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IPO in New York Deshalb verschmäht das britische Start-up Farfetch die Londoner Börse

Farfetch profitiert vom Trend zum Online-Geschäft im Luxussektor. Das Start-up peilt nun den Börsengang in New York an – statt London. Aus guten Gründen.
21.08.2018 - 15:08 Uhr Kommentieren
Farfetch ist eine der am schnellsten wachsenden Plattformen für Luxuskonsumgüter. Quelle: Reuters
Zentrale in London

Farfetch ist eine der am schnellsten wachsenden Plattformen für Luxuskonsumgüter.

(Foto: Reuters)

London/Düsseldorf Wer sich ein teures Teil von Prada, Chanel oder Gucci leisten möchte, geht bislang meist in eine Edel-Boutique. Doch die Scheu, sich eine Handtasche oder ein Kleid für mehrere Tausend Euro im Online-Shop zu kaufen, schwindet mehr und mehr. Davon will José Neves profitieren. Der Gründer und CEO von Farfetch will die britische Online-Plattform für Luxusmode an die Börse in New York bringen.

Denn Neves sieht noch enormes Wachstumspotenzial in der Luxusmode-Branche. Bisher werden neun Prozent der Luxuskäufe online getätigt. Er hält es für realistisch, dass dieser Anteil in den nächsten Jahren auf ein Drittel steigt. Mit dem Kapital aus dem Börsengang will das Londoner Unternehmen die weitere Expansion finanzieren.

Farfetch ist in den zurückliegenden Jahren stark gewachsen: Alleine im vergangenen Jahr stieg der Umsatz von 242 Millionen auf 386 Millionen US-Dollar. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz noch einmal kräftig um 55 Prozent von 173 Millionen auf 268 Millionen US-Dollar.

Das starke Wachstum ist aber teuer erkauft. So machte Farfetch im vergangenen Jahr einen Verlust beim operativen Ergebnis von rund 96 Millionen Dollar.

Der portugiesische Gründer lockt Investoren mit einer Prognose: Der Markt für persönliche Luxusgüter wird von 307 Milliarden im vergangenen Jahr auf etwa 446 Milliarden Dollar im Jahr 2025 wachsen. Das erwarten die Experten der Unternehmensberatung Bain & Co. und des italienischen Luxusverbandes.

Zu den Gewinnern des Booms gehören vor allem die Konzerne, die im Online-Geschäft mitmischen. „Es sind die Luxusmarken erfolgreich, die auf die Generation Y und Z setzen und deshalb stärker in das Online- und Accessoire-Geschäft investieren“, sagt Serge Hoffmann, Luxusexperte von Bain.

Auch die großen Marken, die sich bisher im Online-Geschäft zurückgehalten haben, denken inzwischen um. So kündigte das berühmte Pariser Modehaus Chanel bereits Anfang des Jahres an, mit Farfetch enger zusammen zu arbeiten.

Denn um die für die Luxusbranche immer wichtigeren jungen chinesischen Kunden zu erreichen, reicht der Verkauf über Monomarken-Boutiquen und Luxuskaufhäuser wie das Kadewe in Berlin nicht mehr aus. Und die jungen Chinesen kaufen viel lieber als junge Europäer auch Teures im Online-Shop ein.

Diesen Trend und die noch günstigen Marktbedingungen will Farfetch für einen Börsengang in New York nutzen. Das Unternehmen verriet in dem am Montag veröffentlichten Börsenprospekt vorerst allerdings nicht, wie viele Aktien es ausgeben will und was sie kosten sollen. Im Prospekt muss allerdings eine Mindestsumme genannt werden, eine Art Platzhalter.

Darin steht nun als erst einmal die Zahl 100 Millionen US-Dollar bis die Konsortialbanken ein besseres Bild von der Nachfrage bei den Anlegern haben. Doch am Ende dürfte die Summe deutlich darüber liegen. Das Unternehmen hofft auf eine Bewertung von bis zu fünf Milliarden US-Dollar.

Die Entscheidung von Farfetch für den Börsenplatz New York dürfte zwei Gründe haben: Zum einen gelten US-Anleger als risikofreudiger, wenn es darum geht, Start-Ups mit hohen Verlusten zu unterstützen. Zum anderen will Gründer Neves die Kontrolle behalten.

In New York kann er A- und B-Klasse-Aktien mit unterschiedlichen Stimmrechten ausgeben. Eine B-Aktie sichert zwanzigmal mehr Einfluss als eine A-Aktie. Mit seinem Anteil an B-Aktien kann er so weiterhin das Unternehmen steuern und vor feindlichen Übernahmen schützen.

Der 44-Jährige hat Farfetch 2007 unmittelbar vor der Finanzkrise im hippen Londoner Stadtteil Shoreditch gegründet. Heute hat das Unternehmen 2700 Mitarbeiter weltweit. Im Unterschied zu Konkurrenten wie Yoox Net-a-Porter hat Farfetch keine eigenen Lager und verschickt keine Ware. Das Start-up fungiert lediglich als Marktplatz, wo Luxusboutiquen und Modefirmen ihre Produkte den etwa 935.000 aktiven Nutzern anbieten können – Farfetch verdient an jeder Transaktion durch eine Gebühr.

In bisherigen Finanzierungsrunden hat Farfetch hunderte Millionen Dollar eingesammelt. Zu den Investoren zählen der russische Milliardär Juri Milner, der auch bei Facebook und Twitter früh eingestiegen war, sowie der chinesische Onlinehändler JD.com und die Münchener Mediengruppe Condé Nast.

Farfetch braucht das neue Kapital allerdings auch, um sich gegen starke Konkurrenten zu behaupten. Denn diese haben sich längst mit großen Konzernen verstärkt. So ist das Münchener Unternehmen My-theresa.com bereits 2014 von der US-amerikanischen Neiman Marcus Group gekauft worden, zu der auch die Nobel-Kaufhauskette Neiman Marcus gehört.

Und die Luxusplattform Net-a-porter, die die Internetpionierin Natalie Massenet bereits 2000 gründete, gehört inzwischen als Yoox-Netaporter zum Schweizer Luxus-Konzern Richemont. Lediglich Häuser wie das Familienunternehmen Luisaviaroma aus Florenz sind noch unabhängig von Großkonzernen.

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