Irische Billigairline Piloten brechen Tarifverhandlung mit Ryanair ab – und drohen mit Streiks

Weil Ryanair nach Ansicht der Piloten im Tarifstreit zu wenig Kompromisse eingeht, bricht deren Gewerkschaft die Verhandlungen ab. Streiks drohen.
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Ryanair: Deutsche Piloten brechen Tarifverhandlung ab Quelle: Reuters
Maschine von Ryanair

Der Billig-Fluglinie drohen Streiks.

(Foto: Reuters)

FrankfurtSchlechte Nachrichten für Passagiere von Ryanair: Die Piloten der Airline in Irland und Deutschland haben die Tarifverhandlungen mit dem Management der irischen Billig-Fluglinie abgebrochen. Man habe sich auf Airline-Seite bislang nicht kompromissbereit gezeigt, heißt es unisono. Nun wollen die Gewerkschaften in beiden Ländern in einer Urabstimmung unter den Mitgliedern über Streiks abstimmen lassen.

Die könnten, so heißt es bei der deutschen Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) auch länger dauern. Erst muss allerdings das Ergebnis der Urabstimmung abgewartet werden, die in Deutschland bis Ende Juli dauern wird. Vorher wird es keine Streiks geben.

Die Flugzeugführer erhöhen damit den Druck auf die Ryanair-Spitze um den langjährigen CEO Michael O’Leary. Mit Irland und Deutschland wären bei einem Ausstand zwei wichtige Märkte betroffen. Irland ist der Heimatmarkt des Billig-Anbieters. In Deutschland hatte Ryanair zuletzt das Angebot stark ausgebaut, nicht zuletzt durch den Einstieg bei Laudamotion, der Nachfolgegesellschaft der früheren Air Berlin-Tochter Niki. Die besitzt etwa in Düsseldorf viele Start- und Landerechte.

Die Ankündigung zeigt: Zwischen der Anerkennung der Gewerkschaften als Gesprächspartner und einem Tarifvertrag liegen Welten. In den zurückliegenden Wochen  hatte Ryanair öffentlich jede einzelne Anerkennung von Gewerkschaften sowohl für die Flugzeugführer als auch für das Kabinenpersonal gefeiert. Vielleicht geschah das auch in der Hoffnung, die Gemüter der Belegschaft zu beruhigen. Nun zeigt sich aber, dass die Rechnung nicht aufging.

Die deutschen Pilotenvertreter beklagen in einem internen Schreiben, dass Ryanair selbst schon vereinbarte Rahmenbedingungen für die weiteren Tarifdetails bislang nicht unterzeichnet hätte. Als erster hatte das Fachportal „airliners.de“ über das Schreiben berichtet.  Dabei geht es unter anderem um die sehr grundsätzliche Regelung, dass künftige Tarifverträge dem deutschen Recht unterliegen und in der auch in deutscher Sprache ausformulierten Form rechtsgültig sind.

Dagegen sträube sich Ryanair und habe mehrere Treffen nicht wahrgenommen oder auf Anschreiben nicht reagiert. Das interpretieren die VC-Vertreter als fehlenden Willen, „Tarifverträge zu etablieren“.

Die irischen Piloten – in Irland hat die Urabstimmung bereits begonnen – fordern bessere und transparentere Regelungen etwa bei den Themen Versetzung, Beförderung und Urlaub. Unter anderem sollen die Flugerfahrung beziehungsweise die Berufsjahre besser berücksichtigt werden.

Ähnliche Forderungen hat auch die britische Gewerkschaft formuliert. Auch hier ist man mit dem Gesprächsverlauf sehr unzufrieden. Hinzu kommen Streikdrohungen von Teilen des Kabinenpersonals. So haben die zuständigen Gewerkschaften in Spanien, Portugal, Italien und Belgien mit Arbeitsniederlegungen gedroht, sollte Ryanair nicht bis Ende des Monats auf die Forderungen eingehen.

Die Ryanair-Belegschaft geht seit Monaten gegen die Arbeitsbedingungen auf die Barrikaden. Ein zentrales Thema dabei ist die Praxis der Airline, einen Teil der Piloten und Crews nicht direkt, sondern über Vermittler anzustellen. Dabei müssen die Mitarbeiter eine Art Ich-AG gründen und alle Risiken, etwa im Krankheitsfall, selbst tragen.

Auslöser war eine völlig verkorkste Personalplanung im vergangenen Sommer, die zu einem massiven Engpass bei Piloten und zu tausenden von Flugausfällen führte. Ein ähnliches Szenario könnte sich nun in den Bundesländern wiederholen, in denen an diesem Freitag die Sommerferien beginnen.

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