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JAB-Holding-Chairman im Interview Familie Reimann will Kaffeegeschäft trotz Corona 2020 an die Börse bringen

JAB, die Holding der Unternehmerfamilie, lässt sich von Corona nicht abschrecken. Am ursprünglichen Einnahmeziel für Jacobs und Peet’s Coffee hält JAB-Chef Peter Harf aber nicht mehr fest.
18.03.2020 - 15:08 Uhr 1 Kommentar
„Wegen Corona sitzen die Leute nun zu Hause, langweilen sich und trinken Kaffee.“ Quelle: ANDREA MANTOVANI/The New York Ti/Redux/laif
JAB-Chef Peter Harf

„Wegen Corona sitzen die Leute nun zu Hause, langweilen sich und trinken Kaffee.“

(Foto: ANDREA MANTOVANI/The New York Ti/Redux/laif)

Düsseldorf JAB, die Investment-Holding der Unternehmerfamilie Reimann, lässt sich von der Börsenbaisse durch die Coronakrise nicht schrecken: Der Börsengang des Kaffeegeschäfts soll noch in diesem Jahr erfolgen. Das sagte Peter Harf, Chairman der JAB Holding, im Interview mit dem Handelsblatt.

„Wir warten auf eine Stabilisierung des Aktienmarktes. Das reicht schon aus, es muss nicht unbedingt kräftig nach oben gehen“, sagte Harf. Ein erfolgreicher Börsengang von Jacobs und Peet’s Coffee könne für Europa ein Zeichen sein, dass die Normalität zurückkehrt.

Von den drei Milliarden Euro, die der Börsengang Finanzkreisen zufolge einspielen soll, rückt Harf indes ab. „Diese Summe ist nicht in Stein gemeißelt.“ Man müsse auch die Marktkräfte mitberücksichtigen.

Die Coronakrise beflügelt laut Harf die meisten Firmen von JAB: „Unser Kaffeegeschäft ist im Aufwind, der Umsatz steigt. Wir erwarten Rekordergebnisse.“ Wegen Corona säßen die Leute nun zuhause, langweilten sich und tränken Kaffee, so Harf.

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    Schon jetzt werde im Jahr Kaffee für etwa 130 Milliarden Tassen verkauft. Die Kaffeeröster Jacobs Douwe Egberts und Peet’s Coffee sind mit rund sieben Milliarden Euro Umsatz die weltweite Nummer zwei hinter Nestlé.

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Harf, die Coronakrise hat die Börsenkurse weltweit abstürzen lassen. Auch die Beteiligungen von JAB – der Holding der Familie Reimann, an deren Spitze Sie stehen – haben stark an Wert verloren. Konnten Sie zuletzt noch ruhig schlafen?
    Ich schlafe immer gut. Schließlich sind wir gut vorbereitet. Mein JAB-Kollege Olivier Goudet und ich haben bereits 2007 eine Krise vorausgesehen. Dass es nun eine globale Dreifachkrise würde – eine Gesundheitskrise, eine Finanzkrise und eine Realwirtschaftskrise –, hat uns aber auch überrascht. Unserer Einschätzung nach haben wir JAB krisensicher aufgebaut und vorbereitet – angefangen damit, dass wir bis 2024 keine Refinanzierung brauchen. Zudem werden 65 Prozent unserer Firmenbeteiligungen durch die Krise schneller wachsen.

    Ist JAB also ein Profiteur der Pandemie?
    Krisenprofiteur – das Wort klingt furchtbar. Nein. Aber wir bieten Produkte an, die daheim konsumiert werden wie Softdrinks oder Kaffee. In jedem Jahr verkaufen wir 130 Milliarden Tassen Kaffee. Wegen Corona sitzen die Leute nun zu Hause, langweilen sich und trinken Kaffee. Jacobs, Dr-Pepper-Softdrinks und Peet’s Coffee laufen alle wie geschmiert, dort werden wir dieses Jahr Rekordergebnisse sehen. Unsere Getränke haben bis zu 30 Prozent höhere Umsätze als sonst. Momentan haben wir nur das Problem, wie wir mit der Produktion nachkommen.

    Wenn es so gut läuft, warum ist dann die Aktie von Getränkeanbieter Keurig Dr Pepper um mehr als ein Drittel abgestürzt?
    Die Investoren sind verunsichert. Deshalb sind die Börsenwerte eingebrochen. Hinzu kommt, dass einzelne Hedgefonds gegen Aktien einzelner Unternehmen spekulieren. JAB ist aber bewusst breit und defensiv investiert, eben in Konsumgüter des täglichen Bedarfs. Trinken müssen Menschen auch in der Krise – dieser Vorteil wird an der Börse leider noch nicht richtig wahrgenommen. Das wird sich aber bald ändern.

    Zum Jahresende waren die Firmenbeteiligungen der JAB Holding rund 18,65 Milliarden Euro wert. Was wird davon nach der Krise noch übrig sein?
    Ich habe mir abgewöhnt, auf kurzfristige Börsenkurse zu schauen. Die sind für uns irrelevant, weil wir von niemandem abhängig sind. JAB ist es wichtig, bei all seinen Firmenbeteiligungen die Kontrolle zu besitzen. So können wir alles bestimmen – von der Strategie bis zur Dividendenpolitik. Unser Portfolio ist flexibel aufgestellt. JAB ist ein System kommunizierender Röhren. Deswegen lassen uns Kursausschläge relativ kalt.

    Bringt Sie nichts aus der Ruhe? Nicht einmal das Virus?
    Die Familie Reimann ist seit 1823 im Geschäft und hat einen sehr langen Atem. Wir haben bewusst nicht in zyklische Industrien und Technologieunternehmen investiert. Deshalb kommen wir zwar auch nie auf mehr als 20 Prozent Gewinn im Jahr. Aber wir sind für Krisen gut gewappnet. Trotz Corona werden wir 2020 realwirtschaftlich ein gutes Jahr haben. Unser Rating liegt bei A minus. Wir werden unser Investmentgrade-Rating auf jeden Fall behalten. Die Börse ist für uns ein Indikator der langfristigen Wertentwicklung. Kurzfristige Ausschläge spiegeln nicht den wahren Wert eines Unternehmens wider.

    Gleichwohl haben Sie auch große Pläne an den Finanzmärkten, wollten Sie doch das Kaffeegeschäft im laufenden Frühjahr an die Börse bringen. Dafür wurde Jacobs Douwe Egberts mit dem US-Kaffeeröster Peet’s Coffee verschmolzen. Was wird nun aus Ihren Börsenplänen?
    Einen Börsengang zu unternehmen, wenn die Märkte in Panik geraten sind, wäre sicher unklug. Aber wenn es dieses Jahr überhaupt einen größeren IPO in Europa gibt, dann sind wir das. Unser Kaffeegeschäft ist im Aufwind, der Umsatz steigt. Wir gehen weiter davon aus, dass wir 2020 an die Börse gehen.

    Wann genau?
    Wir haben keinen Druck, wir wollen zwar an die Börse, wir müssen aber nicht. Wir warten auf eine Stabilisierung des Aktienmarkts. Das reicht schon aus, es muss nicht unbedingt kräftig nach oben gehen. Wenn unser Kaffeegeschäft mit Jacobs und Peet’s dann an der Börse funktioniert, kann das für Europa ein Zeichen sein, dass die Normalität zurückkehrt. Ich bin überzeugt, der Börsengang wird sehr gut klappen, weil wir das ultimative defensive Papier sind.

    „Wir werden uns kreativ neue Wege überlegen“

    Aus Finanzkreisen ist zu hören, dass Sie mit dem IPO ungefähr drei Milliarden Euro erlösen wollen. Ist das die Zielgröße?
    Wir planen so, dass wir auch an unsere Co-Investoren ausschütten können. Und wir haben mit dem Geld noch anderes vor. Aber die Summe ist nicht in Stein gemeißelt. Man muss auch bescheiden sein und die Marktkräfte mitberücksichtigen. Das wird ein schöner runder Börsengang, den wir dieses Jahr ziemlich sicher hinlegen werden. Bis sich die Krise auf der ganzen Welt beruhigt hat, wird es wohl Herbst werden.

    Was macht Sie so sicher, dass der Corona-Ausbruch das Wirtschaftsleben weltweit nicht noch viel länger lahmlegt?
    China hat die Neuansteckungen mit Corona relativ schnell in den Griff bekommen, in Südkorea flacht die Kurve ab. Wenn wir Ernst machen mit den Maßnahmen, kann die Krise recht schnell ausgestanden sein. Aber ich bin kein Hellseher. Die Börse spielt momentan deshalb so verrückt, weil sie nicht weiß, was los ist. Börsianer und Anleger hassen Ungewissheit.

    In New York dürfen Restaurants wegen Corona bereits keine Gäste mehr bewirten. Welche Folgen hat das für Ihre Sandwichkette Pret-A-Manger und die Bäckereicafés Panera Bread?
    Pret-A-Manger in New York ist geschlossen. In London geht Pret-A-Manger zum kontaktfreien Lieferservice vor allem nach Hause über und versorgt in großem Stil auch Arme und Obdachlose. Auf diese Weise hoffe ich, dass wir London offenhalten können. Wir werden uns kreativ neue Wege überlegen: Auch Panera etwa hat einen Vertrag mit den Behörden und liefert jetzt Mittagessen aus. Wir bleiben am Ball. Auf jeden Fall gewinnen wir Marktanteile. Pret-A-Manger, Panera und unsere anderen Restaurantketten werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.

    Sie müssen also keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen?
    Wo es möglich ist, machen wir selbstverständlich Kurzarbeit. In Frankreich zahlt der Staat bis zu 100 Prozent der Lohnkosten an die betroffenen Unternehmen. An diesem Programm nehmen wir natürlich teil. Aber wir brauchen keine staatlichen Finanzspritzen zur Stützung der Liquidität der JAB Holding. Denn wir sind gut finanziert und haben genügend Liquidität in der Holding – mehr als vier Milliarden Euro.

    Andererseits sind die Verbindlichkeiten von JAB schon vor Corona auf 10,2 Milliarden Euro angewachsen. Werden die Schulden in der Krise weiter steigen?
    Wie gesagt, die Finanzverbindlichkeiten sind alle bis 2024 gesichert. Wir sehen nicht, dass wir irgendwie finanziell unter Druck geraten könnten. Gerade unsere großen Beteiligungen werden ja eher mehr als weniger Cash abwerfen. Wir sind Herr im Haus und können jederzeit voll an die Holding ausschütten, wenn wir wollen.

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    1 Kommentar zu "JAB-Holding-Chairman im Interview: Familie Reimann will Kaffeegeschäft trotz Corona 2020 an die Börse bringen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Gratulation an die Familie Reimann für das professionelle, mutige und somit erfolgreiche Spitzenpersonal.

      Sehr angenehm, einmal fundierte und geerdete Meinungen von Wirtschaftsführern zu hören.
      Dieses ständige Krisengerede von den ausschließlich angestellten Managern ist wenig hilfreich und zeigt eher Zukunftsangst für deren Mitarbeiter und Geschäftspartner, wobei sie selber keinerlei Risiken tragen und trotzdem ausgesorgt haben.

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