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Interview Philipp Man „Äußerst radikal“ – Warum der Chef des Online-Uhrenhändlers Chronext Ärger mit dem Einzelhandel hat

Der Chef der Online-Plattform Chronext spricht über den eskalierenden Krach zwischen Wempe und seinem neuen Partner Nomos und die Zukunft von Luxusuhren im Netz.
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Chrontext: Chef hält Wempe-Attacke für „äußerst radikal“ Quelle: Chronext
Philipp Man, Gründer der Internet-Plattform Chronext

„Wir machen genau das, was den Fachhandel ausmacht: faire, transparente Preise, kuratiertes Angebot, Beratung, Expertise.“

(Foto: Chronext)

Düsseldorf Philipp Man, 27, ist Mitgründer und Chef der Kölner E-Commerce-Plattform Chronext, die sich auf den Verkauf von Luxusuhren spezialisiert hat. Laut Man arbeiten mittlerweile rund 150 Leute für das Unternehmen, das dieses Jahr mit knapp 100 Millionen Euro Umsatz rechnet. Neuerdings hat er eine echte Pretiose unter den deutschen Uhrenmarken in seinem Sortiment – und plötzlich echten Ärger mit dem Einzelhandel.

Herr Man, der Uhrenbranche gelten Sie und Ihre E-Commerce-Plattform Chronext als eine Art Antichrist. Können Sie den Ärger verstehen?
Ehrlich gesagt: nein. Wir versuchen ja gerade, das Online-Geschäft sorgfältig zu sortieren und zu professionalisieren, die Angebote zu kuratieren und den Sumpf des früheren Graumarktes trockenzulegen. Vor allem: Wir sind daran interessiert, die Preise absolut stabil zu halten. Und plötzlich, da wir nach denselben Regeln wie alle anderen spielen – was ja immer gefordert wurde – gibt es Unmut. Das macht keinen Sinn für mich. 

Wozu soll ich als Kunde dann zu Ihnen, wenn ich bei Wempe, Bucherer und anderen für den gleichen Preis noch einen Espresso und gute Beratung bekomme?
In einer Umfrage unter unseren Kunden zeigte sich, dass die Preise zu den unwichtigeren Kriterien gehören, warum Leute zu uns kommen.

Sondern?
Die Breite des Angebots, seine Verfügbarkeit, schnelle Lieferzeit. Die jüngere Konsumentengeneration fühlt sich von der prätentiösen Art mancher Fachgeschäfte sogar eher eingeschüchtert. Übrigens sind es bislang ja oft gerade die stationären Händler, die auch neue Uhren über unsere Plattform deutlich unter Marktpreis anbieten, um Volumen zu machen, auch wenn das ihre Marge schmälert. Der Aufschrei der Branche ist da also auch verwunderlich. Die Kritiker sind ja teilweise selbst daran beteiligt gewesen, die Preise zu verwässern.

Nomos ist die erste große Marke, die nun ganz offen mit Ihnen kooperiert. Mit welchen anderen arbeiten Sie zusammen?
Mit über ein Dutzend, auch wenn wir die Namen bislang nicht nennen möchten. Aber auch da hilft die neue Partnerschaft mit Nomos hoffentlich, mehr Transparenz zu schaffen.

Nomos ist Ihre Galionsfigur in diesem Kampf?
Ich sehe das nicht als Kampf – ganz im Gegenteil. Nur als Freund der Hersteller werden wir wirklich unser volles Potenzial ausschöpfen. Aber unsere Kooperation hilft hoffentlich zu zeigen, dass auch wir wie vorher Nomos mittlerweile ein fester Bestandteil der Uhrenindustrie geworden sind. 

Die Hamburger Juwelierkette Wempe hat Nomos nun brüsk den Vertrag gekündigt und für nächstes Jahr eine eigene E-Commerce-Plattform in Aussicht gestellt.
Ich habe hohen Respekt vor Wempe, das ein sehr großer Player im Markt ist, glaube aber generell nicht, dass Drohgebärden das richtige Fundament für Geschäftsbeziehungen sind. Dass Wempe nun selbst online geht, finde ich gut, auch wenn der Schritt in diesem Fall lange auf sich warten ließ. Das Online-Geschäft zu verstehen, ist nicht so leicht wie viele in der Industrie denken. Aber ich wünsche Wempe viel Erfolg. Konkurrenz belebt immer das Geschäft – und hilft am Ende den Marken wie den Kunden. Aber natürlich nehmen wir alle Marktteilnehmer vor allem bei einer Größe wie Wempe sehr ernst.

Unter Juwelieren kursiert bereits eine Petition, die Nomos mit Auslistung droht, wenn das Unternehmen weiter mit Ihnen arbeitet. Hat Sie die Vehemenz der Reaktionen wirklich überrascht?
Durchaus. Wir hatten mit Gemurre gerechnet, aber dass nun sogar Boykottaufrufe gestartet werden, wundert mich schon. Und man kann doch selbst in der traditionellen Uhrenbranche nicht so tun, als gäbe es dieses komische Internet nicht. Das wird nicht mehr weggehen. Und wenn wir als seriöse Anbieter das Geschäft nicht machen, wird es jemand anderes tun. 

Sie nehmen dem Fachhandel nun mal Geschäft weg.
Wir machen genau das, was diesen Fachhandel ausmacht: faire, transparente Preise, kuratiertes Angebot, Beratung, Expertise. Ich sehe uns da nur als weiteren Vertriebskanal, der den Einzelhandel übrigens gar nicht ausschließt. Die Marken, die Filialketten, die kleinen Juweliere – alle sollen Chronext als Marktplatz begreifen. Jeder kann bei uns partizipieren. Diesen Fortschritt kann man nicht aufhalten.

Selbst Nomos ist nicht sicher, wie die Auseinandersetzung ausgeht.
Ich halte es für nicht richtig durchdacht von Juwelieren, wenn sie ausgerechnet diese starke und wirklich coole deutsche Marke durch Auslistung bestrafen. Gerade Nomos bringt ihnen doch eine junge Generation in ihre Shops, die sie mit anderen Hochpreis-Marken gar nicht erreichen. Das sind doch die Kunden die als nächstes wieder eine teure Uhr kaufen. Die neue Käuferschaft der Uhrenindustrie! Am Ende leiden alle und wenn überhaupt, treibt das den Nomos-Käufer weiter online. Das wäre wirklich bitter für die Händler. Stattdessen sollten sie mal über ihre angestammten Geschäftsmodelle nachdenken, wenn eine Kooperation mit uns derartige Angst auslöst. Es ist leicht, einen Sündenbock auszumachen. Aber die Tatsache, dass die Branche selbst sagt, dass jeder zweite Juwelier in den nächsten fünf Jahren dichtmacht, ist kein exklusives Internet Phänomen.

Wie wird E-Commerce die Uhrenbranche verändern?
In den nächsten fünf Jahren sicher äußerst radikal. Es wird definitiv eine Umverteilung und Konsolidierung stattfinden. Und die eigentliche Bedrohung für viele Juweliere wie Wempe sind am Ende des Tages gar nicht Online-Plattformen wie wir, sondern eher die Mono-Brand-Stores vieler Marken, die ihren Auftritt lieber selbst steuern und weiter nach vorne die Wertschöpfungskette integrieren. Da wird derzeit viel experimentiert. Und das ist auch gut so. Wir freuen uns, das Ganze zu begleiten. 

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