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Interview Stefan Schulte So will der Fraport-Chef das Chaos in der Luftfahrt in den Griff bekommen

Die Flüge am Frankfurter Flughafen starten unpünktlicher. Der Chef des Betreibers räumt Versäumnisse der Branche ein, stellt zur Lösung der Krise aber Forderungen.
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Der Fraport-Chef  ist mit der Pünktlichkeit der Starts in Frankfurt nicht zufrieden. Quelle: dpa
Stefan Schulte

Der Fraport-Chef ist mit der Pünktlichkeit der Starts in Frankfurt nicht zufrieden.

(Foto: dpa)

FrankfurtVorne – auf dem Sideboard im Büro von Stefan Schulte – heben Modellflugzeuge ab, draußen, beim Blick aus dem Fenster, die großen. Alles sieht normal aus, wie immer. Dabei hat die Branche zurzeit massive Probleme mit dem Betrieb. Der Fraport-Chef hat jede Menge Zahlen für das Gespräch herausgesucht, um die Ursachen zu erklären. Seine Erkenntnis: Lösbar ist das Problem nur gemeinsam mit allen Unternehmen in der Luftfahrt.

Herr Schulte, hat die Branche plötzlich das Fliegen verlernt?
(Lacht) Nein. Wir hatten unter anderem definitiv mehr Gewitter in den Monaten Mai, Juni und Juli als im Vorjahreszeitraum. Hinzu kamen Streiks in vier großen Ländern in Europa. Und es gibt einen Mangel an Lotsen bei dem recht starken Marktwachstum. Alles das traf auf eine Neuordnung des Marktes nach der Insolvenz von Air Berlin. Auch aufgrund kartellrechtlicher Entscheidungen sind die Flugzeuge und Crews nicht immer dort gelandet, wo die Airlines sie erwartet hatten, sodass manche Flugpläne jetzt angespannt sind. Es ist aktuell schon eine außergewöhnliche Situation.

Glaubt man Lufthansa-Chef Carsten Spohr, sind auch die Flughäfen schuld, auch der in Frankfurt.
Natürlich wirken sich die oben genannten Themen auch auf die Pünktlichkeit an Flughäfen aus. Die hat europaweit abgenommen, auch schon im vergangenen Jahr. Wir liegen konkret in Frankfurt zehn Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Unter dem Strich sind wir damit natürlich nicht zufrieden. Aber nicht alle Gründe für diese Situation liegen in unserer Hand.

Welche liegen denn in Ihrer Hand?
Nehmen wir das Thema Sicherheitskontrollen. Wir haben an der Stelle in diesem Sommer viel gemacht, um die Situation zu verbessern. Wir haben neues Personal eingestellt, Personal wurde aus der Rente zurückgeholt, und Beschäftigte haben viele Zusatzschichten geleistet. Wir haben dort also viel investiert, was übrigens unser Ergebnis im zweiten Quartal deutlich geschmälert hat. Im nächsten Jahr werden wir außerdem die Zahl der Kontrollspuren weiter erhöhen. Ich bin deshalb überzeugt: Das Thema Sicherheit wird nächstes Jahr deutlich besser laufen.

Dennoch: Die Pünktlichkeit der startenden Flugzeuge in Frankfurt war in den letzten Monaten niedriger als die der hereinkommenden. Irgendwas klappt da doch nicht am Boden.
Es stimmt, unsere Pünktlichkeit bei den Starts liegt ungefähr zehn Prozentpunkte unter der für die hereinkommenden Flüge. Damit sind wir nicht zufrieden. Das hat viel mit durcheinander gewirbelten Flugplänen zu tun, weil das Anschlussflugzeug oder die Crew noch nicht da ist, die Flugzeugposition noch besetzt ist oder auch weil wegen fehlender Passagiere Gepäck wieder ausgeladen werden muss. Wesentlich ist aber, dass wir nicht in den oberen Luftraum reinkommen, weil oben auf den Luftstraßen zu viel Betrieb ist und damit die Flugzeuge vom Flughafen nicht so abheben können wie geplant.

Nun zeigen die Statistiken von Eurocontrol, dass die größten Verursacher der Flugausfälle und Verspätungen die Airlines selbst sind. Stimmt das?
Fingerpointing hilft wirklich nicht weiter. Dazu ist die Sache im Übrigen auch viel zu komplex und muss man viel tiefer in die Wirkzusammenhänge im Luftverkehr einsteigen.

Okay, dann scheint die Forderung, die Kapazitäten an den Flughäfen zu begrenzen, aber doch kurzfristig eine sinnvolle zu sein – zumindest solange, bis die Infrastruktur am Himmel wieder stimmt?
An die sogenannten Eckwerte der Flughäfen heranzugehen ist der falsche Weg. Wenn ich Staus auf der Autobahn habe, kann ich doch auch nicht den Leuten verbieten, ihr Auto zu benutzen. Da muss ich Umgehungsstraßen ausweisen, Verkehrsleitsysteme verbessern oder zum Beispiel Knotenpunkte vergrößern. Noch einmal: Die Pünktlichkeit ist fast überall in Europa zurückgegangen, in Frankfurt genauso wie in München oder in Paris.  Das zeigt doch, dass die Probleme wenig mit dem einzelnen Flughafen zu tun haben, sondern mit dem System in Summe. Da müssen wir – jeder einzeln und alle zusammen – ansetzen.

Dann kommt der Luftfahrtgipfel Anfang Oktober ja genau richtig. Was erwarten Sie von dem Treffen?
Ich gehe mit der Erwartung in das Gipfeltreffen, dass alle Teilnehmer, also die Airlines, die Airports, die Flugsicherung und auch der Bund in seiner Verantwortung ein gemeinsames Maßnahmenpaket schnüren.

Geht es ein bisschen konkreter? Was genau kann man machen, um die Situation bis zum kommenden Sommer zu verbessern?
Die Flugpläne werden im zweiten Jahr nach der Air-Berlin-Insolvenz definitiv besser zu den vorhandenen Kapazitäten passen. Weiteres Gerät und mehr Personal an den verschiedenen Prozessstellen wird im Einsatz sein, bei den Airlines, den Flughäfen, der Bundespolizei und den europäischen Flugsicherungen. Die Ausbildung von Lotsen dauert zwar mehrere Jahre. Aber auch hier muss es möglich sein, Nadelöhre prioritär zu besetzen oder zum Beispiel freiwillig bezahlte Zusatzschichten zu leisten. Das kostet natürlich Unternehmensergebnis. Aber durch den Prozess gehen wir derzeit alle, wir hier in Frankfurt vor allem bei den Sicherheitskontrollen und den Bodenverkehrsdiensten.

Haben Sie noch andere Ideen?
Wir sollten die eine oder andere Regulierung hinterfragen. Muss zum Beispiel generell Gepäck eines Passagiers, der nicht rechtzeitig an Bord kommt, zeitintensiv ausgeladen werden, obwohl es bereits sicherheitsüberprüft ist oder sind hier intelligentere Verfahren vorstellbar?

Also darf der Passagier darauf hoffen, dass es im kommenden Sommer besser läuft?
Die Situation wird bis dahin sicherlich noch nicht optimal sein. Aber ich bin mir sicher, dass wir eine deutliche Verbesserung sehen werden. Jede Verspätung, jeder Ausfall kostet Geld und Vertrauen der Passagiere. Das will keiner.
Herr Schulte, vielen Dank für das Interview

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