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JAB Holding Deutschlands wagemutigste Familie verliert mit Bart Becht einen ihrer Spitzenmanager

Die JAB-Holding der Milliardärsfamilie Reimann muss künftig auf Bart Becht verzichten, der überraschend in Ruhestand geht. Zuletzt hatte das Portfolio innerhalb eines Jahres eine Milliarde Euro an Wert verloren.
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Bart Becht verlässt JAB und geht in den Ruhestand. Quelle: Bloomberg
Bart Becht

Bart Becht verlässt JAB und geht in den Ruhestand.

(Foto: Bloomberg)

HamburgDie JAB-Holding steht für spektakuläre Deals. Ein kleines Team hat mit dem Geld der deutschen Chemie-Erben Reimann einen Kaffeekonzern zusammengekauft, der seinesgleichen sucht: Marken wie Jacobs und Douwe Egberts, das amerikanische Nespresso-Pendant Keurig und eine ganze Reihe von Kaffeehausketten gehören dazu. Außerdem hat JAB erheblichen Einfluss auf den Kosmetikriesen Coty.

Doch jetzt verliert JAB einen ihrer Spitzenmanager: Bart Becht, Chairman und lange Jahre Chef der JAB-Beteiligung Reckitt-Benckiser und einer der Masterminds hinter dem Kurs der vergangenen Jahre, verlässt überraschend die Holding. „Nach fast 40 Jahren in der Markenindustrie habe ich entschlossen, dass es Zeit ist, meine Aktivitäten neu auszurichten und in den Ruhestand zu gehen“, teilte Becht in einer Mitteilung von JAB mit.

Dabei ist der Manager mit 62 Jahren noch zehn Jahre jünger als Peter Harf. Harf gilt als Vertrauter der Reimann-Familie und bleibt an Bord.

„Bart war viele Jahrzehnte ein geschätztes Mitglied des JAB-Teams“, erklärte Harf. Er habe mit Becht seit ihren gemeinsamen Tagen bei Reckitt-Benckiser gearbeitet. Harf werde den täglichen Austausch mit Becht auf einem persönlichen Level vermissen, wünsche ihm aber alles Gute für seinen wohlverdienten Ruhestand.

Trotz der schönen Worte, kommt der Abschied zu einem problematischen Zeitpunkt. Becht hatte erst im November den Chairman-Posten bei Coty an Harf abgegeben, nachdem das Unternehmen an der Börse deutlich an Wert verloren hatte. Damals tauschte Coty auch den Vorstandschef aus.

Der Kosmetikkonzern kämpft seit Jahren mit der von JAB forcierten Übernahme eines Pakets von schwierigen Marken von P&G für 12,5 Milliarden Dollar. Ende 2018 hatte Coty eingestehen müssen, dass die Integration noch schwerer wird. Vergangene Woche tauschte der Konzern weitere Spitzenmanager aus.

Coty macht der JAB-Holding zu schaffen

Schon zuvor mussten die vier Geschwister aus der Mannheimer Chemiedynastie schlechte Nachrichten verkraften. Laut dem Halbjahresbericht von JAB ist ihr Vermögen innerhalb eines Jahres um rund eine Milliarde Euro geschrumpft. Hauptgrund ist der fallende Kurs der Coty-Aktie. Da die JAB Holding 38,6 Prozent an Coty hält, schlägt sich der Kursverfall auf das Vermögen der Familie.

Allein Dividendeneinnahmen verhinderten, dass die Familie noch mehr rechnerisches Geld verlor. Laut Geschäftsbericht lag das den Eignern zurechenbare Eigenkapital nun bei 15 Milliarden Euro – nach 16 Milliarden Euro vor Jahresfrist.

Die Geschwister haben laut früheren Angaben fast ihr gesamtes Vermögen in JAB gesteckt. Für die Entwicklung von Coty stand besonders Becht. Noch vor einem Jahr hatte er in einem Handelsblatt-Interview gesagt, dass er gerne aktiv wäre und die Wirtschaftswelt spannend fände.

In den vergangenen Jahren bis 2018 war das Vermögen der Reimanns unter der Leitung von Harf, Becht und dem dritten Senior Partner, Olivier Goudet, rasant gewachsen. Das Dreigespann sah das als einen Grund für das fast blinde Vertrauen, das ihnen die Familie entgegenbrachte.

Harf und Becht hatten dafür die Familienholding in den vergangenen Jahren umstrukturiert: Von einer Dachgesellschaft, die vor allem die Anteile an Coty und Reckitt-Benckiser hielt, hin zu einem aktiven Investor, der auch Geld von externen Anlegern einsammelt. Dabei reduzierten sie die Anteile am Stammhaus Reckitt-Benckiser immer weiter.

Mit Bechts Ruhestand, den er im Laufe des Jahres antreten soll, muss JAB eine ganze Reihe von Posten neu besetzen. Aktuell ist der Manager noch Chairman bei Jacobs Douwe Egeberts und bei Dr. Pepper, Verwaltungsratsmitglied bei Coty sowie den Kaffeehausketten Peet’s, Caribou Einstein Noah, Panera Bread, Krispy Kreme und Pret A Manger.

Entsprechend verstärkt sich JAB personell: Der Franzose Fabien Simon wird neuer Finanzchef. Er leitete zuvor die Integration der Kaffeemarken Jacobs und Douwe Egberts.

Der ehemalige Anheuser-Busch-Manager Ricardo Rittes soll künftig von Sao Paulo aus die Schwellenländer bearbeiten. Der Pole Jacek Szarzynski kommt von Mars und soll das Kaffeehausgeschäft Pret Penera fortentwickeln. Einen dritten Senior Partner bekommt JAB aber offenbar erst einmal nicht.

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