimmen

Doch zu einem ähnlichen Wettbieten kommt es nun aller Voraussicht nach nicht. „Es liegt kein weiteres vorteilhaftes Übernahmeangebot vor“, sagte ein Scout24-Sprecher dem Handelsblatt. Finanzkreise berichten, auch der Investor KKR habe Scout24 zumindest angeschaut.

Damit der Plan aufgeht, müssen die Aktionäre der Scout24 AG dem Angebot von 46 Euro pro Aktie zustimmen. Grundlage sei ein Aufschlag von 24,4 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Das Analystenhaus Kepler Cheuvreux bestätigte am Freitag seine Kaufempfehlung für die Aktie. Das Papier hatte bereits am Donnerstag einen Sprung von mehr als zehn Prozent verzeichnet, am Freitag stieg der Kurs noch einmal mehr als zwölf Prozent.

Scout24 ist zäh. Die Marke ist eine Überlebende des ersten Internetbooms. Schon 1998 gründete der Unternehmensberater und heutige Business-Angel Joachim Schoss das Unternehmen – als klar wurde, dass weltweit die Kleinanzeigen ins Internet abwandern würden. 2004 kaufte die damals eigenständig börsennotierte Telekom-Schwester T-Online den Kleinanzeigenmarkt, der so später bei der Telekom landete.

Der Bonner Konzern hat sich von seinem einstigen Ehrgeiz, ein großer eigenständiger Inhalte- und Portalanbieter im Netz zu sein, jedoch längst verabschiedet. Die Telekom verkaufte Anfang 2014 die damalige Tochter Scout24 an die Finanzinvestoren Hellman & Friedman sowie Blackstone. Eineinhalb Jahre später brachten die Investoren das Unternehmen an die Börse – für 30 Euro je Aktie. Zuletzt befanden sich die Aktien von Scout24 komplett im Streubesitz.

Vorstandschef Tobias Hartmann kam im November vergangenen Jahres zu Scout24. Er war zuvor Amerikachef des Kochboxlieferanten Hello Fresh. Aufsichtsratschef Hans-Holger Albrecht ist im Hauptjob Chef des Musikstreamingdiensts Deezer.

Die Zahlen von Scout24 wiesen zuletzt nach oben. Der Umsatz 2018 stieg im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 Prozent auf mehr als eine halbe Milliarde Euro (531,7 Millionen Euro). Das Ebitda konnte um 15,3 Prozent auf 291,5 Millionen Euro zulegen – eine Marge von satten 55 Prozent.

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