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Investor Start-up-Schmiede Rocket Internet macht erstmals Gewinn

Unternehmenschef Oliver Samwer legt zum ersten Mal schwarze Zahlen vor. Ein gutes Zeichen, doch Anleger fragen sich, wo das nächste große Ding bleibt.
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Start-up-Schmiede Rocket Internet macht erstmals Gewinn Quelle: dpa
Rocket-Internetchef Oliver Samwer

Der Internetkonzern hat 2018 einen Gewinn von knapp 200 Millionen Euro gemacht.

(Foto: dpa)

BerlinOliver Samwer neuestes Start-up verkauft Zahnspangen, sogenannte Aligner, durchsichtig und diskret. Die Idee kommt aus den USA, wo sich erwachsene Menschen seit Neuestem massenhaft die Zähne zurechtrücken lassen. Ein kleiner kosmetischer Eingriff für satte 1500 Pfund. Das Unternehmen mit dem Namen Franksmile ist in Großbritannien aktiv, angemeldet ist es in der Berliner Charlottenstraße, wo Rocket Internet seinen Sitz hat.

Das Geschäft läuft gut. Und gut ist auch die Bilanz, die Samwer an diesem Donnerstag für sein Kernunternehmen vorgelegt hat: 2018 hat der Internetkonzern, der Start-ups gründet oder in diese investiert, um sie später wieder zu verkaufen, erstmalig schwarze Zahlen geschrieben. Unterm Strich steht ein Gewinn von 196 Millionen Euro.

Seit 2014 hat Rocket Internet in Zalando, Delivery Hero, Hello Fresh, Westwing und Home24 fünf Unternehmen an die Börse gebracht. Und in Kürze soll das sechste folgen: Mit Jumia macht sich das „Amazon Afrikas“ bereit für das Debüt auf New Yorker Börsenparkett – als erstes afrikanisches Start-up überhaupt.

Dass die Aktionäre sich der guten Stimmung nicht so recht anschließen mögen, liegt unter anderem daran, dass niemand so recht weiß, was als nächstes kommen soll. Rocket Internet hält derzeit eine Cash-Reserve von zwei Milliarden Euro. Daneben betreibt Samwer noch einen Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro. Damit gehört er zu den ganz wenigen Investoren in Europa, die richtig große Finanzierungsrunden stemmen können. Doch was genau er mit dem Geld vorhat, dazu sagte Samwer am Donnerstag nichts. Der Aktienkurs hat sich im laufenden Jahr positiv entwickelt, seit Ausgabe steht das Papier aber insgesamt im Minus.

Rocket Internet hat in mehr als 200 Unternehmen auf der ganzen Welt investiert, darunter in die Cateringplattform Caterwings, den Personalvermittler Expert Lead oder den Frachtvermittler Instafreight. Doch ein richtig großes Highlight, das derzeit Potenzial für den nächsten Börsengang hätte, hat Samwer offenbar noch nicht identifiziert.

Viele der Firmen stehen, wie Franksmile, noch ganz am Anfang: Trotz guter Anläufe kann niemand vorhersagen, ob sie überhaupt überleben. „Die meisten Unternehmen werden nichts“, predigt der Rocket-Internet-Chef selbst seinen Aktionären immer wieder. Doch über Projekte, die scheitern könnten, spricht auch er nicht gerne in der Öffentlichkeit.

Auch nicht über sein oft gegebenes Versprechen, drei seiner größten Beteiligungen profitabel zu machen. Das Ziel hätte schon 2017 erreicht sein sollen, es wurde aber auch 2018 wieder verfehlt. Einzig der Shoppingclub Westwing schrieb 2018 erstmals schwarze Zahlen, bei einem Umsatzwachstum von 16 Prozent. Der Möbelhändler Home 24 steigerte seinen Umsatz zwar um 18 Prozent. Angekündigt worden waren allerdings einst 30 Prozent. Weil die Berliner Firma außerdem noch immer nicht profitabel ist, fiel der Aktie, die im vergangenen Sommer für 23 Euro ausgegeben wurde, auf rund fünf Euro.

Auch die Papiere von Hello Fresh notieren noch immer unter ihrem Ausgabepreis. Der Kochboxen-Versender konnte seinen Umsatz 2018 nach Zukäufen in den USA und Kanada zwar stärker als erwartet steigern – das angekündigte Ziel, bis Ende des Jahres schwarze Zahlen zu liefern, musste das Unternehmen aber verschieben.

Profitabel arbeitet auch Delivery Hero immer noch nicht. 2019 will die Lieferdienst-Plattform die Milliardenmarke beim Umsatz knacken. Zumindest könnte hier Gründer Niklas Östberg aber die Aktionäre offenbar von seiner Strategie überzeugen. Der Kurs liegt deutlich über dem Ausgabepreis – was Rocket Internet im letzten Februar beim Verkauf weiterer Anteile zugute kam. Jumia, der nächste Börsenkandidat, und die Global Fashion Group, ein Zusammenschluss mehrerer Zalando-Klone, schreiben nach wie vor Verluste.

Bislang hat Rocket Internet vor allem in E-Commerce-Projekte investiert, große Plattformen, die sich ihr Umsatzwachstum mit viel Marketing-Einsatz erkaufen. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass Samwers Investmentfokus sich weitet: „Wir sind diverser geworden“, sagte er am Donnerstag. Man schaue sich inzwischen auch B2B-Modelle an, den Fin-Tech-Bereich, Software, Hardware und Künstliche Intelligenz.

Das größte Investment im vergangenen Jahr aber tätigte Rocket Internet in sich selbst: Erst im September kündigte der Konzern ein neues Aktienrückkaufprogramm an, das ein Volumen von bis zu 150 Millionen Euro erreichen soll.

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