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Interview mit Luftfahrtexperte Karl-Hans Hartwig „Der Alitalia-Niedergang lässt sich nicht aufhalten“

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Warum sind die Gewerkschaften trotz der drohenden Insolvenz nicht zum Einlenken bereit?

Gewerkschaften sind eben Interessengruppen. Sie müssen demonstrieren, dass sie hart sind. Gelingt das nicht, müssen unter Umständen die Funktionäre ihren Hut nehmen. Außerdem hatten sie mit ihrem harten Kurs immer Erfolg. Der Staat hat weiter gezahlt, und schmerzhafte, aber unbedingt notwendige Anpassungen konnten unterbleiben, und zwar für viele Jahre. Es ist ja nicht erst seit gestern schlecht um die Alitalia bestellt.

Der ehemalige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat sich gegen den Verkauf der Alitalia und für eine italienische Lösung ausgesprochen. Glauben Sie, dass eine von ihm favorisierte Übernahme die Airline retten kann?

Nein, letztlich nicht. Erstens haben sich ja bis jetzt auch keine italienische Investoren für Alitalia gefunden. Zweitens lässt sich selbst dann, wenn das gelänge, der Niedergang langfristig nicht aufhalten. Das haben ja auch Swissair und in gewissem Sinne auch Sabena gezeigt. In der Schweiz hatte die Politik gemeinsam mit privaten Investoren zunächst versucht, Swissair aus patriotisch motivierten Gründen zu retten und in eine Nachfolgegesellschaft umgewandelt. Doch die war kurze Zeit später bereits ebenfalls wieder in der Krise und wurde dann ja von der Lufthansa übernommen. Offensichtlich gingen die strukturellen Veränderungen unter dem Einfluss des Staates einfach nicht weit genug.

Und das ist auch das Problem von Alitalia. Vielleicht könnten es italienischen Investoren rund um Berlusconi schaffen, das Unternehmen kurzfristig am Leben zu erhalten. Langfristig kann das aber auch in Italien ohne eine radikale Restrukturierung nicht gehen. Nur ist gegenwärtig niemand zu sehen, der das angesichts der Widerstände bewältigen könnte. Dementsprechend ist auch niemand ernsthaft bereit, zu investieren.

Es gibt also nichts, was für eine italienische Lösung sprechen würde?

Was sollte dafür sprechen? Ein Land braucht heutzutage keinen eigenen Flugcarrier mehr, und Ängste, Italien würde dann nicht mehr angeflogen, sind unbegründet. Das Land ist sowohl aus touristischen als auch aus geschäftlichen Gründen hoch interessant. Denken Sie an das reiche Norditalien mit seinem hohen Pro-Kopf-Einkommen. Wenn es keine eigene Airline mehr gibt, dann wird das Land eben von anderen Airlines angeflogen. Das gilt ja auch für die Schweiz oder Belgien, wo man die staatliche Sabena aufgelöst und eine deutlich kleinere teilprivatisierte Nachfolgerin gegründet hat. Es ist sowieso erstaunlich, dass es weltweit noch immer so viele staatliche Airlines gibt, die aus Gründen des Nationalstolzes mit Subventionen am Leben gehalten werden. Dafür gibt es keinen ökonomisch gerechtfertigten Grund.

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