Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Metro

Der Vorstand sieht das Unternehmen erheblich unterbewertet.

(Foto: Reuters)

Investor Daniel Kretinsky „Erheblich unterbewertet“ – Metro-Vorstand kritisiert Übernahmeangebot

Der Milliardär Daniel Kretinsky will alle Aktien des Konzerns übernehmen. Das Management hält die Offerte des Tschechen jedoch für zu niedrig.
23.06.2019 Update: 23.06.2019 - 16:18 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Der Vorstand der Metro hat das Übernahmeangebot des tschechischen Investors Daniel Kretinsky als zu niedrig bezeichnet. Mit der Offerte in Höhe von 16 Euro für die Stammaktie und 13,80 Euro je Vorzugsaktie werde „das Unternehmen erheblich unterbewertet und dessen Wertschöpfungsplan nicht reflektiert“, teilte er am Sonntag mit.

Den Aktionären werde geraten, bis zur Veröffentlichung der begründeten Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat zum Übernahmeangebot keine Maßnahmen zu ergreifen. Die Investmentgesellschaft von Kretinsky, die EP Global Commerce (EPGC), äußerte sich nicht zur Kritik an der Höhe des Angebots.

Damit deutet sich ein erster Konflikt zwischen dem Management des Handelskonzerns um Vorstandschef Olaf Koch und seinem Großaktionär an. Auch wenn er öffentlich mitteilte, dass er sich auf eine „konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand und Aufsichtsrat der Metro“ freue, ist Kretinsky Insidern zufolge alles andere als zufrieden mit der Performance des Unternehmens.

Dies liege aber nur zum Teil an der Leistung des Managements, heißt es. Dieses habe zwar auf einige Marktveränderungen zu spät reagiert, bekomme aber auch von den bisherigen Aktionären zu wenig Spielraum, um konsequent in Zukunftschancen zu investieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das will der tschechische Milliardär ändern. „Wir sind davon überzeugt, dass unser Einstieg als Hauptaktionär die Möglichkeit schaffen wird, dem Management den erforderlichen Handlungsauftrag zu geben, die notwendigen Veränderungen im besten Interesse des Unternehmens, seiner Mitarbeiter, seiner Aktionäre, seiner Kunden und aller anderen Interessengruppen umzusetzen“, teilte Kretinsky mit. Metro stehe vor großen Herausforderungen, um den notwendigen Transformationsprozess einzuleiten.

    Kontrolle angestrebt

    Um rasch die operative Kontrolle zu gewinnen, hat EPGC am späten Freitagabend ein freiwilliges Übernahmeangebot an die Aktionäre des Unternehmens veröffentlicht. Ziel der Investmentgesellschaft ist es, alle Stamm- und Vorzugsaktien zu erwerben. Danach dürfte Kretinsky Metro voraussichtlich mittelfristig von der Börse nehmen. Die Offerte bewertet das Unternehmen mit 5,8 Milliarden Euro.

    Kretinsky war zusammen mit seinem Geschäftspartner Patrick Tkac im vergangenen August bei Metro eingestiegen. Sie halten über ihre gemeinsame Holding EPGC bereits 10,91 Prozent der Anteile. Außerdem halten sie Optionen auf Anteile an Metro von der Familie Haniel und von Ceconomy, die Ende Juni auslaufen. Wenn sie diese Optionen ziehen, kommen sie auf mehr als 30 Prozent der Anteile an Metro und wären dann ohnehin verpflichtet gewesen, allen Aktionären ein Übernahmeangebot zu machen.

    Wichtig wird nun sein, wie sich zwei weitere Großaktionäre von Metro entscheiden, die Familienstiftung Meridian mit knapp 15 Prozent und die Beisheim Holding mit 6,56 Prozent. Branchenkreisen zufolge soll es schon erste Gespräche zwischen EPGC und diesen Anteilseignern gegeben haben.

    Die Metro-Aktie war am Freitag mit 15,54 Euro aus dem Handel gegangen. Damit bietet Kretinsky mit dem Angebot von 16 Euro nur einen geringen Aufschlag. Doch er ist überzeugt davon, dass der Anstieg des Aktienkurses in den vergangenen Monaten größtenteils spekulativ ist und nicht auf der operativen Performance des Unternehmens basiert. Der Kurs habe ein erwartetes Übernahmeangebot bereits vorweggenommen.

    In der Tat lag der Metro-Kurs vor dem Einstieg des tschechischen Milliardärs im August 2018 nur bei 11,90 Euro. Bezogen auf diesen Kurs bietet der Investor eine Prämie von 34,5 Prozent. Deshalb bezeichnet Kretinsky seine Offerte als „attraktiv“.

    Für eine Übernahme müssen aber noch gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. So wird das Angebot unter einer Mindestannahmeschwelle stehen. Aus Sicht der EPGC wird diese ausreichend sein, um die Zustimmung zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zu bekommen.

    Wie hoch die Schwelle genau sein wird, hat der Investor nicht mitgeteilt. Sie dürfte aber bei mindestens 60 Prozent der Anteile liegen. Außerdem müssen die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen. Auch die Finanzaufsicht Bafin muss das Angebot noch prüfen.

    Der Metro-Großaktionär befindet sich im Konflikt mit dem Vorstand. Quelle: imago/CTK Photo
    Daniel Kretinsky

    Der Metro-Großaktionär befindet sich im Konflikt mit dem Vorstand.

    (Foto: imago/CTK Photo)

    Die Metro ist auf dem Weg, sich zu einem reinen Großhandelsunternehmen zu entwickeln. Deshalb verhandelt sie mit dem Immobilieninvestor Redos über einen Verkauf der Supermarkttochter Real. Kretinsky unterstützt die Strategie des Konzerns grundsätzlich.

    Der tschechische Milliardär betonte jedoch erneut, dass er diesen Verkaufsprozess nur als strategisch positiv ansieht, „wenn er zu fairen Konditionen für Metro durchgeführt wird“. Zuvor hatte es aus Insiderkreisen bereits geheißen, Kretinsky sei enttäuscht über die aktuellen Verkaufspläne für Real. Die bisher erzielten Vereinbarungen spiegelten weder den Wert der Real-Immobilien noch die des operativen Geschäfts wider.

    Das Management von Real und Vertreter von Redos sind zurzeit dabei, im Rahmen ihrer exklusiven Verhandlungen ein Zukunftskonzept für die angeschlagene Supermarktkette auszuarbeiten. Nach bisheriger Planung soll das bis spätestens Ende Juli abgeschlossen sein. Dieser Prozesse laufe „unbeeinflusst von den gegenwärtigen Entwicklungen planmäßig und geordnet weiter“, teilte ein Metro-Sprecher am Sonntag mit. Sollte Kretinsky mit seinen Übernahmeplänen rasch Fortschritte machen, dürfte er bei der endgültigen Entscheidung über einen Real-Verkauf aber auch noch ein gewichtiges Wort mitreden.

    Der 43-Jährige hat sein auf über zwei Milliarden Euro geschätztes Vermögen mit Investments in der tschechischen Energiebranche gemacht. Doch seit einiger Zeit investiert er in Medienunternehmen und in den Handel. Wie er selbst sagt, ist sein Einstieg bei Metro ein strategischer Schritt, in den er große Hoffnungen setzt.

    Wohl auch deswegen sendete der Investor versöhnliche Signale an die Mitarbeiter. Weder plane er, Märkte in Deutschland und anderen Kernmärkten zu schließen, noch wolle er Arbeitsplätze in größerem Umfang abbauen, teilte er mit. Auch beabsichtige er nicht, bestehende Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge aufzuheben. „Wir schätzen das Engagement aller Metro-Mitarbeiter sehr. Sie haben bereits sehr große Veränderungen durchlaufen und leisten in diesen schwierigen Zeiten eine bemerkenswerte Arbeit“, sagte Kretinsky.

    Mehr: Was der neue Metro-Aktionär Kretinsky im deutschen Handel vorhat – und wie er zu seinem Vermögen gekommen ist. Ein Porträt über den tschechischen Selfmade-Milliardär.

    Startseite
    Mehr zu: Investor Daniel Kretinsky - „Erheblich unterbewertet“ – Metro-Vorstand kritisiert Übernahmeangebot
    0 Kommentare zu "Investor Daniel Kretinsky: „Erheblich unterbewertet“ – Metro-Vorstand kritisiert Übernahmeangebot"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%