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IPOBirkenstock beantragt Börsengang in den USA

Der deutsche Sandalenhersteller geht in der zweiten Oktoberwoche an die New Yorker Börse. Ein französischer Luxuskonzern spielt dabei eine entscheidende Rolle.Arno Schütze, Florian Kolf 13.09.2023 - 13:12 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Sandalen-Hersteller geht an die Börse.

Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

New York, Frankfurt, Düsseldorf. Der deutsche Sandalenhersteller Birkenstock geht an die New Yorker Börse. Das geht aus einem Antrag des Unternehmens an die US-Börsenaufsicht SEC vom Dienstagabend hervor. Der Schritt war erwartet worden. Das Handelsblatt hatte zuvor bereits berichtet, das Debüt an der New Yorker Börse (NYSE) sei in der zweiten Oktoberwoche geplant. Dabei will Birkenstock zehn bis 15 Prozent der Anteile verkaufen. Als Gesamtbewertung strebt das Unternehmen mindestens acht Milliarden Dollar (7,45 Milliarden Euro) an.

Birkenstock-CEO Oliver Reichert bezeichnete den Börsengang als „logischen Schritt“ nach dem Rückzug der Familie Birkenstock aus der Führung des Unternehmens. Die Gründerfamilie hatte die Mehrheit an der Firma 2021 zu einer Bewertung von 4,9 Milliarden Dollar an die Private-Equity-Gesellschaft L Catterton verkauft. Der Finanzinvestor hält seitdem rund 65 Prozent der Anteile. Etwa 20 Prozent hält Bernard Arnault, der Gründer des Luxuskonzerns LVMH, über seine Holdinggesellschaft Agache. Die restlichen Anteile hält weiterhin die Gründerfamilie.

Beim Börsengang könnten die Eigner nun in Aktien gewandelte Anteile abgeben. Es sei aber auch möglich, dass Arnault seine Position stärkt, indem er weniger Aktien verkauft und L Catterton mehr, erfuhr das Handelsblatt aus Industriekreisen. Arnault sei mit dem bisherigen Birkenstock-Investment derart zufrieden, dass er seine Beteiligungsposition nicht reduzieren, sondern mittelfristig aufstocken wolle. Außerdem passe die Marke gut ins Familienportfolio.

Birkenstock will an der Börse das Kürzel „BIRK.“ führen

Im vorläufigen Prospekt für den Börsengang schreibt Birkenstock-Chef Reichert, die Übernahme durch L Catterton sei ein „wichtiger Meilenstein“ auf dem Weg zum Börsengang gewesen, mit dem Birkenstock nun „eine breitere Gruppe von Investoren“ ansprechen wolle.

Birkenstock will die Papiere unter dem Börsenkürzel „BIRK.“ führen. In rund drei Wochen sollen dann die Preisspanne und der finale Börsenprospekt veröffentlicht werden. Da Birkenstock den Investoren als Hersteller von Lifestyle- und Luxusprodukten präsentiert wird, halten Finanzkreise sogar eine Bewertung von zehn bis 11,5 Milliarden Dollar für möglich.

Die Investmentgesellschaft des Franzosen hält derzeit rund 20 Prozent an Birkenstock.

Foto: Reuters

Die US-Großbanken JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley leiten die Transaktion, beteiligt sind außerdem führende US-Investmentbanken wie die Bank of America, Citi, Jefferies und aus Europa die Deutsche Bank, UBS und BNP Paribas.

Börsengang von Birkenstock: Sandalenhersteller ist am Rhein zu Hause

Im Börsenprospekt betont Birkenstock die eigenen Wachstumsperspektiven. Der globale Schuhmarkt hatte im vergangenen Jahr ein Umsatzvolumen von 340 Milliarden Euro und soll laut Marktprognosen von Euromonitor bis zum Jahr 2027 auf 430 Milliarden Euro steigen, das wären rund fünf Prozent pro Jahr. Einen Vorteil sieht Birkenstock in der Zersplitterung des Markts: Die fünf größten Marken stehen für nur 20 Prozent des Markts.

Das Unternehmen sieht deshalb gute Chancen, seinen weltweiten Marktanteil von bisher nur einem Prozent deutlich zu steigern. Den Fokus will Birkenstock dabei auf den asiatischen Markt legen, der mit jährlich 5,9 Prozent das schnellste Wachstum verspricht.

Seit dem Einstieg von L Catterton verstärkt Birkenstock seine Vertriebsbemühungen in Amerika und Asien. Der Umsatz des Unternehmens lag 2022 bei 1,24 Milliarden Euro, der bereinigte Gewinn (Ebitda) bei 435 Millionen Euro. Für 2023 rechnet Birkenstock mit einem deutlichen Plus. Im ersten Halbjahr 2023 lagen die Erlöse bei 646 Millionen und das bereinigte Ebitda bei 224 Millionen Euro. Der Nettogewinn betrug 40 Millionen Euro.

Das stärkste Wachstum erzielte Birkenstock in den vergangenen Jahren in der Direktvermarktung über seine eigenen Kanäle. Hatte dieses Geschäft 2018 erst 18 Prozent des Umsatzes ausgemacht, lag es 2022 schon bei 38 Prozent. Damit macht sich der Hersteller unabhängiger vom Einzelhandel und erzielt deutlich höhere Gewinnmargen.

Birkenstock auch im Blockbuster „Barbie“ zu sehen

Die USA sind dabei ein wichtiger Wachstumsmarkt für den Hersteller – spätestens seit dort Influencer und Prominente wie Kristen Stewart und Kendall Jenner die Gesundheitsschuhe als Trendmodelle entdeckt haben. Das Unternehmen greift die Popularität in den sozialen Medien geschickt mit begleitenden Marketingmaßnahmen auf.

Etwa durch erfolgreiche Produktplatzierung: Im Blockbuster „Barbie von Regisseurin Greta Gerwig entscheidet sich die von der Schauspielerin Margot Robbie gespielte Hauptfigur, statt ihrer High Heels Gesundheitsschuhe zu tragen: ein Modell Arizona aus Veloursleder in der Farbe Light Rose der Firma Birkenstock. Vor den Augen des jungen Publikums wird das Anfang des 20. Jahrhunderts patentierte anatomische Fußbett als Symbol der Selbstfürsorge und Nachhaltigkeit präsentiert – und das im bislang erfolgreichsten Film des Jahres.

Das Product-Placement im „Barbie“-Film funktionierte: Das rosafarbene Modell Arizona war im Sommer nur noch in wenigen Größen zu haben.

Product Placement in dem Blockbuster verschafft der Schuhmarke Birkenstock Aufmerksamkeit vor dem geplanten Börsengang.

Foto: dpa

Birkenstock hat sein Produktportfolio mittlerweile deutlich über die Gesundheitssandalen hinaus erweitert. Seit einiger Zeit verkauft das Unternehmen auch Sneaker. Im Börsenprospekt schreibt das Unternehmen, dass es seine größten Chancen neben der Expansion in neue Märkte in der Ausweitung der Produktpalette sieht. Vor allem im Schuhmarkt, aber auch in ganz neuen Kategorien: So verkauft das Unternehmen auch Betten unter der Marke Birkenstock.

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Birkenstock produziert an sechs Standorten in Deutschland, darunter auch in einem neuen, vergangene Woche in Betrieb genommenen Werk in Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern). Unternehmenskreisen zufolge will das Unternehmen auch künftig komplett in Deutschland produzieren. CEO Reichert soll weiterhin die operativen Geschicke der Firma führen.

Reichert sieht die Entwicklung von Birkenstock als langfristige Aufgabe. „Die Arbeit bei Birkenstock ist noch nicht abgeschlossen“, sagt er, „und wird auch in meiner Karriere oder zu meinen Lebzeiten nicht abgeschlossen sein.“

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